HELMUT KOHL – BILDER EINES LEBENS, KHMA 2005

 HELMUT KOHL

BILDER EINES LEBENS

eine dokumentarische Reise mit Fotografien von Helmut R. Schulze

Kunsthalle Mannheim 2005

 

Einladung


 

 

Eröffnungsrede

Eröffnungsrede zu der Sonderausstellung „Helmut Kohl – Bilder eines Lebens“, mit Fotografien von Helmut R. Schulze,

 

Sehr geehrter Herr Dr. Kohl, verehrter Herr Waigel, Herr Bürgermeister Dr. Kurz, verehrter Herr Hofmann, meine Damen und Herren Gemeinderäte, meine sehr verehrten Damen und Herren,

die Kunsthalle Mannheim eröffnet heute eine Ausstellung mit nicht nur zeitgeschichtlich wertvollen sondern auch sehr ausdrucksstarken und künstlerisch anspruchsvollen Reportage Fotografien von Helmut R. Schulze. Am heutigen Vormittag erleben wir gemeinsam die Vorbesichtigung dieser Ausstellung.

Die mit „Helmut Kohl – Bilder eines Lebens“ betitelte Ausstellung konzentriert sich auf die Amtszeit von Ihnen, Herr Dr. Kohl, das heisst auf die Jahre 1982 – 1998, und versucht, neben historisch bedeutsamen und teilweise symbolträchtigen Motiven auch solche Fotografien zu präsentieren, die einen Blick hinter die Kulissen sowohl des ‚öffentlichen Auges’ als auch der ‚politisch-repräsentativen Darstellung’ wagen und dadurch mitunter persönliche und zutiefst menschliche Bilder vor Augen führen.

Die in der Kunsthalle Mannheim präsentierte Auswahl an Farbfotografien des Fotojournalisten Helmut R. Schulze zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass sie uns zentrale Momente einer bestimmten historischen Zeitspanne in konzentrierter Zusammenstellung vor Augen führt. Durch sie können wir somit unsere Erinnerungen an bedeutende kollektive Ereignisse in Deutschland und anderen Ländern der Welt aus der Zeit der 80er und 90er Jahre präzisieren sowie unsere Vorstellung vom historischen Werden der Gegenwart aktualisieren. Die ausgestellten Fotografien dokumentieren die politischen Geschehnisse gerade dieses Abschnitts der Geschichte deutscher Politik in den entscheidenden Phasen sehr eindrucksvoll. So verdichten sich etwa repräsentative Porträts unterschiedlicher Zeiten und politische Situationsaufnahmen zu historisch relevanten, erzählerischen Werkgruppen, geben uns teils romantisch anmutende, teils spannungsgeladene Fotografien einen authentischen Eindruck von Reisen, politischen Verhandlungen oder emotional aufgeladenen historischen Augenblicken, stehen Momentaufnahmen des Alltagslebens eindrucksvollen Fotografien kultureller Monumente oder aussergewöhnlicher Landschaften gegenüber.

Helmut Schulze gelingt es immer wieder, zeitgeschichtliche Ereignisse in einen Zusammenhang mit Eindrücken fremder Kulturen oder menschlicher Aspekte zu bringen, die darüber hinaus oftmals von einem emotionalen Ausdruck geprägt sind. Viele seiner Bilder waren und sind für uns aber auch für Menschen anderer europäischer Staaten ein Teil unserer kollektiven Biografie und unseres kollektiven Gedächtnisses.

Die Macht der von außergewöhnlichen historischen Momenten geprägten Bilder lässt einen breiten Raum für Erinnerungen, Assoziationen, kritischen Diskurs und politische Selbstbestimmung. Und gerade in  dieser Hinsicht kommt der Ausstellung in einem Museum, das sich dem ‚Denken der Gegenwart’ verpflichtet hat, eine – wie ich glaube – gesellschaftlich besonders relevante Bedeutung zu.

Helmut R. Schulze wurde 1929 geboren und lebt in Heidelberg. Seit Anfang der 70er Jahre hat er fast alle großen Persönlichkeiten der Zeitgeschichte fotografiert. So begleitete er etwa viele Jahre den ägyptischen Staatspräsidenten Sadat, die Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker und Roman Herzog sowie den ehemaligen Außenminister Hans-Dietrich Genscher auf vielen wichtigen Reisen im In- und Ausland. Schulzes Aufnahmen wurden in vielen Biografien namhafter Politiker sowie in zahlreichen renommierten oder populären Zeitungen und Zeitschriften des In- und Auslandes abgedruckt. Darüber hinaus hat er ZDF-Produktionen begleitet, deren fotografische Ergebnisse in der Publikation „Zeitreise ZDF“ festgehalten sind. Im Jahr 2001 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen.

Für die Anregung zu diesem Projekt bin ich zuallererst dem Vorsitzenden des Förderkreises für die Kunsthalle Mannheim, Herrn Dr. Dieter Hasselbach, sehr verbunden. In seiner Vertretung möchte ich heute den Ehrenvorsitzenden des Förderkreises, Herrn Hans Bichelmeier, ganz herzlich begrüssen und beiden für ihre Unterstützung danken.

