ALASTAIR THAIN – RAPTURE, KUNSTHALLE MANNHEIM 2005

Alastair Thain – Rapture.  Kunsthalle Mannheim, 4. Juni – 13. November  2005

 

Einladung

ROLF LAUTER, ALASTAIR THAIN - RUPTURE, EINLADUNG, KUNSTHALLE MANNHEIM 2005,

ROLF LAUTER, ALASTAIR THAIN - RUPTURE, EINLADUNG, KUNSTHALLE MANNHEIM 2005_

Spannbanner 

ROLF LAUTER, ALASTAIR THAIN - RAPTURE, BANNER FASSADE, KUNSTHALLE MANNHEIM 2005

Eröffnung

ROLF LAUTER, ALASTAIR THAIN - RAPTURE, KUNSTHALLE MANNHEIM 2005

 

Ausstellungsräume

 

Kunstwerke

 

Monat der Fotografie 2:  Peter Fink, Martin Parr, Alastair Thain.  4. Juni – 13. November  2005

Dear Monique Fink, dear Martin Parr, Dear Alastair Thain, Meine sehr verehrten Damen und Herren,

es ist für mich eine große Freude, am heutigen Abend den zweiten Ausstellungszyklus zu eröffnen, der in Zusammenhang mit dem Monat der Fotografie und den bald beginnenden „7. Internationalen Fototagen Mannheim / Ludwigshafen“ steht.

Die drei Ausstellungen, die sie ab heute sehen können, konzentrieren sich inhaltlich auf das Thema Menschenbild, Porträt und Alltagswelt.

Unter dem Titel „Peter Fink: Die Wiederfindung der Romantik“ zeigen wir in einer Retrospektive 170 Fotografien des 1907 geborenen und 1984 verstorbenen New Yorker Fotografen, dessen Witwe Monique Fink uns großzügigerweise die Türen zum Gesamtnachlass geöffnet hat.

Im Lesecafe und in Räumen des Altbaus zeigen wir von dem bekannten englischen Fotografen Martin Parr Arbeiten der Werkgruppen „Think of England & Germany“ sowie in unserer „Wunderkammer“, der Alten Bibliothek eine Sammlung von „Photo Plates“.

Schließlich werden sie in Raum N 6, also dem Raum neben dem Vetter Forum, mit den überdimensionierten Porträts von Alastair Thain konfrontiert, die in der Zeit zwischen den 80er Jahren und heute entstanden sind.

Die Peter Fink Retrospektive wurde in großzügiger Weise von der BASF Aktiengesellschaft unterstützt, die Ausstellung Martin Parr konnte mit der Hilfe der Heinrich-Vetter-Stiftung realisiert werden und das Projekt mit den Großfotografien von Alastair Thain konnten wir nur Dank der freundlichen Unterstützung von Dieter Abt aus Los Angeles umsetzen. Allen Förderern möchte ich hiermit sehr herzlich danken.

Ohne die Hilfe von Monique Fink und ihrem Bruder Robin Fritz wäre die erste große Ausstellung über Peter Fink nicht zustande gekommen. Ihnen danke ich für ihre Kooperation sehr herzlich.

Darüber hinaus geht mein Dank an Martin Parr sowie seine Administratoren bei Magnum Photos Paris, Andrea Holzherr und Fannie Escoulen, die uns eine sehr unkomplizierte und professionelle Hilfe haben zukommen lassen.

Schließlich möchte ich mich bei Alastair Thain und seinem hervorragenden Assistenten Amon McLoughlin für ihr großartiges Engagement bei der Vorbereitung und dem Aufbau der Ausstellung bedanken.

Inge Kumlehn hat wie so oft als Ausstellungskonservatorin und Organisatorin hervorragende Arbeit geleistet. Herzlichen Dank dafür. Das Hängeteam mit Enver, David, Jürgen, Stefan und Öczan war wie immer von unschätzbarem Wert. Melanie Tomahogh, die seit ein paar Tagen die Ausstellungsorganisation in Händen hat, danke ich für ihre schnelle Hilfe sehr. Die PR und Marketingabteilung mit Sascha Welchering, Stefan Tesch und Anke Moch hat ebenfalls sehr gute Arbeit geleistet. Andrea Poerner, Carmen Laudenklos und Margit Schröder bin ich für die sehr kompetente Umsetzung der Anforderungen im Bereich Fundraising und Ausstellungssekretariat sehr dankbar. Hier war auch Emeline Grangereau sehr hilfreich. Petra Neff hat die Rahmung der vielen Fotografien mit Bravour gemeistert. Die Hausmeister waren wie so oft mit ihrem Einsatz unverzichtbar.

 

Peter Fink wurde 1907 in Grand Rapids, Michigan geboren. Um Kunst zu studieren, ging er nach Chicago. Nach dem Abschluss des Studiums übernahm er eine Stelle in einem Betrieb für handgefertigte Designteppiche. Während der Zeit bei Vsoske, Inc. war Fink für eine Design-Präsentation der Firma im Museum of Modern Art in New York im Jahr 1940 verantwortlich.

