WEISCHER MEETS BECKMANN, KHMA 2007

Weischer meets Beckmann

Eine Werkgruppe von Matthias Weischer im Dialog mit den Bildern von Max Beckmann aus der Sammlung der Kunsthalle Mannheim

27. Januar – 15. April, 2007

Eröffnung 26. Januar, 2007, 18.30 im Heinrich-Vetter-Forum

 

Einladung

 

Presse Info

Einführung

Eine Werkgruppe von Matthias Weischer im Dialog mit den Bildern und Zeichnungen von Max Beckmann aus der Sammlung der Kunsthalle Mannheim

27. Januar – 15. April, 2007

Eröffnung 26. Januar, 2007, 18.30 im Heinrich-Vetter-Forum

 

Der auf den ersten Blick scheinbar ungewöhnlich zusammengestellte Werkdialog mit Bildern von Max Beckmann und einem Konvolut von Zeichnungen des jungen Leipziger Malers Matthias Weischer aus einer Privatsammlung gewinnt bei näherer Betrachtung einen besonderen Reiz:

Weischer konzentriert sich in seinen Zeichnungen, die oft als Vorstudien oder gar Vorstufen zu Bildern angesehen werden können, wie in den meisten seiner Bilder auf Innenräume, die mit einfachen, markanten Strichen skizziert sind, sperrig und unnahbar wirken und uns in ihrer Menschenleere mit Trostlosigkeit und Einsamkeit konfrontieren. Einzelne Gegenstände oder Möbel werden aufgrund ihres isolierten Alleinseins bisweilen zu anklagenden Monstern verinnerlichter Alltäglichkeit, die weniger einen harmonischen Gleichklang, als vielmehr eine beunruhigende Ewigkeit versinnbildlichen. Leere wird zum Mahnmal trostloser oder trauriger Existenz, zum Spiegelbild existenzialistischer Weltvorstellung.

Beckmann entgegnet dem mit seinen verinnerlichten, tiefempfundenen Porträts oder symbolisch aufgeladenen Menschendarstellungen eine emotionale Malerei, die eine ähnliche existenzielle Angst, ein Unterhöhltsein des Individuums zum Ausdruck bringt. Kantig gemalte Konturen, klar abgesetzte Farbformen, grob skizzierte Gesichter und Gegenstände lassen die Szenen und Menschen zu symbolisch verdichteten Bildwelten werden, führen uns ikonisch einprägsame Vorstellungen vor Augen, die wir nicht mehr vergessen können. Beckmann malt Bilder, die uns in ihrer Bildhaftigkeit Weltwahrnehmung der sensitivsten Art offenbaren. Seine Wahrnehmung und die daraus abgeleitete Interpretation menschlichen Daseins läßt uns nicht einfach weitergehen und fröhlich sein. Seine Werke stimmen uns vielmehr nachdenklich und werfen uns auf unsere eigene existenzielle Situation in der Gegenwart zurück.

Weischer öffnet für uns mit seinen gezeichneten und gemalten Räumen Denk- und Vorstellungswelten, die wir mit Einsamkeit anfüllen. Er zeichnet und malt, was er fühlt, nicht was er sieht. Er bietet uns damit eine Möglichkeit, uns in der Trostlosigkeit fallen zu lassen oder uns eine Gegenwelt zu erschaffen, die mit positiven Koordinaten gebaut ist. Seine Zeichnungen und Bilder sind folglich suubjektiv empfundene Daseinserfahrungen, die uns wie Beckmanns Bilder auch nicht mehr aus dem Kopf gehen.

Beide Künstler – der große deutsche Maler, der die Zeit der Depression in Deutschland erlebt hat  und der junge deutsche Maler, der den Rand des gesellschaftlichen Daseins austariert – sind extrem tiefsinnige Beobachter des menschlichen Daseins. Beide zeichnen und malen Charaktere – zum einen Räume, zum anderen Menschen. Beide fühlen sich als Maler einem Auftrag verpflichtet, der den anderen mit “melancholischen Seelenlandschaften” (Rudij Bergmann) konfrontiert. Beide haben einen Ausdruck gefunden, der etwas zutiefst Romantisches und Trauriges ausstrahlt. Beide lassen uns nicht einfach weitergehen, sondern bereichern uns in unseren eigenen Gefühlen.

Rolf Lauter