NEO RAUCH – HERBERT WARMUTH, JÜRGEN PONTO STIFTUNG @ DRESDNER BANK FRANKFURT 1993

Neo Rauch & Herbert Warmuth

Jürgen-Ponto-Stiftung

@

Dresdner Bank Frankfurt, 28. September 1993

Eröffnungsrede zur Ausstellung mit Werken von Neo Rauch, Leipzig und Herbert Warmuth, Frankfurt am Main in der Dresdner Bank, Jürgen-Ponto-Platz 1, 31. Stock, am 28. September 1993, um 19.30 Uhr.

 

Lieber Herr Dr. von Loeffelholz, meine sehr verehrten Damen und Herren.

Zunächst einmal möchte ich Ihnen, Herrn Dr. von Loeffelholz, für die Einladung danken, in den Räumen der Dresdner Bank Werke von zwei jungen Künstlern zur Diskussion stellen zu können. Damit ergibt sich für die Museumskuratoren eine zusätzliche Möglichkeit, neben der Präsentation von Arbeiten internationaler Gegenwartskunst im Frankfurter Museum, außerdem solche Künstler vorzustellen, die – nach einer ersten überschaubaren Schaffensphase –  am Beginn der Vermittlung an eine breitere Öffentlichkeit stehen.

            Auf den Vorschlag von Herrn Dr. von Loeffelholz hin habe ich zwei junge deutsche Künstler ausgewählt, die beide – und das hat sich wirklich zufällig so ergeben – im Jahr 1960 geboren wurden. Was die Gegenüberstellung der beiden Künstler nun aber außer ihrer Zugehörigkeit zu einer Generation so interessant und in gewisser Weise auch brisant macht, ist die Tatsache, daß Neo Rauch aus dem östlichen Teil Deutschlands, und zwar aus Leipzig kommt, Herbert Warmuth dagegen aus der Stadt Frankfurt. Aufgrund der topographischen Unterschiede und der in Verbindung damit stehenden verschiedenen historischen, politischen und kulturellen Entwicklungen der Künstler, bot sich damit die Möglichkeit, einigen grundsätzlichen Fragen über die zeitgenössiche Kunst im Osten und Westen Deutschlands nach dem Fall der Mauer etwas genauer nachzugehen. Einige Gedanken, die ich bei der Betrachtung der Werke Rauchs und Warmuths formuliert habe, möchte ich ihnen nun kurz skizzieren.

            Seit den frühen 70er Jahren erfolgte im östlichen Teil Deutschlands, und besonders auch in Leipzig, die Wende von einer eher akademischen Haltung zu weniger moralisierenden und gestalterisch freieren Ausdrucksformen. Waren die meisten Künstler bis dahin primär an klassizistischen bzw. sozial-realistischen Vorbildern orientiert, so gelangten viele von ihnen nun verstärkt zu einer Auseinandersetzung mit der Gegenwartskunst westlicher Prägung. Neo Rauch verkörpert im Rahmen dieser neuen Künstlerbewegung zugleich die jüngste Generation und nimmt mit seinem Werk eine Position ein, die sich bereits durch eine eminent individuelle Stilhaltung auszeichnet. Er geht in erstaunlich unbefangener Weise mit einem Potential an kunsthistorisch vorbildhaften bzw. vorgeprägten Ausdrucksformen und Inhalten um, verbindet bei aller Traditionsverbundenheit aber die traditionellen Elemente mit einer Vielzahl von neuen, selbstgefundenen oder erfundenen bildnerischen Sprachelementen.

            Bei der Herstellung seiner Bilder wendet Rauch unter anderem kombinatorische Kompositionsprinzipien und die Malweise des psychischen Automatismus an, d. h. Techniken, die von den Surrealisten entwickelt wurden. Daneben läßt sich eine Auseinandersetzung mit mit Arbeiten von Francis Bacon, Joseph Beuys, Anselm Kiefer oder Albert Oehlen erkennen. Diese Einflüsse zeigen sich in seinen Bildern und Zeichnungen teils als unterbewußt gemalte organoide Fließformen, teils als verschlüsselte, rätselhafte Formgebilde oder auch als merkwürdig verschwommene, undeutliche Figurenfragmente.

