ANKÄUFE DES UND SCHENKUNGEN FÖRDERKREIS KUNSTHALLE MANNHEIM 2002-2007

 ANKÄUFE UND SCHENKUNGEN

FÖRDERKREIS FÜR DIE KUNSTHALLE MANNHEIM E.V.

2002-2007

IN DANKBARER ERINNERUNG AN DIETER HASSELBACH

 

Max Beckmann

Max Beckmann, Tannenbaum geht nach New York, 1947, Öl auf textilem Bildträger; © VG Bild-Kunst, Bonn 2013;  http://foerderkreis-kunsthalle-mannheim.de/index.php?id=87

Erworben 2004 mit Mitteln der Kulturstiftung der Länder, der Kulturstiftung der Bundesrepublik Deutschland, des Förderkreises für die Kunsthalle Mannheim e.V., der MVV Energie AG, der Landesbank Baden-Württemberg, der Wilhelm Müller-Stiftung, der Heinrich-Vetter-Stiftung, der Fuchs Petrolub AG, der Mannheimer Versicherungs AG, der Inter-Versicherung sowie zahlreicher privater Sponsoren;

Max Beckmann

1884  geboren in Leipzig
1900 – 1903 Studium an der Großherzoglichen Kunstschule, Weimar
1925 – 1933 Professor an der Städelschule, Frankfurt am Main
1937 Emigration nach Amsterdam, Niederlande
1947 Emigration in die USA
1949 Lehramt an der Brooklyn Museum Art School, New York, USA
1950 gestorben in New York, USA

Max Beckmann, einer der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts, schuf mit dem 1947 gemalten Ölgemälde „Bildnis Herbert Tannenbaum (Tannenbaum geht nach New York)“ das Porträt eines Mannheimer Bürgers, mit dem ihn die Erfahrung der Emigration verband. Der in Mannheim geborene Herbert Tannenbaum (1892-1958) hatte 1913 als Volontär an der Kunsthalle gearbeitet. Nach Ende des Ersten Weltkrieges richtete er in der Nähe des Wasserturms eine repräsentative Kunsthandlung ein, in der er dem Mannheimer Bürgertum überwiegend moderne Kunst anbot. Der Kunsthalle vermittelte er u.a. Werke von Marc Chagall, Pablo Picasso oder Auguste Rodin. Im Sommer 1937 sah sich Tannenbaum als Jude gezwungen nach Amsterdam auszuwandern. Der Maler Max Beckmann, dem die Kunsthalle 1928 eine große Einzelausstellung gewidmet hatte, war ebenfalls 1937 vor den Nationalsozialisten nach Amsterdam geflohen. Hier lernten sich der Künstler und der Kunsthändler kennen. Nach der Besetzung Hollands durch deutsche Truppen trafen die beiden sich nicht mehr, erst 1945 wurde der Kontakt wieder hergestellt. Beide wanderten 1947 nach Amerika aus.
Das Bild zeigt die stark angeschnittene Gestalt des Kunsthändlers in Halbfigur vor einem unbestimmten, dunklen Hintergrund. Die Pfeife im Mund, hält er in seiner Rechten einen Bilderrahmen und einen Blumentopf mit einer kleinen Tanne – Hinweis auf seinen Beruf sowie humorvolle Anspielung auf seinen Namen.

 

Martin Eder

Martin Eder, Les Nus #0253, 2006, C-Print auf Alu-Dibond; Exemplar 3/3; Sammlung Kunsthalle Mannheim; Leihgabe des Förderkreises für die Kunsthalle Mannheim e.V. seit 2008; © courtesy Galerie EIGEN + ART Leipzig/Berlin /VG Bild-Kunst, Bonn 2013; http://foerderkreis-kunsthalle-mannheim.de/index.php?id=143

Martin Eder

geboren 1968 in Augsburg; lebt und arbeitet in Berlin.
1986 – 1992  Studium Kommunikationsdesign an der Fachhochschule Augsburg, Diplom 1993
1993 – 1995 Studium an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg
1995 – 1996 Studium an der GHK Gesamthochschule Kassel
1996 – 1999 Studium an der Hochschule für Bildende Künste Dresden
1999 – 2001 Meisterschüler bei Prof. Eberhard Bosslet

 

Nigel Hall

Nigel Hall, Hidden Valley, 1999, poliertes Holz; Leihgabe des Förderkreises für die Kunsthalle Mannheim e.V. seit 2005; erworben mit freundlicher Unterstützung der Wilhelm-Müller-Stiftung; © Nigel Hall, Kunsthalle Mannheim;  http://foerderkreis-kunsthalle-mannheim.de/index.php?id=89

Nigel Hall

Nigel Hall, Slow Motion, 2001, Stahl, weiß gefasst; Leihgabe des Förderkreises für die Kunsthalle Mannheim e.V. seit 2008; erworben aus Mitteln der Wilhelm Müller-Stiftung; © Nigel Hall, Kunsthalle Mannheim;  http://foerderkreis-kunsthalle-mannheim.de/index.php?id=89

Nigel Hall

1934 geboren in Bristol, Großbritannien
Lebt und arbeitet in London

1960-1964 Studium am West of England College of Art, Bristol
1964-1967 Studium am Royal College of Art, London
1971-1981 Dozent und externes Prüfungsmitglied am Royal College of Art, London Leiter des Fachbereichs für Skulptur am Chelsea College of Art and Design
1977 Teilnahme an documenta 6
2003 Mitglied der Royal Academy of Arts, LondonMax Beckmann

Nigel Hall zählt zur englischen Bildhauergeneration, die in der Nachfolge von Henry Moore und Anthony Caro seit Mitte der 1970er Jahre den Begriff der „New Sculpture“ bzw. der „British Sculpture“ geprägt haben.

