CURATOR‘S CHOICE – SAI KARLSRUHE 2009

CURATOR‘S CHOICE

Niki Elbe, Nina Hoffmann, Myriam Holme, Zhu Hong, Natacha Ivanova, Thomas Lüer, Philipp Morlock, SEO, Alistair Thain, Markus Vater

SWISS ART INSTITUTION

Forsthausvilla Karlsruhe

July 26 – September 13, 2009

 

ROLF LAUTER, FORSTHAUSVILLA 1, SWISS ART INSTITUTION, KARLSRUHE 2009-2010

Invitation

ROLF LAUTER, CURATOR‘S CHOICE, EINLADUNG 3, SWISS ART INSTITUTION, KARLSRUHE 2009

ROLF LAUTER, CURATOR‘S CHOICE, EINLADUNG 2, SWISS ART INSTITUTION, KARLSRUHE 2009

ROLF LAUTER, CURATOR‘S CHOICE, SWISS ART INSTITUTION, KARLSRUHE 2009

Catalog

ROLF LAUTER, CURATOR‘S CHOICE, CATALOG, SAI KARLSRUHE 2009

 

Forsthausvilla & Park

 

Opening

 

Video

 

Exhibition Spaces

 

Curator’s Choice

Das erste Ausstellungsprojekt der SAI -Swiss Art Institution in der Karlsruher Forsthausvilla 07. 2009 – 15. 01. 2010

Die „Swiss Art Institution“ beginnt ab 25. Juli 2009 in Karlsruhe ihre kulturelle Tätigkeit. In der Forsthausvilla, dem neben Schloß und Majolika gelegenen Standort der Institution, werden in temporären Ausstellungen Werke von ausgewählten internationalen Künstlern der zeitgenössischen Kunst präsentiert, deren Kreativität, innovatives bildnerisches Denken und individuelle künstlerische Sprache von einer besonderen Qualität geprägt ist.

Unter dem Titel “Curator’s Choice” werden in einer ersten Präsentation Werkgruppen von Künstlern vorgestellt, die bereits zum Bestand der im Aufbau befindlichen Sammlung gehören oder die in den kommenden Jahren in Einzelausstellungen vorgestellt werden.

Mit ihrem Programm möchte die Swiss Art Institution die Kulturlandschaft in der Stadt Karlsruhe und der Region bereichern und den Menschen einen Ort bieten, von dem neue Impulse für die Entwicklung der bildenden Kunst ausgehen. Kooperationspartner aus der ganzen Welt unterstützen die Arbeit der Institution und der von ihr geförderten Künstler.

Niki Elbe

Das Gesamtwerk der in Berlin lebenden Künstlerin Niki Elbe manifestiert sich zum einen in Rauminstallationen, die gestalterische Elemente des Films, der Fotografie, der Sprache, des Objekts sowie der Malerei und Zeichnung vereinen, zum anderen in Serien von Zeichnungen und einzelnen Bildern. Die in ihren Zeichnungen ausgedrückten Erkenntnisse und Selbsterkenntnisse spiegeln eine psychologische Stärke wider, die sich aus den Erfahrungen von Liebe und Leid, Freude und Trauer, Freiheit und Unfreiheit, Bindung und Trennung, Zufriedenheit und Unzufriedenheit speisen. Somit sind Elbes Werke zutiefst menschliche Entäußerungen von Erlebnissen, von gelebtem, gefühltem oder gewünschtem Leben.

Die lyrischen Bildwelten entfalten durch ihre feine Zeichnung, ihr intensives Kolorit und die symbolisch verdichteten Formwelten eine besonders ausdrucksstarke, erzählerische Aura. Es sind teils autobiographisch anmutende, teils poetisch formulierte, teils reflexiv auf die Figur der Frau bezogene bildnerische Formulierungen von subjektiven Weltvorstellungen, Wünschen, Ängsten, Träumen oder Wirklichkeitserfahrungen.

Meist bestimmen zart und anmutig gezeichnete Frauen – nackt, leicht bekleidet oder bekleidet – die kompakt komponierten Gestaltungen. Mit nur wenigen, sicher gesetzten Linien konturiert Elbe ihre Körper, akzentuiert sie Körperteile und konzentriert sich auf das Gesicht als wesentlichen Ausdrucksfaktor. So offenbart sich der weibliche Körper etwa in „Jolene und die Amsel“, „This is the sun“, „Love is blue“ und „Pool“ als feingliedrige, zarte, natürlich-weibliche Hülle sinnlicher Vorstellungen oder Lebenserfahrungen, während er in Arbeiten wie „Die Amerikanerin“ als eminent erotisch und andeutungsweise herausfordernd erscheint. Schließlich wird der Körper in Zeichnungen wie All of me, Home of the Blues oder Miss Brown to you hinter Kleidern oder Masken versteckt und fungiert als zentraler Bestandteil von Erzählungen, die alltägliche Handlungen oder Geschehnisse in eine symbolisch angereicherte poetische Szenerie übertragen.