            Darüberhinaus war Neo Rauch stets an der Suche nach den ‚Ursprüngen‘ der Malerei in der Kunstgeschichte interessiert. Diese Suche nahm er während verschiedener Reisen nach Italien auf, bei denen er vor allem Malereien von Giotto und Uccello studierte. Reflexe dieser Reisen sind besonders in einer Reihe von Bildern zu spüren, die den Titel „Studien zur göttlichen Komödie“ (1992) tragen und auf die Lektüre von Dantes Werk zurückgehen.

            Fast alle seine Arbeiten, die einen gekonnten, freien Umgang mit natürlichen, erdverbundenen braunen bis schwarzen Farben zeigen, in denen Gegenstandsfragmente zu symbolhaft-verschlüsselten Formen verfremdet werden, die sich in einem kompositorischen Balanceakt zwischen geometrischen und organischen Formpolen oder figurativen und abstrakten Motiven befinden und in denen immer wieder das Wechselspiel zwischen zivilisatorischen Momenten und den unbändigen Kräften der Natur thematisiert wird, verweisen auf die permanente Konfrontation der Bereiche Kultur und Natur in der heutigen Zeit.

            Neo Rauchs Arbeiten sind in sich geschlossene, erzählerische Bildwelten, denen oft auch Begriffe oder Wortfragmente beigefügt sind. Es handelt sich dabei um Begriffe mit einem emblematischen, schlagwortartigen Charakter, die teils die kulturelle Bedeutung der Sprache, teils politische oder sozialkritische Inhalte in den Werkzusammenhang miteinbeziehen.

            Seine Malerei kann insgesamt als ein Versuch gewertet werden, die Ursprünge und Quellen der Malerei in der Geschichte zu ergründen. Darüberhinaus entwickelte Rauch in der Auseinandersetzung mit der Gegenwart eine sehr eigene Sprache, die seine Gedanken und Gefühle eindrucksvoll zum Ausdruck bringen. Insgesamt wird deutlich, wie sehr seine Werke in ihrer Ganzheit zu selbständigen, vielschichtigen ‚Wesen‘ werden, die einerseits dem kollektiven Gedächtnis und den in der unmittelbaren Gegenwart verwurzelten Denkstrukturen, andererseits einer subjektiven Welterfahrung verpflichtet sind.

            Herbert Warmuths Arbeiten, die in dieser Ausstellung als ein radikaler Kontrast gegenübergestellt werden, wirken in einem sehr viel stärkeren Maß entgrenzend, gattungsübergreifend und kontextbezogener als die erzählerischen Bildwelten Neo Rauchs. Warmuths analytisch-konzeptuelles Vorgehen äußert sich an gezeichneten oder gemalten und damit konkret lesbaren Formeinheiten, anhand derer dem Betrachter die Grenzverwischungen zwischen den Bereichen ‚Kunst‘ und ‚Leben‘ vor Augen geführt werden.

            Mit Beginn seines künstlerischen Schaffens taucht das Motiv des „Kopfes“ immer wieder auf. Der stilisierte Kopf steht bei Warmuth zunächst einmal als Zeichen für den Menschen und seine Welt sowie als Metapher für sein Funktionieren im gesellschaftlichen System. Er umschreibt aber auch die bildnerische ‚Urform‘ an sich, wie sie etwa Brancusi Anfang dieses Jahrhunderts in der Plastik vorgeprägt hat. In seinen frühen Bildern des Jahres 1989 erscheinen die Kopfmotive bereits auf bemalten Baumwollstoffen, die mit ornamentalen Mustern bedruckt sind, eine Technik, auf die er in seinen jüngsten, hier gezeigten Bildern des Jahres 1993,  mit inhaltlichen Akzentverschiebungen wieder zurückkommt. Durch ein geschicktes System aus verschieden bemalten Farbflächen und seriellen Köpfen bzw. Kopfsegmenten entsteht jeweils ein räumlich aktives Formengefüge, das ästhetische Untersuchungen der Form an sich sowie der Form im kompositionellen Zusammenhang thematisiert. Die „Kopfbilder“ Warmuths kreisen kompositionell um den vor allem von Piet Mondrian im Bereich der gegenstandslosen Malerei formulierten Harmoniebegriff, dem ein schwer zu durchschauendes kompositorisches Kräftesystem zugrundeliegt.