Halls Skulpturen basieren auf Landschaftseindrücken und -erlebnissen, die auf geometrische Körper zurückgeführt werden. Gestaltphänomene der Natur, wie etwa Erde, Felsen, Berge, Wasser, Himmel, Wolken, Sonnenauf- und Sonnenuntergang oder die verschiedensten Horizonte, finden in seinen Werken abstrakte Entsprechungen, die reduziert sind auf lineare Umrisse, konzentriert auf Zwischen- und Hohlräume. Anstelle des kompakten Volumens tritt eine Definition des Raumes durch sensible Lineamente und geometrische Formationen wie Kurven, Kreise, Ovale oder Ellipsen gegen gerade Linien, offene gegen geschlossene Formen.

Jüngere frei stehende oder an Wänden hängende Plastiken, meist nicht mehr aus Eisen oder Stahl, sondern aus poliertem Holz, zeigen, wie weit sich Hall von seinen Ursprüngen der konzeptionellen Konstruktion entfernt und einer intuitiven Sprache zugewandt hat: Seine Elemente bilden einen Sprachfundus, mit dem Natürliches abstrahiert und Abstraktes wieder zu Natürlichem verwandelt wird.

 

Herbert Hamak

Herbert Hamak, H 821 N, 2005, Pigment und Bindemittel auf Holz; Leihgabe des Förderkreises für die Kunsthalle Mannheim e.V. seit 2005; © VG Bild-Kunst, Bonn 2015; http://foerderkreis-kunsthalle-mannheim.de/index.php?id=90

Herbert Hamak

1952 geboren in Obereschenbach, Unterfranken. Lebt und arbeitet in Hammelburg.
1974 – 1979 Studium an der Städelschule, Frankfurt am Main

Herbert Hamak hinterfragt den Begriff der zweidimensionalen Malerei, indem er seine Arbeiten zu räumlichen Farbblöcken erweitert. Seine Werke sind Farbkörper, deren Grundsubstanz aus einem zunächst flüssigen Gemisch aus Kunstharz, Wachs und Farbpigmenten besteht, das sich – in Formen gegossen – durch entsprechende Bindemittel langsam zu einem Bildkörper verfestigt. Am Ende des Werkprozesses steht kein absolut planbares Werk, sondern ein bis zu einem gewissen Grad unvorhersehbares bildnerisches Ergebnis. Meist sind die Farbkörper annähernd monochrom, auch wenn sie bisweilen kleinere Verfärbungen, Unregelmäßigkeiten und Einsprengsel aufweisen. Hamak verbindet die Farbe mit der Raum verdrängenden Präsenz des Materials. In Verbindung mit Licht werden die Farbkörper zu energetischen Feldern, zu ästhetischen Eigenräumen, die auf den Betrachter eine ausgesprochen meditative Wirkung haben.

 

Jon A. Kessler

Max, 1992, Photographie auf Plexiglas, Aluminium, Holz, ausgestopfter Vogel, Licht, Motor; Leihgabe des Förderkreises für die Kunsthalle Mannheim e.V. seit 2006; Schenkung der Galerie Max Hetzler, Berlin; © Jon A. Kessler, Kunsthalle Mannheim; http://foerderkreis-kunsthalle-mannheim.de/index.php?id=91

North 9th Street (Garage), 1987, Mixed Media mit Licht und Motor; Leihgabe des Förderkreises für die Kunsthalle Mannheim e.V. seit 2006; Schenkung der Galerie Max Hetzler, Berlin; © Jon A. Kessler, Kunsthalle Mannheim

Path of a Carp, 1987, Mixed Media, Lampen, Elektronik, Motoren und ein Goldfisch; Leihgabe des Förderkreises für die Kunsthalle Mannheim e.V. seit 2006; Schenkung der Galerie Max Hetzler, Berlin; © Jon A. Kessler, Kunsthalle Mannheim

Basel, 1988, Mixed Media mit Licht und Motor; Leihgabe des Förderkreises für die Kunsthalle Mannheim e.V. seit 2006; Schenkung der Galerie Max Hetzler, Berlin; © Jon A. Kessler, Kunsthalle Mannheim

Anti-Vertigo-Machine, 1989, Mixed Media mit Licht und Motor; Leihgabe des Förderkreises für die Kunsthalle Mannheim e.V. seit 2006; Schenkung der Galerie Max Hetzler, Berlin; © Jon A. Kessler, Kunsthalle Mannheim