„As a small child I had an innate feeling for beauty. Through study, hard work and Perseverance, it continued and developed. I am lucky enough to have lived among beautiful things, people and places all my life. I never needed to possess them, nor could I afford to. But I wanted to translate what I beheld. Thus the camera became my viewer, my recorder, my mind’s eye.“

Nach zehn Jahren Vsoske zog er nach New York, wo er als Verpackungsdesigner und Stellvertretender Leiter der Werbeabteilung das französische Bekleidungshaus von Lucien Lelong repräsentierte. Viele seiner Design-Entwürfe dieser Zeit befinden sich heute in der Sammlung des Cooper Hewitt Museum in New York. Mitte der 40er Jahre verließ er Lelong und wechselte als Modefotograf zu Lanvin, ein Wendepunkt in seiner Karriere.

In den 50er Jahren begann Peter Fink dann mit ausgedehnten Reisen in die ganze Welt. Sie führten ihn von Florenz nach Istanbul, von Paris nach Hongkong, von Lissabon nach Mallorca und von Tunesien bis nach Tokio. Er fotografierte Aristokraten, Feste und Feierlichkeiten, Kinder, Straßenszenen, das Landleben, Straßen und Wüsten, Natur und Architektur. Von der American Federation of Arts wurde Fink beauftragt die griechischen und römischen Ruinen in Nordafrika zu filmen.

Seit den 60er Jahren lebte Fink abwechselnd in New York und Paris. Er fotografierte weiterhin Menschen der Modewelt, begann daneben aber auch immer häufiger, Aufnahmen von lichtdurchfluteten Straßen, architektonisch spannenden Hochhäusern, reflektierenden Glasfassaden oder Porträts bekannter Persönlichkeiten zu machen.

Bis auf wenige Ausnahmen fotografierte Peter Fink in Schwarz-Weiß. Seine zentralen Themen seit den 60er Jahren sind Akte von Frauen und Männern, Mannequins, Menschen, Blumen, Porträts von bekannten Persönlichkeiten aus Film und Politik, Familien, Kinder, Reisefotografien von Landschaften und Menschenschicksalen, Straßenszenen, Hochhaus-Architekturen aus New York und San Francisco, Stadtlandschaften oder Spiegelungen (Refractions).

Fink war ein romantischer Magier der Kamera. Der Zauber, der von den Fotografien ausgeht, basiert auf dem ausschließlichen Einsatz von natürlichem Licht und weichem Barytpapier. Fink geht mit seinen Arbeiten weit über die Reportagefotografie hinaus und demonstriert mit „ikonischer Klarheit“ sehr einfühlsam die Schönheit, Traurigkeit, Eigenartigkeit und besondere Stimmung von Orten, Situationen, Ereignissen oder Menschengesichtern. Alle seine Werke sind von einer intensiven Liebe für das Motiv und seine Einzigartigkeit in der Wirklichkeit der fließenden und vom Augenblick bestimmten Zeit durchdrungen.

Den Porträts von Peter Fink ist stets eine repräsentative und physische Prägnanz von Menschen eigen, die im öffentlichen Leben stehen, hinter deren äußerem Schein sich aber gleichzeitig ihre mentale und physische Verletzbarkeit abzeichnet. Innerhalb der Reisebilder, die vor allem auf Fahrten nach Tunesien, Ägypten, Hongkong, Portugal und Frankreich entstanden, lässt sich Finks besonderes Engagement für die literarische Qualität der Realität und die liebevolle Präsentation des Individuums erkennen. Andere Fotografien, die behutsame Annäherungen an die Charaktere von Kindern verdeutlichen, offenbaren sehr persönliche Schicksale. Junge, schöne Frauen zeigen sich mit Stolz und Anmut in ihrer fremden und oft von Armut geprägten Kultur. Die von Lichtern durchdrungene Großstadt New York wird mit einem Hauch von Romantik in ihrem pulsierenden, fließenden Leben erfasst. Monumentale Hochhäuser werden als architektonische Ikonen zelebriert. Die sich in den zahlreichen Hochhausfassaden New Yorks oder San Franciscos spiegelnden Facetten der Alltagswirklichkeit erscheinen in den „Refractions“ als Fragmente einer ‚abstrakten’ Wirklichkeit.

Finks Arbeiten befinden sich in den Sammlungen des Metropolitan Museum of Art und des Museum of the City of New York, in der Bibliothèque Nationale, Paris, im Art Institute of Chicago, im Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main, in der Kunsthalle Mannheim sowie in zahlreichen privaten Sammlungen in Amerika und Europa.

Finks erstes Buch mit dem Titel „The New York I Love“, New York 1964 stellt ihn neben die bedeutendsten Fotografen Amerikas. Weitere Anerkennung bekam er durch seine drei nachfolgenden Bücher „Photographs, The Gallery of Modern Art“, New York 1969, „The San Francisco I Love“, San Francisco 1970 und „New York Nocturnes“, New York 1972. Seine erste größere Einzelausstellung in Deutschland fand unter dem Titel Peter Fink (1907–1984) Photographs im Amerika Haus, Frankfurt im Jahr 1999 statt.