Elbes zeichnerische Bildwelten verbinden Vorstellungen aus Märchen und Mythologien, Träumen und Wirklichkeitsmomenten. Die Größenmaßstäbe von Figuren, Alltagsgegenständen und natürlichem oder architektonischem Ambiente werden nach dem Prinzip des mittelalterlichen Bedeutungsmaßstabs und nach den Vorstellungen der Künstlerin unterschiedlich gestaltet. Die weibliche Figur offenbart sich als ein im Einklang mit der Natur, den Pflanzen und Tieren agierendes Wesen, das sich seiner natürlichen Bedeutung und Weiblichkeit bewusst ist und sich als Individuum mit Fantasie, Intuition, Sensibilität und Erotik demonstriert. Der weibliche Körper wird zum einen als ein Organismus voll von Lust zur Sexualität begriffen, zum anderen als ein verletzbarer Organismus, der dem zarten Körper eines Rehs oder dem eines Vogels sehr nahe steht. Und so deutet Elbe mit symbolischen Gleichsetzungen oder Korrespondenzen zwischen Frau und Tier die innere Verbundenheit beider, ja sogar eine wechselwirksame Seelenverwandschaft zwischen ihnen an.

Die oft wiederkehrende Figur des Hasen, meist überdimensioniert, wird als Partner und Freund dargestellt, als ein Symbol für die ständige Präsenz von Traum und Sexualität. Texte greifen dieses Moment des scheinbar entgegengesetzten, aber bei näherer Betrachtung doch stimmigen Zusammenspiels von Wirklichkeit und Traum, Gegenwart und Erinnerung, sichtbaren und unsichtbaren Ereignissen ebenfalls grenzgängerisch auf.

Elbes Zeichnungen verdeutlichen die Rolle der Frau in der heutigen Zeit und Gesellschaft überaus sensibel: Sie ist Lustobjekt für den Mann, ein Wesen voll Sehnsüchten nach erfüllter Liebe, ein Element der Natur, des natürlichen Zyklus von Tag und Nacht, eine Wandlerin, die zwischen den Welten der Männer, der Arbeit, des Zuhause und des Berufs, der Kindererziehung und der Selbstfindung agiert und sich als autonome Frau verstanden wissen will. Sie ist aber auch ein Wesen der vielen Gesichter, des Verstellens und des Offenlegens, des Familiären und des Repräsentativen.

Elbes poetische Zeichnungen konfrontieren uns mit der Wirklichkeit des Lebens, der Wirklichkeit eines individuellen Daseins und der Wirklichkeit eines menschlichen Typus, der sich zwischen den Welten der Natur, der Kultur, Familie und Arbeit, der Lust, der Liebe und des Lebens bewegt. Es sind Werke von einer hohen Ehrlichkeit und Offenheit, die uns gleichzeitig erschrecken und faszinieren.

Nina Hoffmann

Der Bildbegriff in unserer Gegenwart ist zum einen von einer zuvor noch nicht gekannten Komplexität geprägt, zum anderen von einer seltenen Intensität, die die Vorstellung der Wirklichkeit von verschiede- nen Standpunkten aus beleuchtet. Nina Hoffmanns Arbeiten zeichnen sich durch eine besondere Wachs- Technik aus, welche sich bereits in ihren frühen Performances herausgebildet hat. Schon 1993 trug sie im Rahmen einer Gruppenperformance („Siegfrieds Tod“) mit einem Pinsel heißen Wachs auf ihren Körper und ihr Gesicht auf. Dann ließ sie ihn erkalten, bis sie die dicke Schicht mit einem Bügeleisen zum Schmelzen brachte. Dieser Akt des Schmerzes, sowohl beim Auftragen des Wachses, als auch beim Entfernen desselben, steht für eine Dialektik von Selbstverbergung und Selbstentblößung.

Auch in den jüngsten Arbeiten von Nina Hoffmann lässt sich diese Symbolik wieder finden. Dabei überträgt sie die seelisch-psychologische Dimension auf die visuelle Ebene. Die Künstlerin verwendet die Enkaustik, eine alte Technik, bei der heißes Wachs auf die Farbe aufgetragen oder der Farbe beigemischt wird, was ursprünglich zur Konservierung diente. Sie lässt das durchsichtig-milchige Wachs durch ein heißes Eisen mit der Farbe verschmelzen. Dadurch legt sich geradezu ein Schleier über das Bild, der das Sujet vom Betrachter zu entrücken scheint.

Körperlichkeit und Habitus, Distinktion und Individualität sind Themen, die Nina Hoffmann in ihrem Werk hinterfragt. Das Nachdenken über das Verhältnis zwischen Oberfläche und Tiefe ist jedoch nicht nur in technischer Hinsicht von Relevanz. In ihrer „Kate Moss“-Serie werden aufgrund des distanzierenden Blickes des Betrachters Fragen zur medial kontrollierten und vermittelten Konstruktion von Identität aufgeworfen. Nicht anders wird uns der Identitätsaufbau und Identitätsverfall eines gefeierten und gefallenen Idols wie Michael Jackson anhand von zeichnerisch-malerischen Beobachtungen Fließformen in vieltonigem Grün, vielschichtige Formationen erdverbundener Gestalt, zart formulierte Lineaturen und lyrisch artikulierte Bewegungsspuren lassen uns eine tiefempfundene Sensibilität für Natürliches Sein und Werden spüren.