Der Kurs, 1989, Mixed Media mit Licht und Motor; Leihgabe des Förderkreises für die Kunsthalle Mannheim e.V. seit 2006; Schenkung der Galerie Max Hetzler, Berlin; © Jon A. Kessler, Kunsthalle Mannheim

Heart of a Man, 1989, Mixed Media mit Licht und Motor; Leihgabe des Förderkreises für die Kunsthalle Mannheim e.V. seit 2006; Schenkung der Galerie Max Hetzler, Berlin; © Jon A. Kessler, Kunsthalle Mannheim

Jon A. Kessler

1957 geboren in Yonkers, New York, lebt und arbeitet in New York, USA
1980 S.U.N.Y. at Purchase, New York, B.F.A.
1981 Whitney Museum Independent Study, Studio Program, New York
1994 Privatdozent an der School of the Arts, Division of Visual Arts, Columbia University, USA

Jon Kessler gehört zu den renommiertesten Künstlern der USA. Seine Werke zeichnen sich nicht nur durch ihre eindrucksvolle Zeitbezogenheit aus, sondern auch durch ihre technoide Wucht und die Originalität der Umsetzung. Kessler ist, ähnlich wie Jean Tinguely, ein Konstrukteur, der aus banalen Alltagsgegenständen kinetische Objekte baut. Von kleinen, zum Teil computergesteuerten Motoren angetrieben, werden szenische Bildwelten bewegt, die ebenso skurril wie poetisch erscheinen. Aus den Versatzstücken der alltäglichen Wirklichkeit, aus Glühbirne, Fön und Jalousien, aus Spielzeugfiguren, Fototapeten und Plastikblumen setzt Kessler seine künstlichen Szenerien zusammen und attackiert damit in spielerischer und improvisierter Leichtigkeit unsere Wahrnehmung der Welt. „Die sozialen und psychologischen Referenten in Kesslers Werk“, so Peter Weibel, „in dem die Materialien konkrete materialistische Bedeutungen darstellen, und die Mechanik der Bühne, welche die Welt bedeutet, als Mechanismus eines radikalen Spektakels gezeigt wird, verweisen auf die Momente der Desintegration und Rekonfiguration. Dies geschieht weder als Trauerarbeit noch in Agonie, sondern in einem fröhlichen Anarchismus, der die Grenzen der Historizität überwindet. So gelingen ihm lichtkinetische Objekte, die nicht die Fundamente der eigenen Kultur und der Moderne, den Glauben an die Revolution und die Maschinen feiern, sondern im Gegenteil dem Unbehagen und dem Ungenügen in der eigenen Kultur und der Sehnsucht nach dem Anderen, der fremden Kultur, Ausdruck geben. Insofern ist die Multimedialität von Kesslers Werk Ausdruck von Multikulturalität und Inkommensurabilität.“

 

Thomas Lüer

Broadway 2 (Videoinstallation), 2005, DVD; Leihgabe des Förderkreises für die Kunsthalle Mannheim e.V. seit 2005; © Thomas Lüer, Kunsthalle Mannheim;  http://foerderkreis-kunsthalle-mannheim.de/index.php?id=92

Thomas Lüer

1971 geboren in Barth, Ostesse, lebt und arbeitet in Frankfurt am Main
1991 – 1993 Studium der Kunstgeschichte und Romanistik, Greifswald
1994 – 2000 Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig

Thomas Lüer zählte 2003 zu den Preisträgern des H.W. & J. Hector Kunstpreises der Kunsthalle Mannheim. In seinen Arbeiten setzt er sich mit soziologischen und gesellschaftspolitischen Themen auseinander, wobei die Hinterfragung von Rollen und die gleichzeitige Dekonstruktion von Inszenierung eine wesentliche Bedeutung haben. Der Vielfalt seiner Themen entspricht die Bandbreite an Medien, die jeweils abgestimmt sind auf den Kontext, in dem die Arbeiten präsentiert werden, sei es in einer Galerie oder im öffentlichen Raum.

„Broadway“ ist eine 14-minütige Videoprojektion, die erstmals im Rahmen der Hector Kunstpreis-Ausstellung 2004 mit Einbruch der Dämmerung auf die Fenster der Kunsthalle projiziert wurde und von Passanten als irritierendes Geschehen hinter den Kulissen wahrgenommen wurde.

„Broadway“, so Tilo Schulz im Katalog zu oben genannter Ausstellung, „war der Code-Name sowohl für den festen Treffpunkt von Doppelagenten im London der 1930er Jahre, als auch für wechselnde Agententreffs im Ausland. Lüer hat diese Metapher für die Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit von Öffentlichkeit aufgenommen. Hinterleuchtete Schatten einer ganz alltäglichen Bürosituation wurden von innen auf Bürofenster in Berlin, Wien und Frankfurt projiziert. Telefonate, Diskussionen, Besprechungen, regloses Dasitzen. Die Figuren agieren stumm, tonlos, wodurch ihre Handlungen stereotyp werden. Modellhaft, aber nicht austauschbar. Spekulativ. Lüers ‚Broadway’ ist eine subtile öffentliche Intervention, die sich nur durch wenige Lichtblitze aus dem Stadtalltag heraushebt, um dann die bekannten Handlungsmuster präzise zu sezieren.“

„Broadway II“ entstand 2005 als 7-minütige Videoprojektion mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kunsthalle Mannheim als Darsteller.