Martin Parr, geb. 1952 in Epson Großbritannien, ist einer der erfolgreichsten und umstrittensten Fotografen Englands. Von 1970 bis 1973 studierte Parr Fotografie am Manchester Polytechnik, seit 1975 arbeitet er als Dozent für Fotografie an verschiedenen Schulen und Universitäten.

Sein unnachahmlicher Blick entlarvt das Banale und Groteske des Lebens der Mittelklasse und unserer Konsumwelt. Dabei steht er keineswegs überheblich über Personen, Handlungen und Dingen, die er beobachtet und fotografiert. Parr nutzt das Medium der Photographie als einen Spiegel, in dem die Menschen ironisch und doch liebevoll reflektiert werden. Er erfasst die Widersprüche, Schwächen, Lächerlichkeiten und Gemeinheiten alltäglicher Situationen.

So entlarvt etwa die bekannte Serie «Think of England» die Absonderlichkeiten seiner englischen Landsleute. Anhand von treffenden Menschenbildern, Situationsaufnahmen oder anderen Fotografien, die jeweils sehr spezifische Zusammenhänge vor Augen führen. Ob er nun rosa Zuckertörtchen fotografiert, sonnenverbrannte Touristennacken oder einfach eine Teetasse auf karierter Tischdecke – der britische Fotograf Martin Parr demaskiert mit seinen Fotos geschmackliche Entgleisungen. Parr provoziert, indem er alltägliche Klischees aufdeckt und ironisch zersetzt.

Oftmals leben Parrs Fotos von ihrem seriellen Charakter: das einzelne Bild an sich, genau im richtigen Moment aufgenommen, erscheint schon als witzig, aber im Kontext mit weiteren, zu einer Serie gehörenden Fotos, erschließt sich ein tieferer Sinn, der über den Oberflächenwitz der Abbildung hinausgeht. Parrs Bildsprache ist so charakteristisch, dass wir sie sofort erkennen und wieder erkennen, und zwar so stark, dass sie unser Auge programmiert: Sobald wir aus einer Parr-Ausstellung kommen, fangen wir an, die Menschen und Gegenstände, die uns umgeben, aus der Parr-Perspektive zu betrachten.

Alastair Thain, geboren 1961, war und ist vor allem von der „Topographie“ des menschlichen Gesichtes fasziniert. Nach dem er in den frühen 70er Jahren mit der Malerei begonnen hatte, diese es Ihm aber nicht ermöglichte, diejenige Direktheit in Ausdruck und Individualität eines Menschen zu erreichen, die seinen Vorstellungen entsprach, wandte er sich in den frühen 80er Jahren der Fotografie zu.

Seine oft groß dimensionierten „Menschenbilder“ erzählten in eindrucksvoller Weise etwas über die dargestellten Menschen, ihr Leben, ihre Geschichte, ihre Herkunft, ihr Schicksal und ihre noch erkennbaren oder bereits aufgegebenen Wünsche und Träume.

15 Jahre verbrachte Thain damit, seine einzigartigen Kameras zu entwickeln, mit denen er nicht nur großformatige Aufnahmen in einer unglaublichen Präzision herstellen, sondern mit denen er auch die oft extrem schnellen Bewegungen von Menschen oder ihre Handlungen in Ereignissen ohne Verzerrungen fixieren konnte. Seine Großfotografien wirken „majestätisch“ und „auratisch“, da ihnen eine stets besondere „Gegenwärtigkeit“ eigen ist. Diese Aura ist zum einen in der oft extremen Vergrößerung der Porträts begründet, deren hohe Auflösung und Klarheit in der Darstellung die Möglichkeiten des menschlichen Auges bei weitem übertreffen, zum anderem in der Auswahl der Augenblicke, in denen der Künstler die Menschenbilder festhält. Und genau diese Augenblicke zeigen uns oft die Tiefe eines psychologischen Ausdrucks, einer Lebensgeschichte oder eines leidvollen Schicksals, die einen Menschen in seinem Wesen, in seiner individuellen Besonderheit ausmachen.

Mit seinen Fotografien schärft Thain unser Bewusstsein für das Individuum, den Menschen und sein Dasein. Bei der Betrachtung und tieferen Wahrnehmung der Fotografien werden wir Partner eines imaginären Dialoges mit Menschen, die wir nicht kennen, die uns aber plötzlich so nah sind, dass wir der Einladung zum Gespräch über die Bürde ihres Schicksals nicht entkommen können. Im Verlauf dieses Dialoges werden wir uns Stück für Stück wieder der Einzigartigkeit aber auch der Verletzlichkeit der menschlichen Existenz bewusst, mit allen ihren positiven und negativen Nuancen.

Rolf Lauter