Erst der Tod eines Stars macht den einst guten und kritisierten Menschen zum überzeitlichen Idol. Der Tod verzeiht geschichtlich gesehen vieles und macht dennoch die Ohnmacht der Gesellschaft bewußt. Die Bildnisse Michael Jacksons sind Spiegel eines von der Gesellschaft aufgebauten und zerstörten Individuums.

Myriam Holme

Eine glänzende Metalltafel erhebt sich majestätisch vor unseren Augen und kündet von den unergründlichen Geheimnissen der Natur.
Wir stehen einem bildnerischen Resonanzkörper elementarer Naturereignisse gegenüber, dessen künstlerische Sprachwelt sich in einer leisen Reise kontinuierlich wachsenden Ausdrucks aus dem Gedächtnisspeicher Mensch entäusserte.

RaumZeit konkretisiert sich in gestisch-eruptiver, lyrisch-zarter kontrapunktischem Gleichklang. Amorphe Felder begegnen Bewegungsformationen. Spuren natürlicher Veränderung fügen sich im Zusammenspiel mit felsenhaften Faltungen zu einer kongenialen gestalterischen Harmonie, einer Kunst, parallel zur Natur, besser: einer Kunst als Natur.

Imaginierte Bewegung und kondensierter Stillstand fließen im unendlichen Gleichklang strukturaler Analogien zusammen.

Myriam Holmes Arbeiten bewegen sich nachhaltig- ereignishaft zwischen der imaginären Wirklichkeit des Bildes und der konkreten Räumlichkeit des Betrachterraums. Wir sehen uns gestalteten, zur bildhaft-faktischen Wirklichkeit gewordenen kosmischen Strukturen gegenüber.

Myriam Holmes Arbeiten offenbaren eine höchst sensible und sensitive Suche nach Ausdruck und Form einer universellen Harmonie, nach den Geheimnissen des natürlichen Werdens, schöpferischen Denkens und intuitiven Handelns, nach der Erfahrung der tief im Subjekt verwurzelten Kreativität, sich manifestierend im gestalterischen Prozess hochenergetischer Werkganzheiten.

Wir fühlen den kosmischen Gleichklang der Natur, schwerelos und dynamisch zugleich.

Metallisch glänzende Bildträger, Rückseiten von ausgebrauchten Offset-Druckplatten, schimmern im wechselnden Tageslicht, lassen die verborgenen Kräfte der Lichtenergien ahnen, entfalten mit jeder noch so leichten Standortveränderung des Betrachters optisch-virtuelle, transformatorische Phänomene. Elan vital. Regenbogenfarben treffen auf schimmernde Glanzlichter, Glattes verbündet sich mit Mattem zu räumlich-aktiven Bildwelten.

RaumZeit konkretisiert sich in gestisch-eruptiver, lyrisch-zarter kontrapunktischem Gleichklang. Amorphe Felder begegnen Bewegungsformationen. Spuren natürlicher Veränderung fügen sich im Zusammenspiel mit felsenhaften Faltungen zu einer kongenialen gestalterischen Harmonie, einer Kunst, parallel zur Natur, besser: einer Kunst als Natur.

Imaginierte Bewegung und kondensierter Stillstand fließen im unendlichen Gleichklang strukturaler Analogien zusammen.

Myriam Holmes Arbeiten bewegen sich nachhaltig- ereignishaft zwischen der imaginären Wirklichkeit des Bildes und der konkreten Räumlichkeit des Betrachterraumes. Wir sehen uns gestalteten, zur bildhaft-faktischen Wirklichkeit gewordenen kosmischen Strukturen gegenüber.

Zarte Grüntöne bilden Fließformen, Schichtenformationen, kompositorische Verdichtungen und assoziativ-öffnende Verflüssigungen. Farbe wird für uns mit höchster Sensibilität in ihrer musikalischen Qualität erfahrbar. Multivalente grüne Tonalitäten werden zu einer sensitiven koloristischen Orchestrierung gesteigert. Wir fühlen die ursprüngliche Kraft der Tangaloa, der auf der wahrnehmungsästhetischen Beobachtung von Ureinwohnern des Amazonas Gebietes basierenden Namensbezeichnung von über 5000 Grüntönen.

Physische Kräfte eines unbändigen Gestaltungswillens offenbaren sich in zielsicher gesetzten faltenartigen Aufwerfungen und gesteinsartig-kristallinen Knickungen. Wir empfinden die Kraft und Energie eines künstlerisch-schöpferischen Wollens.