            In den Werken der Jahre 1990 bis 1991 erweiterte Warmuth seinen Material- und Ausdrucksfundus auf Gegenstände des Alltags,  und hier vor allem auf Dinge der gestalteten Produktwelt, wie etwa Milchtüten oder Arzneimittelverpackungen. Es entstanden nun Bilder, die aus einer Leinwand und einer unversehrten, einfach gestalteten Arzneimittelschachtel bestehen, wie die meisten der hier gezeigten Arbeiten. Die Medikamentverpackungen, die der Künstler stets nach ihrem grafischen Aussehen auswählt, bilden einerseits den formalen Ausgangspunkt, werden andererseits aber auch zuinhaltlichen Bestandteilen der Werke. Eine oder manchmal auch zwei Verpackungen sind an einer bestimmten Stelle auf oder am Rand einer Leinwand befestigt. Die Leinwand selbst ist meist zu einem Teil in einem Weißton gehalten, zu einem anderen Teil in der gleichen oder ähnlichen Farbe koloriert, mit der die Verpackung bedruckt ist. Als Werktitel wählt Warmuth stets die Namen der Medikamente aus, um auf Inhalte hinzuweisen, die in Zusammenhang mit dem Produkt und seiner gesellschaftlichen Bedeutung stehen.

            Der Alltagsgegenstand wird aufgrund seiner Isolierung aus dem ursprünglichen Funktionszusammenhang zunächst zu einem Gegenstand an sich. Durch seine Einbindung in das Kunstwerk wird er schließlich zu einem ästhetisch relevanten Anschauungsobjekt, das nun neue Sinnebenen in sich vereint. Warmuth untersucht hier also die wechselwirksamen Einflüsse zwischen einem Produkt,  seiner Gestaltung und der Malerei, wobei ihn vor allem Fragen der Realitätsverschiebung einer zweckentfremdeten Produktverpackung im Zusammenhang mit dem traditionellen Bildbegriff interessieren.

            Die genannten Momente tauchen schließlich in seinen jüngsten Arbeiten der letzten beiden Jahre in noch pointierterer Weise auf. Warmuth verfolgt nun die konsequente Weiterführung der genannten Inhalte, indem er auf eine die Lebens-, Wahrnehmungs- und Erlebnisbereiche des Menschen einbeziehende ästhetische Erfahrung zielt. Es sind jetzt nicht mehr traditionelle Bildträger, sondern Wände von Innenräumen,  Ausstellungsräume oder der durch Architektur und Gegenstände geprägte Lebensraum des Menschen allgemein, auf die sich sein Konzept bezieht. Das Bezugssystem ‚Alltag‘ wird mit dem Bezugssystem ‚Kunst‘ in der Weise zu einer ästhetischen Einheit verbunden, daß von dieser Position aus ein Reflektieren über die Zusammenhänge von Kunst und Leben ansatzweise möglich wird.

            Kommt man nach dieser kurzen Gegenüberstellung der Werke Neo Rauchs und Herbert Warmuths nun zu einer zusammenfassenden Charakterisierung, dann fällt insgesamt auf, daß sich die Werke beider Künstler in entscheidenden Fragen grundlegend unterscheiden. Warmuths Werke lassen sich nicht als in sich abgeschlossene Bildwelten verstehen, sondern sind Störfaktoren, die unsere ästhetischen Sehgewohnheiten hinterfragen, den Menschen zum Nachdenken anregen und ihn zum Überprüfen seiner gesellschaftlichen Regeln und Handlungen auffordern wollen. Damit stehen seine Arbeiten in der Tradition der konzeptuellen Kunst der 60er und 70er Jahre und formulieren die für die heutige Zeit zentralen Fragen nach dem Realitätsgrad des Kunstwerks, nach seinen Funktionen in der Gesellschaft und nach einer neuen Definition des Kunstbegriffes.