 

Sandra Mann

050300-0223 Oli P. Konzert, aus der Serie „Nightlife“,Digitaldruck auf Leinwand; Leihgabe des Förderkreises der Kunsthalle Mannheim e.V. seit 2003; © VG Bild-Kunst, Bonn 2013

121103-0085 Corry, aus der Serie „Nightlife“,Digitaldruck auf Leinwand; Leihgabe des Förderkreises der Kunsthalle Mannheim e.V. seit 2003; © VG Bild-Kunst, Bonn 2013

071200-0012 Rücken, aus der Serie „Nightlife“,Digitaldruck auf Leinwand; Leihgabe des Förderkreises der Kunsthalle Mannheim e.V. seit 2003; © VG Bild-Kunst, Bonn 2013

091199-0032 Fliegenpilz, aus der Serie „Nightlife“,Digitaldruck auf Leinwand; Leihgabe des Förderkreises der Kunsthalle Mannheim e.V. seit 2003; © VG Bild-Kunst, Bonn 2013

010601-0048 Selbstporträt, aus der Serie „Nightlife“,Digitaldruck auf Leinwand; Leihgabe des Förderkreises der Kunsthalle Mannheim e.V. seit 2003; © VG Bild-Kunst, Bonn 2013

091000-0005 VIP, aus der Serie „Nightlife“,Digitaldruck auf Leinwand; Leihgabe des Förderkreises der Kunsthalle Mannheim e.V. seit 2003; © VG Bild-Kunst, Bonn 2013;  http://foerderkreis-kunsthalle-mannheim.de/index.php?id=82

Sandra Mann

1970 geboren in Groß-Gerau
1991 Studium der Kunstgeschichte an der
Johann-Wolfgang-Goethe-Universität, Frankfurt am Main
1992 Studium der Visuellen Kommunikation an der Hochschule für Gestaltung Offenbach,
2003 Diplom Visuelle Kommunikation, FB freie Gestaltung, bildende Kunst

Die 6 Fotografien aus Sandra Manns Serie „Night Life“ vermitteln einen sehr persönlichen Blick in die Welt der Clubs und Bars, der Party- und Musikszene. Amüsant, intim, direkt zeigen sie Menschen ihrer Generation in unterschiedlichen Facetten des Nachtlebens: Momentaufnahmen des Erlebens, die die Teilnehmer des nächtlichen Treibens fokussieren – Girlies, Fans, Musiker, Raver, DJ’s, Nachtschwärmer, die Protagonisten und Konsumenten des nightlifes der Großstadt, in dem Sandra Mann zuweilen selbst eine Rolle übernimmt, sie selbst Teil der Realität wird, die sie mit dem Sucher ihrer Kamera wie „Schnappschüsse“ festzuhalten scheint.

Eine subjektive, dokumentarische Sicht ohne Distanz zu ihrem Objekt, wie sie von Henri Cartier-Bresson (1908-2004) bis zu Nan Goldin (geb. 1953) die Rolle der Fotografie geprägt hat, versucht sie zu erhaschen: Im richtigen Augenblick den Auslöser zu drücken, um das wesentliche einer Situation, den spontanen Ausdruck, eine Direktheit, die auch vor intimen Momenten nicht zurückschreckt, in einem einzigen Foto einzufangen und zu bewahren.

Erstaunlich ist, dass Mann im digitalen Zeitalter auf die analoge Aufnahmetechnik zurückgreift. Die Kleinbild-Kompaktkamera mit integriertem Blitz und der absichtsvolle Verzicht auf zusätzliches Kunstlicht erlauben ihr an ihren Schauplätzen, den dunklen Clubs und Konzerthallen, zu fotografieren, und bewirken die milchige Oberfläche oder dunklen Farbtöne. Eingebunden in den Reproduzier Zyklus der analogen Fotografie arbeitet sie der schnellen Konsumier- und Verfügbarkeit der Digitalaufnahmen entgegen. Die Nummerierungen im Titel beziehen sich jeweils auf das Datum des fixierten Ereignisses und verstärken den Eindruck, Dokumente des „Hier und Jetzt“ zu sein. Der Einzelne als Teil einer Gruppe und Generation, der sich über sein Auftreten, sein Äußeres, den Konsum von Kleidung, Musik, Drogen definiert, sich durch Tattoos und Piercings „selbstsymbolisiert“, sich in seiner Individualität zugleich zum Typus stilisiert – die Aufnahmen spiegeln das Gefühl einer Jugendkultur wider, das in Bilder übersetzt, für die „Ewigkeit“ auf Leinwände konserviert ist.

