JAUME PLENSA – IS ART SOMETHING IN BETWEEN?, KHMA 2005

Jaume Plensa: Is Art something in Between?

Kunsthalle Mannheim

18. September – 30. Dezember 2005

 

Einladung

Katalog

ROLF LAUTER, JAUME PLENSA, KUNSTHALLE MANNHEIM - WILHELM-LEHMBRUCK MUSEUM, DUISBURG 2005

ROLF LAUTER, JAUME PLENSA, KUNSTHALLE MANNHEIM - WILHELM-LEHMBRUCK MUSEUM, DUISBURG 2005_

Pressetext  

Jaume Plensa: Is Art something in Between?

Als 1997 im Rahmen einer Wanderausstellung in der Kunsthalle Mannheim zum ersten Mal plastische Werke und Rauminstallationen von Jaume Plensa zu sehen waren, geschah dies mit dem Ziel, einen der interessantesten jüngeren Bildhauer seiner Zeit in einem Museum vorzustellen, das eine ausgesprochene qualitätvolle Sammlung dreidimensionaler Bildwerke besitzt. Wenn nun die Stiftung Wilhelm Lehmbruck Museum und die Kunsthalle Mannheim sieben Jahre später in Kooperation eine umfangreiche Doppelausstellung mit dem Künstler realisieren, dann gibt es hierfür andere Gründe. Zum einen steigerte Plensa in den letzten Jahren mit jeder neuen Arbeit die Qualität und Komplexität seines Werks, zum anderen liegt im veränderten Kontext beider Museen eine besondere Chance, mehr von dem in der Zeit Verborgenen und die Gegenwart Enthüllenden sichtbar werden zu lassen.

So finden in beiden Museen in diesem Jahr nicht etwa zwei identische, sondern unterschiedliche Ausstellungen statt, die im Kern viel Gemeinsames offenbaren, aber aus Gründen der unterschiedlichen Sammlungen und Raumsituationen einen weit verzweigten und tieferen Einblick in das bildnerische Denken und Schaffen eines Künstlers erfahrbar werden lassen.

In der Mannheimer Ausstellung die im September eröffnet wird und deren Titel „Is art something in between?“ lauten wird, konzentriert sich der Künstler vor allem auf raumbezogene Werke, die sich – ausgehend von den Realitäten „Körper“, „Sprache“ und „Zeit“ – als eindrucksvolle „überzeitliche“ Installationen lesen lassen. Zentraler Ausgangspunkt für jede raumbezogene Arbeit ist ein im Museum vorhandener und speziell ausgewählter Ort, mit dem das Werk eine temporäre kongeniale Einheit eingehen kann. Im Zusammenhang mit Plensas Werken wurden insgesamt sechs größere Räume ausgewählt, die von ihren Proportionen her und in bezug auf die Lichtführung für eine

Reihe von Installationen besonders geeignet sind. Dadurch kann der Künstler sowohl eine inhaltliche Choreographie als auch eine inszenatorische Dramaturgie entwickeln, mit der seine Arbeiten entsprechend authentisch wahrgenommen werden können. Bei der Betrachtung der Werke lässt sich demnach etwas erspüren, das sich einer genaueren sprachlichen Fixierung entzieht, in uns aber ein Gefühl von Vorstellungswelten und Freiräumen aufkommen lässt, die sich zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft bewegen.

Plensas Werke gehen weit zurück in die Geschichte der Menschheit, der Welt, zu den elementaren Medien, zu den Grunderfahrungen des Seins und Daseins, die sich als Angst oder Freude, Genuss oder Zerstörung, Liebe, Hoffnung oder Trauer manifestieren können und denen somit eine gedächtnisstiftende Bedeutung zukommt. Plensa ist ein Magier von Körper und Geist, der das Körperliche durch Poesie auflöst oder das Ephemere in konkrete Formen überführt. Somit ist sein Werk Spiegel der Welt, Splitter aus Chaos und Ordnung, durch die wir mit ihr im Innersten verbunden sind.

Rolf Lauter

Ausstellungsräume

 

Eröffnung

 

Video

Zitate von Jaume Plensa

– Dieser Kampf und die Schaffung des Schönen führt zu einer Reibung der Gegensätze – das ist die Verpflichtung des Künstlers und die Raison d’être der Kunst.

– Ich könnte ohne Dualität, ohne Gegensätze nicht leben. Man muss mit Worten über die Stille reden, mit Leichtigkeit über das Gewichtige, mit Bewegungen über die Ruhe.

– Wie einen Leuchtturm an der Küste müssen wir in unseren Leben Bezugspunkte aufstellen, die uns helfen, die flüchtigsten Gerüche und die schnellsten Funken wie die Grundstoffe eines Parfüms zu fixieren.

Kunst im öffentlichen Raum kann uns helfen, die unbegreifbare, flüchtige Schönheit, das Parfüm unserer Erinnerungen festzuhalten.