            Die Bilder Neo Rauchs verweisen dagegen auf die vielfältigen Ursprünge und Quellen der Malerei, indem sie im Rahmen einer traditionellen Bildauffassung den Reichtum an kollektiven Ausdrucksmöglichkeiten und individueller Sprachfähigkeit der Kunst vor Augen führen. Anhand beider Werkauffassungen entstehen, so hoffe ich, immer wieder diskursive Zündstoffe, die die Diskussion über die Kunst  und die Gesellschaft in der Gegenwart neu anregen können.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche Ihnen nun viele gute Gespräche in der Ausstellung.

Rolf Lauter

 

 

Katalog

Neo Rauch oder die Suche nach den Ursprüngen der Malerei in der Gegenwart 

Die künstlerische Entwicklung von Neo Rauch (Jahrgang 1960) läßt sich mit wenigen Sätzen skizzieren. Seit 1986 ist er freischaffender Künstler in Leipzig. Bis 1990 war er noch Meisterschüler bei Bernhard Heisig, von dem er die wichtigsten Grundlagen der Malerei lernte. Nach seiner ersten Einzelausstellung in der Leipziger Galerie am Thomaskirchhof zeigte die Galerie Schwind seine Arbeiten bereits 1991 in Frankfurt. 1992 folgte die Teilnahme am Renta-Preis in Nürnberg – begleitet von einem Katalog – und in diesem Jahr präsentierte die Münchner Galerie Alvensleben seine jüngsten Bilder, die Neo Rauch auf Papier, Leinwand und teilweise auch auf Holz gemalt hat – ebenfalls begleitet von einem Katalog.

Versucht man seine Malerei innerhalb der Vielfalt gestalterischer Möglichkeiten der zeitgenössischen Kunst einzuordnen, fallen zwei Momente auf: Zum einen wird in seinen Arbeiten seit den späten 80er Jahren ein intensiver Umgang mit der Kunstgeschichte und kunsthistorischen Vorbildern deutlich, zum anderen zeigt sich besonders in den jüngsten Werken aus den Jahren 1992/93 eine formale Variationsbreite, Ausdrucksvielfalt und bildnerische Freiheit, die sich auf verschiedene Quellen zurückführen läßt. Neben einer Beschäftigung mit den kombinatorischen Prinzipien und Zufallstechniken des Surrealismus, die sich in teils unterbewußt entäußerten Fließformen, teils verschlüsselten Formgebilden manifestieren, läßt sich eine intensive Auseinandersetzung mit verschiedenen Positionen der westlichen Gegenwartskunst erkennen, und hier besonders mit den Arbeiten von Francis Bacon, Joseph Beuys, Anselm Kiefer oder Albert Oehlen.

Neo Rauchs Malerei kann als Versuch eines Künstlers der jungen Generation gewertet werden, die Ursprünge und Quellen der Malerei, d.h. der Versprachlichung der Gedanken und Gefühle des Künstlers in Form und Farbe in der Gegenwart zu ergründen, verbunden mit dem Wunsch, eine individuelle Sprache zu formulieren, die dem kollektiven Gedächtnis und seinen in der Gegenwart verwurzelten Denkstrukturen verpflichtet ist.

Seit den frühen 70er Jahren erfolgte im östlichen Teil Deutschlands, und besonders auch in Leipzig, eine Wende von einer auf der ‚Institution Kunst‘ und ihren ‚ewigen‘ Regeln aufbauenden Haltung sowie an klassizistischen bzw. sozial-realistischen Vorbildern orientierten Positionen zu einer weniger moralisierenden und gestalterisch freier agierenden Künstlerbewegung, die von Künstlern dreier Generationen getragen wurde.