 

Wolfgang Mattheuer

Wolfgang Mattheuer,  Mützenkopf, 1973, Bronze; Leihgabe des Förderkreis für die Kunsthalle Mannheim e.V. seit 2006; Schenkung aus einer Privatsammlung in Frankfurt am Main; © VG Bild-Kunst, Bonn 2013;  http://foerderkreis-kunsthalle-mannheim.de/index.php?id=94

Wolfgang Mattheuer

1927 geboren in Reichenbach, Vogtland
1946 – 1951 Besuch der Kunstgewerbeschule, Leipzig
ab 1947 Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig
1965 Professur an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig
2004 gestorben in Berlin

Seit 1956 war Wolfgang Mattheuer Dozent und seit 1965 Professor an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Neben Werner Tübke und Bernhard Heisig prägte er Anfang der 1970er Jahre die sogenannte „Leipziger Schule“, die – obgleich in einer sehr unterschiedlichen künstlerischen Handschrift – mit einer neuen, am Realismus orientierten Malerei und einer größtenteils kritischen Sicht auf die Lebenswirklichkeit, auf den real existierenden Sozialismus in der DDR reagierte.

Weniger präsent ist Mattheuers plastisches Schaffen, das insgesamt fast 50 Arbeiten umfasst. Bereits 1971 widmete er sich parallel zu seiner Malerei dem dreidimensionalen Arbeiten – zu einem der bekanntesten Werke zählt die 2 Meter hohe Bronzeskulptur „Jahrhundertschritt“ (1984), die vor der Zentrale der Berliner Volksbank aufgestellt ist. Sein plastisches Wirken ist in untrennbarem Zusammenhang mit seiner Malerei zu sehen und ist gleichsam von einer dialektischen Sicht auf realpolitische und gesellschaftliche Zustände gekennzeichnet. Sein plastisches Oeuvre ist vielgestaltig, sowohl im Hinblick auf die Verwendung des Werkstoffs (Bronze, Stein und Material-Assemblagen), als auch auf den formästhetischen Gehalt sowie die Bandbreite seiner Sujets.

Die Bronzearbeit „Mützenkopf“ von 1973 gliedert sich in eine Reihe parallel entstandener Arbeiten klassischer Leitmotive und Formauffassung der figürlichen Bildhauerei ein, wie die Kalksteinskulpturen „Blinde“ oder „Klagende“ (1972). Der männliche Kopf ist bis knapp unterhalb des Halsansatzes erfasst und liegt wie ein abgetrenntes Haupt schräg, ohne Plinthe auf, so dass der Blick nach oben, scheinbar gen Himmel gerichtet ist. Die Formauffassung scheint insgesamt vor allem von seinem Sujet geprägt zu sein und vermittelt eher eine graphische Sicht auf die plastische Auseinandersetzung als eine von Raum und Volumen bestimmte Herangehensweise. Durch die Reduzierung auf wesentliche Formelemente scheint nicht das Individuelle, sondern die Verallgemeinerung auf einen Typus, auf die gegenwärtige und zugleich überzeitliche menschliche Gesellschaft hervor.

 

Jessica Stockholder

Making a Clean Edge, 1989, Mixed Media (Holz, Müllsäcke…); Leihgabe des Förderkreises für die Kunsthalle Mannheim e.V. seit 2006; Geschenk der Galerie Max Hetzler, Berlin; © Jessica Stockholder, Kunsthalle Mannheim;

Jessica Stockholder

1959 geboren in Seattle, Washington, USA
Lebt und arbeitet in New Haven und Chicago
1982 Studium an der University of Victoria, Victoria, British Columbia, Kanada
1999 – 2011 Leitung der Graduate Studies in Sculpture an der Yale University, New Haven, Conneticut, USA
Seit 2013 Professur und Lehrstuhl für Bildende Künste an der University of Chicago

Jessica Stockholder gehört zur Generation amerikanischer Künstler, die sich von den dominanten europäischen Einflüssen nach 1945 gelöst haben und eigene Wege beschreiten – dabei das europäische Erbe durchaus nutzend, aber gleichzeitig selbstbewusst amerikanische Vorbilder reflektierend. Stockholder fertigt Assemblagen, wobei sie von einem breiten Spektrum unterschiedlicher Materialien ausgeht. Dabei verfährt sie nach der Devise „It doesn’t matter what I use“ (so in einem Interview mit Klaus Ottmann) und verwendet Fundstücke, die sie gezielt sucht – auch auf Trödel-märkten -, sowie Fertigteile aus dem technischen Bereich. Künstlerisch be-wegt sie sich nach eigener Einschätzung zwischen den Kubisten, den Surrealisten und Jean Tinguely, aber gleichzeitig ebenso zwischen dem amerikanischen Minimalismus und den Kompositionen John Cages. Folgerichtig versucht sie, mit ihren Assemblagen alle Sinne des Menschen anzusprechen. Die Farbe spielt in ihren Werken eine ausgeprägte Rolle, zumal sie ihre Karriere als Malerin begann. Hinzu kommen Elemente, die Musik erzeugen sowie Lichtquellen.

Auf beeindruckende Weise nimmt sie mit ihren temporären, installativen Arbeiten Räume völlig in Besitz und stellt dem Ausstellungsraum einen Raum eigener Ordnung entgegen. Dies gilt auch für die Arbeit „Making a Clean Edge“. Betritt man den Ausstellungsraum, sieht man zunächst nur die weiße, scharf kantige Rückseite der zweiteiligen Holzkonstruktion. Geht man weiter, offenbart sich das Innere, gefüllt mit Abfallsäcken und gelb bemaltem Zeitungspapier. Auf der Rückseite sorgen fluoreszierende Lichtröhren und frische Orangen vor einer spiegelnden Fläche für ein verwirrendes optisches Spiel.