– Wie kann man die Spiegel zerschlagen und sich selbst erreichen?

– Ich war immer der Meinung, dass die Skulptur mehr mit der Zeit als mit sekundären Fragen wie den Proportionen oder dem Raum zu tun hat. Dieser Begriff der Zeit als Erfahrungssediment innerhalb eines kollektiven Gedächtnisses, in das unsere Erinnerungen hineinpassen. Das fertige Werk initiiert einen eigenen Kreislauf, und wie jede andere Erinnerung ist es mit dem weit größeren, über die Chronologie erhabenen Gedächtnis verwoben.

Zeit ist der Stoff meiner Arbeiten.

– „Ein Gedanke füllt die Unendlichkeit“ aus den Sprichwörtern der Hölle von William Blake ist zusammen mit Macbeth von Shakespeare eine der besten Definitionen für Skulptur.

– Ich habe Material nie als Zweck an sich begriffen, sondern nur als notwendiges Werkzeug. In der Skulptur ging es nie um das Problem des Materials und des Raums, sondern immer um Zeit und Energie. Jedes Werk schlägt einen Austausch vor, den der Betrachter vervollständigen muss.

– Zweifel setzt eine Frage voraus, und in dieser Beziehung spielt er eine wichtige Rolle in meiner Arbeit. Wenn man einen kurzen Rückblick auf die Geschichte wagt, stellt man schnell fest, dass die großen Fragen noch zu beantworten sind.

– Die Skulptur ist die beste Methode, eine Frage zu stellen, die selbst eine Frage ist.

– Gaston Bachelard sagte einst, die Analyse eines Kunstwerks komme seiner Ermordung gleich. Es ist besser, ein Werk zu fühlen als es zu verstehen. Die Skulptur ist ein außerordentlich gutes Vehikel zur Vermittlung von Gefühlen.

– Ich wurde mit Worten erzogen und mein inneres Gleichgewicht erfordert, dass ich sie benutze, wenn auch weniger als Begriffe und mehr als Materialien, so wie ich Eisen, Harz, Glas, Licht und Geräusche benutze …

– Worte, wie jedes anderes Medium, sind hervorragend dazu geeignet, um Erinnerungen aufzubewahren; ich benutzt sie als Präsenz, optisch oder klangvoll, ohne dass sie gelesen oder geäußert werden müssen.

 

Eröffnungsrede

Jaume Plensa: Is Art something in Between?

Kunsthalle Mannheim

September 18 – December 30, 2005

Im Sommer 2004, als ich mich mit Christian Scheffel in Mannheim traf, führte uns eines unserer vielen intensiven Gespräche über die Plastik der Gegenwart unter anderem auch in die Geschichte der Kunsthalle und ihre zahlreichen Ausstellungen mit Bildhauern verschiedenster Generationen zurück. Auf seine Frage, ob die Kunsthalle denn nicht wieder einmal eine Präsentation der neueren Werke des spanischen Künstlers Jaume Plensa durchführen wollte, folgte von meiner Seite sofort ein spontanes ja! Zwei Gründe waren hierfür ausschlaggebend: Zum einen waren bereits im Jahr 1997 im Rahmen einer Wanderausstellung in der Kunsthalle Mannheim zum ersten Mal plastische Werke und Rauminstallationen von Jaume Plensa zu sehen, zum anderen kannte ich den Künstler noch nicht persönlich, obwohl die Intensität seiner Arbeiten immer stärker in mein Bewußtsein vorgedrungen war. Darüber hinaus hatte die Stiftung Wilhelm Lehmbruck Museum Duisburg bereits ebenfalls ein Konzept für eine Ausstellung mit Werken Plensas angedacht.

Die Entscheidung für eine monografische Präsentation mit ausgewählten neuen Werken Plensas in der Kunsthalle, die in enger Zusammenarbeit mit dem Duisburger Museum durchgeführt werden sollte, folgte dann sehr schnell. Wir luden im August 2004 Jaume Plensa und seine Frau Laura nach Mannheim ein, um über die Ausstellungszeit, den Umfang des Projektes, die Werke sowie inhaltliche Schwerpunkte zu sprechen. Bald war die Werkauswahl ansatzweise abgestimmt und die Standorte festgelegt. Es folgten mehrere Treffen und Besprechungen in Barcelona – dem Wohnort des Künstlers – Duisburg und Mannheim, um das Konzept noch mehr verdichten zu können. Darauf aufbauend wurde das Präsentationskonzept in enger Abstimmung mit dem Künstler entwickelt und fanden zahlreiche Gespräche statt, die teilweise in einem Interview festgehalten wurden, welches in diesem Katalog wiedergegeben ist.

Plensa ist einer der interessantesten jüngeren Bildhauer seiner Zeit. Er steigerte in den letzten Jahren mit jeder neuen Arbeit die Qualität und Komplexität seines Werks und gelangte damit Schritt für Schritt näher an bildnerische Ausdrucksformen, die dem Menschen die in ihm verborgenen oder ihn bedingenden Gesetzmäßigkeiten in eindrucksvollen Bildwelten umschreiben.