Individuelle gestalterische Identität findet ihre Erfüllung in gedanklich subtil vorbereiteten, intuitiv und emotional angereicherten bildnerischen Metamorphosen. Erinnerungen an mythische Zeiten verbinden sich in Myriam Holmes Werken mit gegenwärtiger Weltwahrnehmung. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verschmelzen zu einer homogenen Ganzheit.

Zhu Hong

Zhu Hong ist eine junge chinesische Künstlerin, die seit ihrem Studium in Dijon/Frankreich lebt. Ihre Bilder entführen uns in eine Welt aus privaten Porträts, szenenhaften Begegnungen von Freunden, Landschaften oder Architekturen, denen allen das Moment von ‚Charakterporträts‘ eigen ist. Hong kristallisiert mit ihrer sehr dichten Malerei Ausschnitte oder Fragmente der Wirklichkeit heraus, die durch ein sehr eigenes zart-helles Kolorit und eine klärend vereinfachte und dennoch sehr ausdrucksbetonte Pinselführung gekennzeichnet ist. Ihre Bildwelten erhalten dadurch etwas Erhabenes, Überwirkliches, wodurch wir für die alltägliche Wirklichkeit des Menschen, der Person, des Individuums und der um diese herum sich ereignenden Geschehnisse in subtiler Weise sensibilisiert werden.

Wir sehen Ganzkörperporträts verträumter junger Mädchen, posierende junge Männer, Rückenakte, Gesichter, Gesichtsausschnitte oder Gesichter in extremer Nahaufnahme, Männerhemden – Versatzstücke einer alltäglichen Wirklichkeit. Hong ist eine sensible Beobachterin von Welt und Wirklichkeit, doch ihre bildnerische Wirklichkeit entrückt uns in die Subtilität von sensitiver und eminent ausdrucksstarker Malerei. Malerei präsentiert sich hier derart jugendlich dominant, daß wir nicht mehr von einem „Ende der Malerei“, sonder vielmehr von einem Neubeginn sprechen können.  

Je vous regarde 

Parce que la figure humaine est le thème central de la série de Zhu Hong, on pourrait parler de portraits. Mais, si le portrait doit présenter ou représenter une personnalité existante ou encore afficher une singularité, avant d’être des images de visages, ses tableaux sont des objets. Objets plans sur lesquels sont déposées lignes, couleur, matière. De la peinture donc, avec ses coulures et traces de pinceaux. A l’éloquence, Zhu Hong préfère le silence et, par l’espace laissé vacant autour de ses figures, elle nous montre qu’il ne faut pas négliger l’importance du vide dans l’émergence de toute forme. Un visage ou un buste peuvent devenir seulement des taches foncées qui apparaîtraient sur un fond monochrome. Ce caractère presque abstrait de l’apparition est particulièrement à l’œuvre dans le « blanc sur blanc » de ses sérigraphies. On pourrait y voir une affirmation de la fixité de la peinture. On la regarderait différemment dans un monde sursaturé d’images en mouvements. Paradoxalement, cela la rendrait plus présente. Zhu Hong réintroduit de l’intimité et de l’émotion dans la peinture figurative en peignant des tableaux de dimensions restreintes et de couleurs pâles. Une économie esthétique au service d’une élégance quasi énigmatique. Alors si l’on parle du pouvoir de l’image qui peut évoquer une personne en son absence, une chose est sûre, ses ta- bleaux qui au sens propre, nous regardent, appellent le spectateur qui doit venir les regarder –dialogue tout particulier que le spectateur entretient avec chaque représentation de la face humaine.   (Bertrand Charles)

Une photographie, un morceau de réalité. Est-ce elle qui concrétise notre mémoire ? Ou bien, est-ce nous qui construisons notre histoire d’après ces images ? Une réalité inventée.

Cette réalité s’éloigne en étant peinte. Photo du souvenir, peinture de l’histoire, peu importe. Je me positionne entre mon appareil photo et ma peinture, entre me présenter comme une image sur la surface tactile de la peinture et le rôle de « photo reproductrice ».

Portrait

Par rapport à la peinture, la sérigraphie est plus précise, mécanique et répétitive. De loin, le tableau est comme un carré blanc, discret et silencieux. Relief de couleur blanche sur un papier blanc, l’image apparaît en positif ou en négatif selon le déplacement du spectateur.

Le Quartier St- Pierre

Les images que peint Zhu Hong sont tirées de cartes postales qui attestent du développement d’une ville et de son quotidien au moment de la révolution industrielle. Mais Zhu Hong ne nous entraîne pas dans une ballade au charme désuet et suranné. Elle se réapproprie cette imagerie populaire en y apposant sa marque. Et si elle garde l’aspect « photo jaunie », c’est seulement un moyen pour elle de respecter le temps. Ce faisant elle conserve également la composition de ces cartes postales : pas de recadrage, juste un agrandissement, à l’échelle du tableau 33 x 55 cm. Elle transcrit les éléments puis elle vient superposer des couches de peinture. Dans cette sorte de all-over appliqué sur le réel photographié, certaines formes disparaissent, soit masquées, effacées ou enfouies, puis ressurgissent de cet ensevelissement.

