DAVID ADJAYE – KONZEPT NEUBAU KUNSTHALLE MANNHEIM 2005

DAVID ADJAYE

MACHBARKEIT  STUDIE  NEUBAU

KUNSTHALLE MANNHEIM 2005

 

Rolf Lauter

Massnahmen zur „Aktualisierung des Neubaus“ der Kunsthalle Mannheim.

Konzeptionelle Gedanken 2004/2005

 

1         Der Altbau hat aufgrund seiner gelungenen Architektur – Jugendstil, symmetrischer Grundriss, große Freitreppe, Lichthalle, hohe Ausstellungsräume, Verwaltung, Werkstätten, Alte Bibliothek, Depoträume – eine eigene Identität und funktionale Struktur. Durch die Aktualisierung des Raum- und Funktionsprogramms mit den neuen Räumen des Hector Forschungszentrums, der Alten Bibliothek mit Metzler-Kabinett, dem Wilhelm Müller-Saal und der Förder-Lounge ist der Altbau auf dem neuesten Stand. Lediglich die Aussenhaut (Dächer), die Klimaanlage, die Oberlichter, die Gartenanlagen und die Sicherheitstechnik müssen in den nächsten Jahren mit Investitionen der Stadt verbessert werden.

2         Der Neubau war von Beginn seiner Planung ab den 60er Jahren an ein Kompromiss. Der Gemeinderat wollte aus falschem Respekt gegenüber dem Altbau eine „bescheidene“ Architektur realisieren, deren Fassade nicht nur gegenüber den übrigen Gebäuden am Friedrichs Platz weit zurückgesetzt wurde, sondern auch zu niedrig und nicht einladend konzipiert wurde. Alles wirkt düster, ungestaltet, schlecht für eine Orientierung und nicht gerade als Museum.

3         Wenn die etwas „Bürgerhaus ähnliche“ Architektur auch das Prinzip der Symmetrie des Altbaus aufgreift, ist sowohl das Äussere des Gebäudes verschlossen und ästhetisch nicht ansprechend (kein Licht an den Fassaden, keine großzügige Gestaltung), als auch das Innere durch eine Verunklärung der Ausstellungsebenen vor allem im EG und Hauptgeschoss extrem unübersichtlich. Besonders der Weg vom Eingang in die zentrale Halle (Vetter Forum) ist ein Weg durch sekundäre Bereiche (erst geht man durch den Shop und nur allmählich kommt man zum Zentrum). Eine auf Symmetrie aufgebaute Architektur ‚muss’ über einen Zugang zur Mitte erschlossen werden, damit man sich orientieren kann. Von der Mitte aus sollten sich dann die verschiedenen Sammlungs- oder Ausstellungsräume nach beiden Seiten klar definiert öffnen.

4         Ein weiteres Manko, welches wir durch zahlreiche Umbaumassnahmen im Detail zu verändern versuchten, ist die extreme Offenheit und Unbestimmtheit vieler Räume oder Raumbereiche.  Dies ist auf den Wunsch der früheren Direktoren zurückzuführen, im Neubau möglichst nur Plastiken und weniger Malerei zu zeigen. Für ein Museum der Plastik ist aber die Lichtführung eine Katastrophe. Zudem wurde der „alte Neubau“ aus den frühen 1980er Jahren komplett ohne die für Kunstausstellungen dringend notwendige Klimaanlage gebaut – ein mir bis heute unbegreifliches Versäumnis.

5         Durch Herausnahme von zahlreichen fest installierten Stellwänden oder durch Einbau von großen neuen Wänden im EG (vor Fensterfassaden) oder im Vetter Forum, konnten wir zumindest im EG, Hauptgeschoss und Obergeschoss einige brauchbare Räume schaffen. Dennoch ist in allen Bereichen die Lichtführung schwierig bis unbrauchbar. Der einzige Tageslichtsaal, das Vetter Forum, genügt bei weitem nicht, um größere Sonderausstellungen oder große Werkkomplexe der Sammlung in richtigem Licht auszustellen. Sonderausstellungen müssen darüber hinaus immer wieder in unterschiedlichen Raumkompartimenten durchgeführt werden, die auf keiner klaren Verteilungsstruktur aufbauen. Für viele Besucher ist die Vielfalt der Räume oft ein negatives Moment der Rezeption.

 

Was wollen wir also mit einer umfassenden Aktualisierung des Neubaus erreichen? (Wir sprechen zur Zeit noch nicht von Umbau, da dies zu viele Diskussionen auslösen könnte).