 

Nasan Tur

Between – Die Kunsthalle Mannheim I, 2003, C-Print auf Alu-Dibond, Plexiglas; 6-teilige Serie; Leihgabe des Förderkreises für die Kunsthalle Mannheim e.V. seit 2003; © VG Bild-Kunst, Bonn 2013;  http://foerderkreis-kunsthalle-mannheim.de/index.php?id=85

Between – Die Kunsthalle Mannheim II, 2003, C-Print auf Alu-Dibond, Plexiglas; 6-teilige Serie; Leihgabe des Förderkreises für die Kunsthalle Mannheim e.V. seit 2003; © VG Bild-Kunst, Bonn 2013

Between – Die Kunsthalle Mannheim III, 2003, C-Print auf Alu-Dibond, Plexiglas; 6-teilige Serie; Leihgabe des Förderkreises für die Kunsthalle Mannheim e.V. seit 2003; © VG Bild-Kunst, Bonn 2013

Between – Die Kunsthalle Mannheim IV, 2003, C-Print auf Alu-Dibond, Plexiglas; 6-teilige Serie; Leihgabe des Förderkreises für die Kunsthalle Mannheim e.V. seit 2003; © VG Bild-Kunst, Bonn 2013

Between – Die Kunsthalle Mannheim V, 2003, C-Print auf Alu-Dibond, Plexiglas; 6-teilige Serie; Leihgabe des Förderkreises für die Kunsthalle Mannheim e.V. seit 2003; © VG Bild-Kunst, Bonn 2013

Between – Die Kunsthalle Mannheim VI, 2003, C-Print auf Alu-Dibond, Plexiglas; 6-teilige Serie; Leihgabe des Förderkreises für die Kunsthalle Mannheim e.V. seit 2003; © VG Bild-Kunst, Bonn 2013

Nasan Tur

1974 geboren in Offenbach
Lebt und arbeitet in Berlin
1995 – 2003 Studium an der Hochschule für Gestaltung, Offenbach
2000 – 2003 Staatliche Hochschule für Bildende Künste,  Städelschule, Frankfurt am Main

Lehrtätigkeit

2007 Universite de Picardie Jules Verne, Amiens Central Saint Martins College of Art & Design, London
2008 NABA – Accademia di Belle Arti Milano
2009 Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart
2010 Hochschule für Künste Bremen
Kunsthochschule Berlin Weissensee
Hochschule für Gestaltung HFG-Offenbach
2011 Kunsthochschule Berlin Weissensee
Kunsthochschule Kassel
2012 Hochschule für Gestaltung HFG-Offenbach
2014 Stipendiat der Villa Massimo, Rom

1974 geboren in Offenbach, lebt und arbeitet in Frankfurt am Main und London, Großbritannien Studium an der Hochschule für Gestaltung, Offenbach und an der Städelschule, Frankfurt am Main

Bereits zum 2. Mal stellt Nasan Tur in diesem Jahr im „Bunker“ der Kunsthalle Mannheim aus – zuletzt im Rahmen des H.W. & J. Hector Kunstpreises, für den er dort mit diversen Gebrauchsgegenständen ausgestattete „Rücksäcke“ dem Museumsbesucher zum Gebrauch zur Verfügung stellte („Backpacks“, 2006) oder Solarium-Leuchtstoffröhren an die Decke eines Raumes montierte („Invisible“, 2004). Unabhängig davon, in welchem Medium Tur arbeitet, ob mit Fotografie, Video oder Installation, immer geht es ihm um Situationen, Handlungen, Reaktionen und Interaktionen, die gesellschaftliche, soziale, individuelle Strukturen untersuchen. Die Auseinandersetzung mit dem „Sein“, der An- oder Abwesenheit von Personen in Raum und Zeit ist charakteristisch für seine Arbeiten im allgemeinen und im besonderen für die 6teilige Fotoserie, die speziell in der und für die Kunsthalle entstand.

Zur Zeit der Umbauphase für die erste Ausstellungsreihe „Neue Kunsthalle“ hatte Tur ein Museum vorgefunden, dessen spezifischer Zweck und seine Funktion nicht mehr nachzuvollziehen war: leere, weiße Wände, kahle Decken und Böden – Räume ohne Kunst. Der Kontext ist anhand der Fotografien nur unter Kenntnis des Ortes und seiner räumlichen Strukturen zu identifizieren, ist er doch seinen wesentlichen Merkmalen, der Kunstgegenstände beraubt und strahlt selbst für Vertraute eine irrationale, befremdliche Stimmung aus. Die Aufmerksamkeit des Betrachters wird auf architektonische Begebenheiten, nebensächliche Details, Größe, Licht, Farben, gelenkt – Elemente, die letztlich wenig Präsenz in der alltäglichen Wahrnehmung der Besucher haben. Der Charakter der Serie oszilliert jedoch zwischen Architekturdokumentation und Porträtfotografie, fokussiert der Blick zugleich die individuelle Gestalt von Personen, des Bewachungspersonals. Die Anwesenheit der in einem entleerten Museum anwesenden Aufsichten scheint ad absurdum geführt, denn was gilt es hier noch zu bewachen?