Les figures sont mentalisées, mises à plat, détourées, exacerbées. L’accumulation des repentirs et des morceaux disparus au cours du travail finit par constituer sur la toile une épaisseur à la fois matérielle, et immatérielle qui l’obsède. Dans ce clair-obscur très fondu, du blanc pastel au gris sépia, les figures demeurées visibles menacent de s’effacer au point que l’on en oublierait la réalité concrète à l’origine de ces images. Les paysages, monuments, personnages, enfermés dans l’espace de la peinture, emprisonnés dans la couche, décontextualisés dans un arrière-plan immatériel, sont libérés de leur fonction représentative et existent enfin pour eux-mêmes…

De la main à la main

D’après Le diptyque de La Vierge et l’Enfant, donateur Laurent Froimont de Rogier van der Weyden

J’ai toujours gardé le souvenir d’un spectacle de danse qui s’inspirait de la gestuelle de la peinture classique. Le spectacle était la plupart du temps silencieux. Ce qui me marque encore aujourd’hui, c’est l’arrêt qui était fortement marqué entre chaque pose des danseurs : un temps figé, un temps de la peinture, un temps de contemplation finalement. Au bout d’un moment, ils accéléraient et répétaient ces positions, le mouvement devenait mécanique, presque ridicule. Est-ce aussi cela que je retrouve dans la peinture flamande du XVe siècle ? Malgré la répétition du sujet, les maîtres recherchent davantage la richesse et la variation du geste. On dit que ce sont ces détails qui permettaient d’identifier chaque maître. De la limitation du sujet est née une ressource et une envie de recherche. Ces détails invitent notre regard à les contempler avec beaucoup d’attention. La série des dessins De la main à la main est fondée sur les peintures de cette époque.

La main est une partie anonyme du corps. Elle est muette mais elle passe discrètement des informations, avec son geste et ses objets significatifs. Peut être est-ce cette discrétion que je souhaitais mettre en valeur?

Je travaille avec le crayon 6H sur un fond légèrement couvert d’encre de chine. La fluidité de l’eau est incontrôlable, les effets de l’encre et ses taches sont quelques fois surprenants. Par contre, les traits du crayon sont décidés et quelquefois mécaniques. La trace de crayon suit volontairement celle de l’encre. De loin, le fond paraît plus présent, le trait de crayon est une invitation à fixer son regard, une invitation au plaisir de découvrir.

Le choix des mains et la composition se construisent à mesure que les images se croisent ou s’éliminent. La sensation de répétition que l’on éprouve devant les mains représentées dans mes dessins rejoint la perception que l’on pourrait avoir devant une série de tableaux anciens. A travers cette « redondance » je cherche également la richesse et la variation de la matière et du dessin. La grisaille est probablement une mise en distance du temps.

Natacha Ivanova

Vor unseren Augen eröffnet sich ein Kosmos magisch-surrealer und doch irgendwie auch realer Darstellungen: Natacha Ivanova lockt uns mit ihren Bildern in den soghaften Strudel symbolisch aufgeladener Bildwelten, die uns tief bewegen, beunruhigen, erfreuen, emotional aufladen. Ihre Kompositionen aus selbsterfahrener Wirklichkeit, vielfältigen Erinnerungen einer russisch geprägten Kindheit, Pariser Momenten von Liebe und Erotik, Tag- und Nachtträumen, jugendlicher Schwärmerei oder erwachsenen Gesellschaftsregeln sind Spiegel der komplexen und unergründlichen individuellen menschlichen Psyche. Wir lesen Krieg, Jagen, Töten, Fallen, Vergehen und werden gleichzeitig von dem Gesicht einer schönen Soldatenfrau in unserem Glauben erschüttert. Kann ein ästhetisch anmutender Mensch böse sein, töten, Unversehrtheit zerstören?

Vieles ist nachdenklich in Ivanovas Bildern, anderes hintergründig ambivalent, wieder anderes anzüglich angreifend. Die Ikone eines Christusporträts bewacht den hocherotisch aufgeladenen roten Raum mit einer in Weiß und einer in Schwarz gekleideten Frau. Gefühle, Werte, gesellschaftliche Konventionen, Religion und Glaube werden auf den Prüfstand der menschlichen Wahrnehmung gestellt. Wir verirren uns in einem Spiel aus Fragen und Antworten, entkommen kaum mehr aus dem Labyrinth von Wahrheit und Fiktion.

Ivanova macht durch ihre symbolisch aufgeladenen Bildwelten bewußt, stört uns nachhaltig in unserer heilen Welt und läßt uns Goyas „Traum der Vernunft, der Ungeheuer gebiert“ bei jeder neuen Betrachtung tiefenpsychologisch nachempfinden.

