FULL HOUSE – SPECIALS: CHALAYAN, GEIS, KOWSKI, ROGALSKI, TOKARSKI, KHMA 2006

Full House – Gesichter einer Sammlung: Specials

Hussein Chalayan,  Axel Geis,  Uwe Kowski,  Zbigniew Rogalski,  Wawrzyniec Tokarski,

Kunsthalle Mannheim

2. April – 4. September 2006

 
KUNSTHALLE MANNHEIM - SPECIALS 2006

Full House – Gesichter einer Sammlung – Special 1: Hussein Chalayan

02. April – 04. September 2006

Hussein Chalayan, 1970 im türkischen Teil Zyperns geboren, beendete sein Studium am renommierten Central Saint Martins College of Art and Design in London mit einer Aufsehen erregenden Abschlusskollektion unter dem signifikanten Namen „buried“, für die er seine Stücke zunächst im Garten eines Freundes begrub, bevor er sie im Zustand des Verfalls der Öffentlichkeit präsentierte.

Der Einzelgänger Chalayan hält immer eine gewisse Distanz zur Popkultur und den Modetrends. Auch der Modegeschichte bedient sich der innovative Designer nur selten. Seine Vielseitigkeit macht ihn zu einem Visionär, der sich stetig neue Territorien erobert. Chalayans Entwürfe sind geprägt von seinem Interesse am Körper und dessen Funktion in der ihn umgebenden Welt. In ihrer technischen Exaktheit und Präzision haben seine Kollektionen oft etwas Architektonisches, während seine Schauen meist spektakuläre Inszenierungen sind, in denen er die Grenzen zwischen Mode, Design, Performance und Kunst aufhebt.

 
ROLF LAUTER, FULL HOUSE - FACES OF A COLLECTION, KATALOG 48, 2006

ROLF LAUTER, FULL HOUSE - HUSSEIN CHALAYAN - EINLADUNG, KUNSTHALLE MANNHEIM 2006

ROLF LAUTER, FULL HOUSE - HUSSEIN CHALAYAN - EINLADUNG, KUNSTHALLE MANNHEIM 2006

Full House – Gesichter einer Sammlung – Special 2: Axel Geis

02. April – 04. September 2006

In seinen Ölbildern bringt es Axel Geis (geb. 1970) in der selten gewordenen Porträtmalerei zu neuer Meisterschaft. Im undefinierten oder nur sparsam ausgestatteten Bildraum scheinen die dargestellten Personen im Ganz- oder Halbfigurenportrait seltsam entrückt und – auch wenn sie den Betrachter anschauen – nur auf sich selbst bezogen. Neben Figuren, die sich auf fotografische oder filmische Vorlagen beziehen und weit über das Persönliche hinaus in den Bereich einer allgemeinen Sicht auf den Menschen weisen oder die cineastische Aufarbeitung des Menschenbildes mit einbeziehen, stehen „erfundene“ Darstellungen von Personen, die in grundlegender Weise die Wahrnehmung und die Funktion von Bildern hinterfragen. Das Bild konstituiert sich aus der Störung der Repräsentationsfunktion des Porträts zugunsten der selbstreferentiellen malerischen Mittel. Axel Geis lenkt das Auge des Betrachters auf den Umgang mit dem Farbmaterial seiner Bildoberflächen, indem er seine Figuren aus den monochromen Farbräumen, aus der Farbe herausschält.

 
ROLF LAUTER, FULL HOUSE - FACES OF A COLLECTION, KATALOG 49, 2006

ROLF LAUTER, FULL HOUSE - AXEL GEIS - EINLADUNG, KUNSTHALLE MANNHEIM 2006

ROLF LAUTER, FULL HOUSE - AXEL GEIS - EINLADUNG, KUNSTHALLE MANNHEIM 2006

 