Tur bewahrte in seiner Fotoserie nicht nur den besonderen „Augenblick“ der Umbauten, sondern konstituierte durch das Spiel mit der Bedeutung und Wahrnehmung des öffentlichen Raums das Eigenleben des Baukörpers als einen Ort mit privatem Charakter und Erinnerungen, der Selbstbefragung und Reflexion.

 

Jeff Wall

Blind Window no. 3, 2000, C-Print, 23,5 x 25,5 cm

Jeff Wall

1946 geboren in Vancouver
Lebt und arbeitet in Vancouver, Kanada
1964-1970 Studium der Kunstgeschichte und bildenden Kunst an der Universität von British Columbia, Vancouver, Kanada
1970-1973 Doctoral Research, Courtauld Instiute, University of London
1974-1975 Lehrbeauftragter am Nova Scotia College of Art and Design; Kanada
1976-1987 Lehrbeauftragter an der Simon Frasier University, Kanada
Lehrtätigkeit an der University of British Columbia, Kanada und an der European Graduate School, Schweiz

Teilnahme an der documenta 7 (1982), der documenta 8 (1987), der documenta 10 (1997) und der documenta 11 (2002) in Kassel.

Jeff Wall ist bekannt als „Story Teller“, der seit seinen ersten „fotografischen Bildern“ von 1978 bis heute sämtliche Gattungen der traditionellen akademischen Hierarchie durchlaufen hat. Sein Hauptthema ist der Ort in seiner vielschichtigen Bedeutung als natur- oder gesellschaftsbezogener, kognitiver oder memorierender Raum, als Koordinatensystem in der alltäglichen Lebenswelt. Sein kunsttheoretisches Diktum in Anlehnung an Charles Baudelaires Essay von 1863 hat Wall als „peinture de la vie moderne“ zusammengefasst – ein postkonzeptuelles Konzept einer Rekonstruktion der Tradition der Malerei im Medium der Fotografie. Ziel seiner Beschäftigung mit der (Kunst-)Geschichte und den Darstellungskonventionen der Fotografie ist die Suche nach einem unmittelbaren, glaubhaften Ausdruck des banalen Lebens. Auf dieser Grundlage entwickelte Wall seine typische Bildsprache, die in unterschiedlicher Ausprägung zwischen dokumentarischer Aufnahme und filmischer Inszenierung alterniert. Seit Mitte der 1990er Jahre geht die Fokussierung auf authentisch wirkende Fotografie einher mit einer Verlagerung von pathetisch dramatischem Gehalt hin zu reduzierten, antimanieristischen Szenerien.

Die spezifische Stimmung des  Einzelmotivs, die „Poetik“ des Ortes rückt in den Vordergrund wie in „Blind Window no. 3“: Scheinbar en passant auf seinen Streifzügen in Vancouver festgehalten, fokussiert es auf die Darstellung eines zunächst unspektakulären Fragments: gewissermaßen eine Detailstudie eines Fensterausschnittes, das formatfüllend ins Bild gesetzt ist. Bezeichnend ist die Verbindung zu älteren Kompositionen durch das Motiv des „blinden“ Fensters („Doorpusher“, 1984; „Swept“, 1995), das im Jahr 2000 wiederholt als Serie auftaucht, losgelöst von Figur, Handlung, Vegetation. Ungewöhnlich erscheint bei no. 3 das Format in Form eines kleinformatigen C-Prints (Abzug vom Farbnegativ) – präsentiert nicht als großformatiges Diapositiv im Aluminium-Leuchtkasten, sondern gemäß des „sense of scale“ in Anpassung an das Motiv, an die ruhige, intime Stimmung des Ortes, der gekennzeichnet ist von Alterungsspuren, Schmutz, Staub, Spinnweben. In erster Linie ist die gesamte Serie „Blind Window“ die Beschreibung eines Ortes, der sich in eine Kulisse demonstrativer Verlassenheit verwandelt, der im Betrachter Reminiszenzen produziert, dem eine eigene Geschichte, ein rätselhafter Charakter innewohnt.

 