Für die qualitätvollen Bilder, die nicht nur als wesentliche historische Dokumente, sondern auch als bleibende emotionale Fixpunkte unserer Vorstellung von Gesellschaft zu werten sind, möchte ich zuallererst Herrn Schulze danken. Er hat auch eine beachtliche Publikation über das Leben Helmut Kohls vorgelegt, die Sie im Anschluss einsehen können. In vielen Gesprächen und Fotobetrachtungen wurde mir klar, wie nachhaltig und gedächtnisstiftend seine Aufnahmen sind. Diese Gespräche haben wir gemeinsam mit Herrn Schulzes langjähriger Mitarbeiterin, der Diplom-Geographin Annette Scherer, sowie Frau Angelika Watzl geführt, der die Gestaltung des Ausstellungskataloges zu verdanken ist. Beiden bin ich für ihr Engagement und ihre Geduld sehr verbunden.

Herrn Dr. h.c. Hans-Werner Hector und seiner Frau Josephine möchte ich darüber hinaus für die großzügige Unterstützung des Ausstellungskataloges sehr herzlich danken.

Herrn Peter Hofmann danke ich für seine Bereitschaft zum konstruktiven Dialog, für sein Engagement zur konsequenten Erweiterung des Kreises an Förderern und Unterstützern sowie für seine Offenheit in allen Fragen. Seine Hilfe war ein sich ständig weiterentwickelnder Fundus, der die Bereiche Kunst und Politik zu einem neuen Bündnis für die Kultur der Kooperation führte.

Allen Spendern, auf die Herr Hofmann in seinem Grußwort noch eingehen wird und ohne die dieses Projekt nicht hätte realisiert werden können, bin ich für ihre großzügige Förderung ebenfalls sehr dankbar.

Viele Gespräche mit zahlreichen Bürgern der Stadt Mannheim, des Rhein-Neckar-Dreiecks und anderer Kulturregionen Deutschlands haben zu der Überzeugung geführt, dass dieses Projekt für die Kunsthalle und die Stadt Mannheim mehr als nur eine Ausstellung ist. Es ist der Versuch einer subjektiven Annäherung an einen für die Geschichte Deutschlands, Europas und der Welt in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bedeutenden Staatsmann, der in seiner Amtszeit, aber auch davor und danach persönliche Höhen und Tiefen erfahren hat. Es ist der Versuch, jedem Besucher die Möglichkeit zu geben, anhand von dokumentarischen, zeitgeschichtlich relevanten, bisweilen die Gegenwart prägnant einfangenden und manchmal auch künstlerisch ausdrucksstarken Fotografien die eigene, von den Medien immer wieder auf verschiedene Weise beeinflusste Haltung gegenüber einer öffentlichen Person zu prüfen und – so unser innigster Wunsch – zu einer eigenen, individuellen Position zu gelangen.

Menschlichkeit und Respekt vor einem Individuum, das um Demokratie, globalen kooperativen Dialog, übernationale Freundschaften und Stärkung einer Europäischen Identität unter Partnern gerungen, ja vehement dafür gekämpft hat, sind Werte, die wir jedem Menschen, ob Künstler, kreativem Geist oder Politiker entgegenbringen wollen und werden. Wenn ein Museum als ein Ort bezeichnet werden kann, der auf der Auseinandersetzung mit dem „Denken der Gegenwart“ basiert, dann darf es auch nicht Angst davor haben, Fragen des Sozialen, der Politik und des Individuums allgemein zu behandeln.

Das Museum dient hierbei als ein Ort der Thematisierung von Geschichte in der Gegenwart, als ein Raum für Diskussionen, Zwiegespräche und offene Dialoge, die – wie das anhaltende Ringen um die Akzeptanz der absoluten Offenheit und Freiheit der Kunst – zu einem respektvolleren, bewussteren Umgang mit dem öffentlichen und privaten Menschen, mit seinen Vorstellungen, Ideen oder Visionen sowie mit den ihnen inne liegenden Haupt- und Nebenwegen  führen sollten.

Lassen wir uns auf einen lebhaften Diskurs über Geschichte, gesellschaftliche Entwicklungen und Bedeutungsebenen der Politik ein. Betrachten wir die vielen zeitgeschichtlich brisanten und teilweise emotional ergreifenden Fotografien von Helmut R. Schulze aber gleichzeitig auch als Belege für existenzielle Prozesse, bei denen wir niemals das „Menschlich-Allzumenschliche“ aus den Augen verlieren sollten.

Wir wünschen uns im Umgang mit der Kunst eine ebenso respektvolle, demokratische Offenheit wie im Umgang mit jedem Menschen, der – unabhängig davon, welche grenzgängerischen Wege das Schicksal für ihn bereitgehalten hat – als Individuum für die Gesellschaft immer von einem besonderen Wert ist.

Verehrter Helmut Kohl, meine sehr verehrten Damen und Herren, ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

Rolf Lauter

 

 

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