Thomas Lüer

REINRAUM, 2008 – Videoinstallation

Die Videoinstallation Reinraum ist die spektakulärste Arbeit im bisherigen Œuvre des Künstlers. In einer wandfüllenden, geradezu raumentgrenzenden Projektion zeigt sie eine Kamerafahrt durch das Innere eines Teilchenbeschleunigers einer atomphysikalischen Forschungseinrichtung, dabei durchaus Bildwelten evozierend, die in unserem kollektiven Bildergedächtnis mit dem Science-Fiction-Genre verbunden sind. Die First-Person-Perspektive der unruhigen Handkamera bedingt zudem ein Höchstmaß an subjektiver Identifikation. Dem immersiven Sog dieser visuellen Inszenierung vermag sich der Betrachter kaum zu entziehen.

Gleichwohl zielt Lüers künstlerische Intention nicht auf die uneingeschränkte mediale Überwältigung des Betrachters, wir diese doch auf verschiedenen Ebenen gezielt unterlaufen. So ist etwa die Projektionsfläche in zwei divergente und sich in ihrem Totalitätsanspruch gegenseitig relativierende Bildfelder unterteilt. Weiterhin mischt sich in die atmosphärisch-geräuschhafte Tonspur des Videos der Klang eines im Ausstellungsraum positionierten Kofferradios, das, auf einen Regionalsender eingestellt, die Aufmerksamkeit des Rezipienten von imaginativen High-Tech-Welt auf die vertraute Alltagswirklichkeit zurückblendet. Gerade in dem Spannungsverhältnis von Immersion und Distanzierung liegt das reflexive Potential dieser Arbeit. Wie alle Videos Lüers, ist auch Reinraum letztlich eine Studie über Macht und Magie audiovisueller Medien.   (Reinhard Buskies)

SCHLÄFER, 2007 – Videoinstallation

Bei dem Video „Schläfer“ handelt es sich um Aufnahmen, die mit einer Infrarotkamera in einem Schlaflabor aufgezeichnet wurden. Der Bildausschnitt ist auf das Gesichtsfeld beschränkt. Die Gesichtsmuskulatur ist maximal entspannt, mit Ausnahme der Augenmuskulatur. Der Schläfer befindet sich im so genannten REM-Schlaf (REM, engl. Rapid Eye Movement), einer Schlafphase, die vor allem durch schnelle Augenbewegungen gekennzeichnet ist. Erlebnisse der Wachphase werden verarbeitet und das Gehirn von überflüssigen Informationen “gereinigt”.

Der Beobachter wird zum Zeugen eines inneren Vorganges, der ihm in seiner ganzen Realität aber verborgen bleibt. Welche inneren Bilder eine bestimmte Augenbewegung hervorrufen, ist nicht beobachtbar.

Philipp Morlock

Wandermönche

Wie heiß ist höllisch heiß? Das fragte sich der Freiburger Franziskanermönch und Alchimist Berthold Schwarz um 1353. Und während er dafür wie seine Zeitgenossen den Schmelzpunkt des Schwefels herausfinden wollte, dessen Dämpfe im Mittelalter als Vorgeschmack der Hölle galten, muss ihm das Schwefelgemisch auf dem Labortisch explodiert sein. Heute gilt er als europäischer Erfinder des Schwarzpulvers, das später Musketen und Maschinengewehren befeuerte.

Mit der 4 Meter hohen monumentalen Eisenplastik des Mönches Berthold Schwarz, die das neueste Werk in der Sammlung der Swiss Art Institution ist, schuf Philipp Morlock eine eindrucksvolle dreidimensionale Paraphrase. Der „Wandermönch“, der vom Künstler auf eine monumental anmutende, rundliche Kapuzenkutte komprimiert wurde, steht auf einem Eisensockel, der die Gestalt eines überdimensionalen Arbeitstisches hat. Die Großplastik entfaltet sich aufgrund ihres formalen Minimalismus, ihrer leicht ins Blau tendierenden Schwarzen Farbe, ihrer symbolischen Aufladung und ihres Standortes in einer natürlichen Parklandschaft eine mächtige ästhetische Aura, die sich im Betrachter als ein ikonisches Erinnerungsbild festsetzt. Der „Wandermönch“ wird zu einer Art Denkmal für den genannten Erfinder und zu einem Hoheitszeichen, das die Bedeutung des menschlichen Denkens und der Wissenschaften in eindrucksvoller Weise kommentiert.

In den Innenräumen treten weitere bekannte Persönlichkeiten aus der Geschichte der Menschheit auf: Es sind acht „Kutschen-Porträts“ von Gaunern und Banditen, die auf filigranen Metallsockeln stehen und sich hier als sehr eigenwillige Bildnisse manifestieren. Es handelt sich um einige mit Feuer und Leben spielende, anarchistische Jugendhelden des Künstlers: die wilden amerikanischen Gangster John Dillinger, Pretty Boy Floyd oder Machine Gun Kelly. Daneben stehen …..