In der Mannheimer Ausstellung die nun eröffnet wird und deren Titel „Is Art Something in Between?“ lautet, konzentriert sich der Künstler vor allem auf raumbezogene Werke, die sich – ausgehend von den Realitäten „Körper“, „Sprache“ und „Zeit“ – als eindrucksvolle „überzeitliche“ Installationen lesen lassen. Zentraler Ausgangspunkt für jede raumbezogene Arbeit ist ein im Museum vorhandener und speziell ausgewählter Ort, mit dem das Werk eine temporäre kongeniale Einheit eingehen kann. Im Zusammenhang mit Plensas Werken wurden insgesamt sieben Räume ausgewählt, die von ihren Proportionen her und in bezug auf die Lichtführung für eine Reihe von Installationen besonders geeignet sind. Dadurch kann der Künstler sowohl eine inhaltliche Choreographie als auch eine inszenatorische Dramaturgie entwickeln, mit der seine Arbeiten entsprechend authentisch wahrgenommen werden können. Bei der Betrachtung der Werke lässt sich demnach etwas erspüren, das sich einer genaueren sprachlichen Fixierung entzieht, in uns aber ein Gefühl von Vorstellungswelten und Freiräumen aufkommen lässt, die sich zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft bewegen.

Plensas Werke gehen weit zurück in die Geschichte der Menschheit, der Welt, zu den elementaren Medien, zu den Grunderfahrungen des Seins und Daseins, die sich als Angst oder Freude, Genuss oder Zerstörung, Liebe, Hoffnung oder Trauer manifestieren können und denen somit eine gedächtnisstiftende Bedeutung zukommt. Plensa ist ein Magier von Körper und Geist, der das Körperliche durch Poesie auflöst oder das Ephemere in konkrete Formen überführt. Somit ist sein Werk Spiegel der Welt, Splitter aus Chaos und Ordnung, durch die wir mit ihr im Innersten verbunden sind.

Jaume Plensa und seiner Frau Laura gilt mein, unser gemeinsamer Dank. Nur durch die freundschaftliche Nähe zu ihnen war und ist eine solche Ausstellung durchführbar gewesen.

Melanie Tomahogh, die mit der Organisation dieser Ausstellung ihre erste Probe als neuer Registrar und als Ausstellungsorganisatorin der Kunsthalle hervorragend gemeistert hat, möchte ich ebenso herzlich danken, wie den Assistenten des Künstlers, die intensivst an der Umsetzung der Räume beteiligt waren. Gleiches gilt für das Mannheimer Aufbauteam.

Für die gelungene Kooperation möchten wir uns ganz herzlich bei der Stiftung Wilhelm Lehmbruck Museum Duisburg und ihrem Direktor Christof Brockhaus sowie dem für die dortige Ausstellung verantwortlichen Kurator Gottlieb Leinz bedanken. Mit beiden Ausstellungen, die jeweils ganz spezifische Zielsetzungen verfolgen, sind in diesem Jahr nicht etwa zwei identische, sondern unterschiedliche Ausstellungen zu sehen, die im Kern viel Gemeinsames offenbaren, aber aus Gründen der unterschiedlichen Sammlungen und Raumsituationen einen weiterverzweigten und tieferen Einblick in das bildnerische Denken und Schaffen eines Künstlers erfahrbar werden lassen.

Schliesslich möchte ich mich ganz herzlich bei Christian Scheffel bedanken, der es ermöglicht hat, dass die Kunsthalle mit Jaume Plensa einen neuen aufregenden Weg beschreiten konnte und dass mit dem Duisburger Museum ein Kooperationsprojekt zustande kommen konnte, welches an die lange Tradition nationaler und internationaler Partnerschaften dieses Hauses anknüpft.

Die Mannheimer Ausstellung wurde in großzügiger Weise durch die Heinrich-Vetter-Stiftung, Mannheim gefördert, wofür wir Herrn Prof. Dr. Carl-Heinrich Esser sehr herzlich danken möchten. Für weitere finanzielle Unterstützung danken wir der Fraport AG Kunst und Kultur, Frankfurt / Main. Das Projekt wurde zudem mit Unterstützung der Kunsthallen Ausstellungs GmbH durchgeführt.

Für die Gestaltung des Kataloges danke ich der Firma Contemporary. Dem Verlag Braus Heidelberg bin ich für die kooperative zusammenarbeit ebenso dankbar, wie der Firma DG Medien für die hervorragende grafische Umsetzung des Kataloges.

Zum Schluss möchte ich mich noch bei allen Mitarbeitern der Kunsthalle aus den Bereichen PR / Marketing, Verwaltung und Sekretariat bedanken, durch deren Hilfe dieses Projekt erst realisiert werden konnte.

Rolf Lauter