Full House – Gesichter einer Sammlung – Special 3: Uwe Kowski

02. April – 04. September 2006

Uwe Kowski war 26 Jahre alt und hatte sich bis dahin auf Ölgemälde – meist Poträts – konzentriert, als sein Abschluss an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst zeitlich mit der deutsch-deutschen Wiedervereinigung zusammenfiel. Die in der Folge in elementarem Schwarzweiß ausgeführten „Entwürfe“ und „Figuren“ zeugen von einem Anspruch auf die Freiheit der ästhetischen Reduktion, dem Wunsch nach Befreiung vom Motiv. Im Werk Uwe Kowskis bahnt sich früh eine spezifische Atmosphäre zwischen Geschichtlichkeit und Transformation an: Zögerlich kehrt in der Serie „Dry Chairs“ (1997/98) die Farbe ins Bild zurück. Ein seltsam unwirklich anmutendes, ineinander gestapeltes Mobiliar fügt sich zu Ordnungssystemen, die sich im Absurden verlieren. Kowskis Bilder beschwören Empfindungsräume zwischen Sein und Schein. Im Changieren zwischen Figur und Umgebung verweisen sie auf eine prekäre Existenz zwischen ständiger Auflösung und Unabänderlichem. Nicht Formfindung, sondern Formauflösung ist sein Thema.

 
ROLF LAUTER, FULL HOUSE - FACES OF A COLLECTION, KATALOG 50, 2006

ROLF LAUTER, FULL HOUSE - UWE KOWSKI - EINLADUNG, KUNSTHALLE MANNHEIM 2006

ROLF LAUTER, FULL HOUSE - UWE KOWSKI - EINLADUNG, KUNSTHALLE MANNHEIM 2006
 

Full House – Gesichter einer Sammlung – Special 4: Zbigniew Rogalski

02. April – 04. September 2006

Zbigniew Rogalski, einer der interessantesten Vertreter der jungen polnischen Künstlergeneration, setzt sich in vielen seiner Bilder durch das Sichtbarmachen visueller Illusionen wie Spiegelungen und Verwischungen mit der Frage nach der Wirklichkeit und ihrer Repräsentierbarkeit auseinander. Die Malerei dient ihm dabei als ein wesentliches Mittel, um seine Bildvorstellungen zwischen Fotorealismus und freier Imagination oszillieren zu lassen. Gleichzeitig verorten sie sich in einem persönlichen Referenzsystem, in dem auch die Malerei als Medium selbst eingebunden ist. In seinen Bildfindungen spielen Fotografie und Film eine zentrale Rolle. So suggerieren die Bilder fragmentierte Geschichten, die durch Distanziertheit und Verfremdung spannungsvolle Momente gegenüber der Realität aufbauen und wie durch Schatten und Schleier in das Bewusstsein des Betrachters dringen. Rogalskis Werke entsprechen, obwohl sie formal sehr reduziert argumentieren, vielschichtigen Erzählungen einer Welt des Gesehenen und Erdachten.

 
ROLF LAUTER, FULL HOUSE - FACES OF A COLLECTION, KATALOG 51, 2006

ROLF LAUTER, FULL HOUSE - ROGALSKI - EINLADUNG, KUNSTHALLE MANNHEIM 2006

ROLF LAUTER, FULL HOUSE - ROGALSKI - EINLADUNG, KUNSTHALLE MANNHEIM 2006

 

Full House – Gesichter einer Sammlung – Special 5: Wawrzyniec Tokarski

02. April – 04. September 2006

Wawrzyniec Tokarskis Bilder entstehen immer nach gefundenen Vorlagen – das können Postkarten, Bilder aus dem Internet, eigene Fotos, Ausschnitte aus Zeitungen oder Magazinen und die verschiedensten Drucksachen sein. Ohne qualitativ zu unterscheiden, bedient er sich des visuellen Überangebotes, um subjektiv über Ereignisse zu berichten. So haftet seinen Bildern immer etwas Flüchtiges, Unfertiges, Unvollkommenes an. Die Linien sind nicht abgezirkelt, einige Motive sind bewusst skizzenhaft ausgeführt, Lücken und Leerstellen schaffen die nötige Distanz zur Vorlage. Der Darstellung ist immer schon die Kritik eingeschrieben. Das Verständnis der Welt findet bei Tokarski über die Wahrnehmung ihrer Bilder statt. Gleichzeitg arbeitet Tokarski vielfach mit der Überlappung von Bild- und Textebenen, der Ikonographie von Schrift, Zeichen und Symbolen. Der Textinhalt geht im Bildinhalt auf, wodurch seinen Gemälden oftmals eine zweite inhaltliche Ebene eingeschrieben ist.

 
ROLF LAUTER, FULL HOUSE - FACES OF A COLLECTION, KATALOG 52, 2006

ROLF LAUTER, FULL HOUSE - TOKARSKI - EINLADUNG, KUNSTHALLE MANNHEIM 2006

ROLF LAUTER, FULL HOUSE - TOKARSKI - EINLADUNG, KUNSTHALLE MANNHEIM 2006