Morlocks Plastiken zielen inhaltlich durch die vergleichende Präsentation von formalästhetisch sich ähnelnden Gestaltungen, eben den Gebilden der von Kutschen abgeleiteten Porträts, auf Fragen der Moral, der aus unterschiedlichen Gründen gewonnenen Bekanntheit oder Berühmtheit von Personen auf die Befragung bzw. Hinterfragung von gesellschaftlichen Normen, Codes und Moralvorstellungen. Wer würde wohl in den Himmel kommen? Der zündelnde Mönch, dessen Entdeckung die Welt martialisch veränderte oder die schnellfeuernden Gangster, deren Anarchie zur Gründung des FBI führte?

Ähnlicher Ambivalenz verschreibt sich auch ein Multiple Morlocks, sich um einen leeren Sockel scharen, auf den der Betrachter selbst einen weiteren „Übel“-Täter imaginieren kann. Morlock bezieht sich damit auf das Werk „Culture Internationale (Al Capone)“ von Marcel Broodthaers, das 1974, in Morlocks Geburtsjahr, entstand. Broodthaers mehrteiliges Schrift-Bild-Werk besteht aus neun Blättern, die allesamt mit dem Schriftzug „Al Capone“ betitelt, als Untertitel aber andere Verbrecher wie „Schinderhannes“ tragen. Nur das neunte mittlere Blatt ist mit einem roten Herz als Untertitel wie eine Leerstelle frei gelassen. Broodthaers wollte damit ironisch die gesellschaftliche Funktion, der nur noch zu Typen und Romanhelden stilisierten verbrecherischen Anarchisten ausloten, indem er jene Subkultur der Unterwelt mittels der Kunst wieder ins ‚Herz’ der Gesellschaft zurückholte.

Als Gewinner des Heinrich-Vetter-Kunstpreis der Stadt Mannheim, wird Morlock in diesem Jahr eine weitere Einzelausstellung mit dem Titel „Agorra“ im Kunstverein Mannheim zeigen. Daneben tourt der Künstler mit zwei Freunden durch Süddeutschland mit einer Skulptur in zwei Zuständen: einem VW-Käfer, der eine mobile Rampe hinter sich herzieht, und sich damit im Verkehr bewegt oder auf der Rampe erstarrt, auf die Welt herabsieht – immer zum Sprung bereit.

SEO

Die meist großformatigen, farbintensiven und leuchtstarken Bilder von SEO, die als Papiercollagen auf Leinwand mit Tusche, Öl- und Acrylfarbe sowie unter Einbeziehung von Reispapier gearbeitet sind, entfalten eine sehr individuelle, gefühlvoll romantische und zutiefst menschliche Aura. Allein schon die Technik weist die Künstlerin als eine Grenzgängerin zwischen den Welten Asiens und Europas aus, als ein Bindeglied zwischen den Kulturen des Ostens und des Westens.

Dabei entlehnt die junge Malerin ihre Motive und Farbtonalitäten teils aus Werken der europäischen Kunstgeschichte – und hier vor allem aus einigen Bildern der deutschen Romantik, wie etwa von Caspar David Friedrich oder Carl Spitzweg – teils aus dem Fundus ihrer Kindheits- und Jugenderinnerungen. Mit der speziell von ihr angewandten Technik des Collagierens von Reispapier, welches sie dann im bildnerischen Prozess übermalt, bezieht sich SEO zudem auf das wesentliche Nahrungsmittel aus dem Land ihrer Familie.

SEO’s Bilder sind voll von Sehnsucht und Wärme, Freude und Reflexion, Wehmut und tiefer Empfindung für die Natur. Sie offenbaren ein tiefes Gefühl und Mitgefühl der Künstlerin für die Menschen in ihrer Heimat, sie bringen aber auch ein unbestimmtes Gefühl von Fernweh oder gar Heimweh zum Ausdruck.

Mit ihren Zeichnungen schuf SEO darüber hinaus sehr sensible Werke, die auf einer gesteigerten Intensität von Farbe basieren, womit sie sehr eindringlich Themenbereiche wie Erinnerung, Traum und Sehnsucht nach ihren Ursprüngen umschreibt. In ihnen sehen wir vor allem Menschen, Menschen bei der Arbeit, Menschen beim Tragen von Nahrungsmitteln, Menschen im Boot bei der Heimfahrt von den Reisfeldern oder Menschen beim Ziehen und Tragen von Booten. Die Aus- und Heimfahrt, die tägliche Arbeit, das Tragen, der Transport oder andere körperliche Tätigkeiten zeigt sie uns als Handlungen, die in die Natur und ihre Zyklen eingebunden sind. Sie interpretiert sie als grundlegende Ereignisse der Sozialisation des Menschen, ohne sie in die Nähe einer verklärenden Ferne zu rücken. Ein wichtiges inhaltliches Moment ist dabei der Respekt vor der individuellen und kollektiven Existenz, vor dem menschlichen Dasein.