Neo Rauch verkörpert zugleich die jüngste Generation und nimmt mit seinem Werk eine Position ein, die sich durch eine konsequente Abkehr von streng historisch vorgeprägten Stilhaltungen auszeichnet. Er ist nicht mehr der Typ des ‚gelehrigen Schülers‘, sondern der des frei agierenden Künstlers, der in erstaunlich unbefangener Weise mit einem Potential an vorbildhaften bzw. vorgeprägten Ausdrucksformen und Inhalten umgeht. Dabei zeigt sich bei aller Traditionsverbundenheit ein behutsames Verbinden traditioneller Elemente mit neuen, selbstgefundenen bildnerischen Sprachelementen. Nicht so sehr die von Klaus Werner angedeutete ‚Anti-Haltung‘ gegenüber der Moderne scheint ein zentrales Motiv seines bildnerischen Ausdrucks zu sein, sondern vielmehr die teilweise unverbrauchte Energie, gespeist aus einem Fundus traditionsverbundener Sprachmöglichkeiten, und die Brechung dieser Kraft an den komplexen kollektiven Ausdrucksformen innerhalb der zeitgenössischen Kunst.

Neo Rauchs Kunst ist die Suche nach der Identität der Malerei und nach einer Harmonie bildnerischer Kräfte in der heutigen Zeit. Seine Malerei setzt auf das Wiedererkennen von inhaltlichen und ausdrucksbezogenen Ganzheiten, ohne daß bestimmte Inhalte gezielt eingesetzt werden. Vielmehr bilden Andeutungen, Paraphrasen, Metaphern die zentralen Elemente seiner Kompositionen. Die Suche nach den ‚Ursprüngen‘ der Malerei in der Kunstgeschichte nahm Rauch während einer Reise in die Toskana im Jahr 1990 auf. Ein Reflex dieser Reise ist besonders in einer Reihe von Bildern zu spüren, die den Titel „Studien zur göttlichen Komödie“ (1992) trägt und auf die Lektüre von Dantes Werk zurückgeht. In dieser Werkgruppe und verstärkt noch in seinen jüngsten Arbeiten werden bestimmte formalästhetische Prinzipien deutlich, die Rauchs leidenschaftliches Engagement für die Malerei offenbaren. Eine konsequente Farbigkeit in braunen bis schwarzen Tönen mit großflächigen Formen und räumlich geschichteten Akzenten, figurative Versatzstücke (Köpfe, Büsten, Figuren) in Zusammenhang mit Raum- und Flächensituationen, verschiedene Begriffe mit emblematischem, schlagwortartigen Charakter, die teils politische, teils sozialkritische Bedeutungen in den Bildkontext miteinbeziehen, daneben immer wieder Gegenstandsfragmente, die die Brechung der allgemeinen Realität kollektiver Gegenwart mit der Realität der subjektiven Eigenwelt andeuten.

Metaphorisch gestaltete Bildwelten, denen die Begriffe „Erleichterung“ oder „Erlösung“ beigefügt sind oder ein Bild mit dem Titel „Wandel“, verweisen auf politische Inhalte der jüngsten Geschichte. Rauchs Bilder formulieren komplexe Gegenwartsbezüge und stehen in Zusammenhang mit wichtigen Ereignissen der deutschen Geschichte, entfalten daneben aber auch ein Panorama an subjektiver Welterfahrung.

Ein gekonnter, freier Umgang mit natürlichen, erdverbundenen Farben, enigmatische Verdichtungen bestimmter Gegenstandsfragmente zu symbolhaften Bildelementen, ein kompositorisches Spiel mit der Harmonie der Formen, d.h. ein Ausbalancieren formaler Elemente und Kräfte, und schließlich die Versinnbildlichung und Thematisierung kultureller Momente im Wechselspiel mit den intensiven und unbändigen Kräften der Natur – etwa in dem Bild „Gesang“ – zeigen die permanente Konfrontation der Bereiche Kultur und Natur, auf deren Auflösung in einer wechselwirksamen dynamischen Harmonie besonders Joseph Beuys hingewiesen hat. Neo Rauch deutet mit seinen Werken in aller Entschiedenheit auf die ungelösten und unbewältigten Probleme der Moderne hin und ist ein konzentrierter Beobachter der Gegenwart.

Rolf Lauter

 

Katalog Herbert Warmuth