 

1         Der Neubau muss durch eine neue Außenhaut eine neue Identität erhalten, die derjenigen des Altbaus ebenbürtig ist.

2         Durch das Einrahmen des Neubaus mit einer Glaskonstruktion, die die äußeren Grenzen des Gebäudes erweitert und in eine homogene Beziehung zu den umstehenden Gebäuden bringt, wird das Haus repräsentativer und übersichtlicher. Die Idee des „Haus im Haus“ greift ausserdem zahlreiche berühmte Beispiele der Architekturgeschichte auf, womit ein rasanter Zugewinn an vielen Besucher gesichert ist. Dies ist selbstverständlich auch ein enormer Prestige- und Image Gewinn für die Stadt.

3         Durch die Idee des „Haus im Haus“ lässt sich das gesamte Gebäude von innen heraus beleuchten. Es tritt damit in einen faszinierenden Dialog zu den Fontänen auf dem Friedrichs Platz und zum Rosengarten.

4         Durch den Zugewinn an innerer „Umgebungsfläche“, die als Zwischenbereich zwischen dem historischen Neubau und dem Glasbau bezeichnet werden kann, ergeben sich unglaublich viele Möglichkeiten, in diesen Zonen Sitzgelegenheiten, Cafes, Shops und andere Einrichtungen zu integrieren, die dem Museum zusätzliche finanzielle Freiräume ermöglichen werden. Die Zwischenräume könnten auch nach Schließung des Hauses eine attraktive kommunikative Zone ergeben.

5         Die Fassade wäre mit einem Schlag hell, attraktiv, repräsentativ und einladend.

6         Durch entsprechende Durchbrüche ins Innere des Gebäudes wären auch direkte Zugangswege in das Zentrum des Gebäudes und von dort in jeweils parallele Seitenräume möglich, die eine Klärung der Ausstellungs- und Sammlungsräume zur Folge hätte. Jede Ebene wird zu einer neuen Einheit. Das gesamte Gebäude erhält eine neue Struktur und damit Identität.

7         Die Klärung der heute noch in den Höhen springenden Räumen zu einheitlichen Ebenen erhöht die konzeptionellen Möglichkeiten des Hauses, zwischen Sammlung und Sonderausstellungen permanente Dialoge herzustellen (Konzept Lauter und zukünftig Markenzeichen der Kunsthalle).

8         Die Ummantelung des Neubaus mit einem Glasbau und dessen Erhöhung gegenüber den bisherigen Höhen bringt zusätzliche Flächen mit sich, so u. a. einen neuen großen Oberlicht Saal, ein Panoramarestaurant und zusätzliche große Ausstellungsflächen. (Zugewinn ca 2000 Quadratmeter).

9         Der Einbau einer gut funktionierenden Klimaanlage macht es einfacher, qualitätvolle Werke aus der ganzen Welt auszuleihen, große Sonderausstellungen mit Top Werken zu bespielen.

10       Die Lichtverhältnisse könnten einem hohen Standart angepasst werden.

11       Die Kunsthalle, deren Name derzeit zu einseitig auf das Thema Ausstellungen festgelegt ist, könnte im Zuge dieser Maßnahmen in Hector Museum und Kunsthalle Mannheim umbenannt werden, um den umfassenden Aufgaben und Beständen gerecht zu werden.

12       Das Museum könnte dann die vielleicht etwas angewachsene Sammlung der Hector Stiftung dauerhaft beherbergen.

 

 

Lieber Dieter,

hier einige Punkte, die für die Umsetzung des Projektes „Aktualisierung Neubau Kunsthalle“ von Interesse sein könnten.

Nach erster Schätzung wäre ein Kostenvolumen für die genannten Massnahmen von etwa 25 Mio. anzunehmen.

Wir sollten diesbezüglich telefonieren, sofern Du noch Fragen hast.

Weiterhin überlege ich noch, ob wir nicht bald einen Antrag auf Unterstützung der Sonderausstellung „Gesichter einer Sammlung“ stellen könnten, einer Ausstellung, die ich als Vorstufe zu dem späteren Museum begreife. Wenn ein Betrag von ca 100. 000.- EURO von irgendeiner Seite zur Verfügung gestellt werden könnte – zusätzlich zu den Mitteln in der GmbH – könnten wir mit den Werkinstallationen auch die eine oder andere „günstige“ Videoarbeit oder Malerei gleich mit erwerben.

Denk darüber in Ruhe nach.

Herzliche Grüße

Rolf

 

DAVID ADJAYE

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