Die Farbtonalität der Bilder konzentriert sich meist auf eine spezifische Stimmung, die vom eingesetzten Kolorit hervorgerufen wird. So entwwickeln einige ihrer Bildwelten, die auf warmen Farben aufgebaut sind, Darstellungen die den Betrachter in einer subtilen Art und Weise emotional in das Bild und seine Szenen hineinziehen. Die Werke umhüllen den Betrachter sozusagen mit ihrer Leuchtkraft und lassen ihn in eine intensiv zu erspürende Nähe rücken. Kältere Farben unterstreichen dagegen oft den Eindruck der Ferne, der Distanz, der emotionalen Unruhe und des Heimwehs nach der geliebten Heimat.

Neben der Farbe ist die Linie ein wesentlicher Ausdrucksfaktor. Die Linie als Kontur, als Schattierung, als formdefinierendes Element oder als Zeichen für figürliches Dasein. SEO setzt sie bewußt und feinsinnig ein, um ihren Inhalten eine verdichtete Intensität oder auch eine klärende Offenheit zukommen zu lassen.

Als ein weiterer wesentlicher Faktor kann die Transparenz angeführt werden, Transparenz der Farben, Linien, Körper und Motive. Hier zeigt sich eine besonders malerische Qualität der Künstlerin, die besonders in den mit fließenden Farben gemalten Zeichnungen zum Ausdruck kommt.

SEO umschreibt das menschliche Dasein als eine Handlung, einen Vorgang, der sich in einem engen Zusammenspiel mit der Natur vollzieht. Man kann sogar davon sprechen, daß sie ihre Bilder als einen bildnerischen Einklang mit der Natur versteht. Die Erde und ihre nährende Bedeutung, der Mensch und sein Eingebundensein in die natürlichen Strukturen sowie die Tiere, die eine konstante Größe im Zusammenhang mit dem natürlichen Werden verdeutlichen demonstrieren ein Zusammenfließen von Energien und Kräften unterschiedlicher Bestandteile eines harmonischen Gleichgewichtes.

Alastair Thain

Alastair Thain ist ein Magier der Porträts und ein tiefsinniger Beobachter der menschlichen Zivilisation. Seine meist als Schwarz-Weiß-Fotos artikulierten Darstellungen des Menschen, Charakterporträts und Annäherungen an das Individuum sind herausragende persönliche Beobachtungen mit der Kamera, die man in intensiver Wahrnehmung allmählich ergründen und erspüren kann. Wir fühlen uns von seinen Porträts eingefangen, verzaubert von einer Welt der konkret scheinenden Wirklichkeit und unseren eigenen erfahrungsbezogenen Assoziationen.

Markus Vater

Eine immer humorvolle, mehr poetische als zynische Suche nach den Gesetzmäßigkeiten des Lebens ist allen ausgestellten Arbeiten von Markus Vater – Zeichnung, Animation wie Malerei – gemein, der sich mit Medien und Stilen bewusst einer klaren Einordnung entzieht und trotz kunsthistorischer Referenzen immer auch den gegenwärtigen Alltag mit meint.

Markus Vater bringt eine Vielzahl an Menschen, Tieren und Pflanzen zusammen, die in alltäglichen, grotesken bis märchenhaften Populationen auftreten und sich zu einem evolutionären Panoptikum zusammenfinden:

Eine Mutter gebärt ihr Kind von einem Ast herab, verwandelt sich in einen Schmetterling und fliegt davon. Ihr Säugling wächst tanzend zum knabenhaften Faun heran, bis ein vom Himmel fallender Gesteinsbrocken ihn unter sich begräbt. Ein rasant in die Höhe wachsender Baum durchbohrt den Leib einer jungen Frau und reißt ihren Kopf mit sich, der sich in den Lüften mit einem Totenschädel duelliert. Supermann fliegt stolz heran und kann sich angesichts des ganzen Szenarios doch nur selbst erschießen. Das Ganze ereignet sich vor einer Kulisse, in deren Vorder- und Hintergrund scheinbar alltägliche Prozesse ablaufen: Radfahrer passieren das Bild, Flugzeuge verfinstern für eine Weile den Himmel, Panzer fahren ein und aus, Pflanzen und Tiere gehen ihrem Wachstum und ihrer Vermehrung nach. Die Projektion verdunkelt und erhellt sich regelmäßig, es wird Tag und es wird Nacht. Alles geschieht gleichzeitig, in kausalem Zusammenhang oder aneinander vorbei – in horizontaler, vertikaler oder diagonaler Abfolge, in das Bild hinein oder aus dem Bild heraus. Es gibt keinen Anfang und kein Ende. Je aufmerksamer man die Eigendynamiken im Detail verfolgt, desto klarer wird, dass jede noch so unscheinbare Handlung ihre Spuren hinterlässt und weitere Veränderungen bewirkt.

Markus Vater hat Platons Höhle eine Reise antreten lassen, die die Evolutionsgeschichte bis in die Gegenwart hinein durchläuft. Sein Film verhandelt nicht nur das Verhältnis von Licht und Schatten, sondern ist eine künstlerisch verdichtete Metapher auf den Zyklus von Leben und Tod, der die Schöpfung mit der Apokalypse vereint.

Rolf Lauter