Yan Pei-Ming

Paysage international peint à Trièves (Triptychon), 1998, Öl auf textilem Bildträger; Leihgabe des Förderkreises für die Kunsthalle Mannheim e.V. seit 2007. Das Triptychon wurde erworben mit Spenden von: Förderkreis für die Kunsthalle Mannheim e.V.; Fuchs Petrolub AG; Heinrich-Vetter-Stiftung; Intertreu GmbH; Mannheimer AG Holding; Peter Künzler – Künzler Service GmbH; Wilhelm Müller Stiftung. Eheleutee Hans Bichelmeier; Heinz block; Reiner Brecht; Dr. Hans-Georg Bubam; Andreas Burger; Elisabeth Burger; Manfred Crisand; Walter Dachtler; Inge Dunder; Margot Effenberg; Heidi Egger; Prof. Dr. Carl-Heinrich Esser; Paul O. Farny; Dr. Klaus-Hermann Faso; Ehleute Dr. John Feldmann; Peter Foerstner; Eheleute Dr. Jürgen Hambrecht; Eheleute Dr. Dieter Hasselbach; Eheleute Dr. Hans-Werner Hector; Dr. Norbert Heine; Werner Herold; Frigga Holzner; Gudrun Honsel; Dr. Günther Horneff; Dr. Brigitte Kaeppele; Alois Kasper; Dr. Ernstlothar Keiper; Bertemarie Kiderlen; Gesa Knapp; Eheleute Heinz Knopf; Dr. Wolf Krahn; Wolfgang Kühner; Bärbel Leder; Laura Liao; Siegfried H. Liebchen; Dip.-Ing. Christoph Lieher; Guenter List; Ursula Löffers; Ruth Lurz; Karlheinz Mehler; Prof. Dr. Dr. Joachim Mühling; Dr. Bernd Ruediger Mund; Dr. Ingeborg Nikitopoulos; Walter Oechler; Joachim Peters; Barbara Prtuné; Dr. med Agnes Pschorn; Peter Roemer; Dr. Bernd Ruppert; Cornelia Sawicki; Werner Sax; Dr. Thomas Schaub; Ursula Schenk; Dipl. Ing. Karl Schmucker; Dorothea Schoening; Dr. Walter Schweizer; Karl Peter Schweyer; Eheleute Dip.-Kfm. Bernhard L.Siegel; Helga Stechel; Dr. Lothar Stöckbauer; Gisela Strickler; Dr. Hans Joachim Treutler; Dr. Paul Unterstaller; Eheleeute Dr. Thomas Veit; Anna Getrud Weber; Ursula Weckauf; Claudia Weissfolg; Eheleute Bernd Werz; Margita Wickenhäuser; Gerda Willing; Doris Wolf; Dr. Josef Zimmermann; Peter Zimmermann; © VG Bild-Kunst, Bonn 2013; http://foerderkreis-kunsthalle-mannheim.de/index.php?id=97

Yan Pei-Ming

1960 geboren in Shanghai, Volksrepublik China; lebt und arbeitet in Dijon, Frankreich
1981 – 1986 Studium an der École Nationale des Beaux-Arts, Dijon
1988 – 1989 Studium am Institut des Hautes Études en Arts Plastique, Paris, Frankreich

Yan Pei-Ming verschließt sich philosophischer oder theoretischer Diskurse über seine Malerei. Sein künstlerisches Prinzip charakterisiert sich vielmehr durch die Suche nach Identität, die es ausgehend von einer unmittelbaren Vorstellung, durch ein spontanes Vorgehen, zu veranschaulichen gilt. Die Annahme einer „Internationalisierung“ des Malers und seiner Sujets ist die Vorrausetzung für die spezifische Wechselwirkung zwischen Lebensrealität, Anonymität und Kunstgeschichte, aktueller, psychologischer und universeller Bezüge, aus denen heraus er seine Landschaften und vor allem Porträts erschafft.

Von diesem Ausgangspunkt ist auch das 15 m lange, 3teilige Landschafts-Panorama mit dem Titel „Paysage international peint à Trièves“ zu betrachten. Das Triptychon ist auf die Nicht-Farben beschränkt: Schwarz und Weiß in seinen vielfältigsten Abstufungen dominieren die Landschaft und verleihen ihr die spezifische Stimmung von Erhabenheit und Naturgewalt. Zugleich erlangt seine Malerei dadurch eine Autonomie, vermeidet er doch durch die Reduktion des Kolorits absichtsvoll eine direkte Konfrontation mit den großen Meistern der Malerei.

Beeindruckend ist ihr außergewöhnlich großes Format, das den Betrachter physisch in die Malerei eindringen, einen körperlichen Bezug zwischen Bild, Betrachter, Maler entstehen lässt. In erster Linie verleiht er seinen Leinwänden diese wesenhafte Präsenz jedoch durch seine malerische Geste, seine Pinselführung, die Farbmaterie, die in den Vordergrund rückt, den Prozess des Malens selbst thematisiert. Er malt spontan, schnell, mit großen, verlängerten Pinseln, spachtelt, lässt die Farbe an anderer Stelle dünnflüssig über die Leinwand laufen. Charakteristisch für Ming ist zudem das serielle Arbeiten, so schuf er seit 1995 eine Reihe „anonymer“ Landschaften. Yan Pei-Ming zeigt kein Abbild der Natur, er gibt keinen Hinweis auf einen bestimmten Ort. Vielmehr ist der Landschaftsausschnitt ein beliebiger, nicht benennbarer Ort, an dem jede Identität eliminiert ist. Bäume, Horizont, Himmel, Haus, Licht, Regen fügen sich zu Elementen eines „globalisierten“ Ortes zusammen, der  überall auf der Welt bestehen könnte. Erst der Titel des Triptychons verändert den Zugang des Betrachters und verleiht der Landschaft eine Geschichte und Identität oder vielmehr die Möglichkeit eine solche zu imaginieren.