HECTOR KREATIVITÄTSZENTRUM, KHMA 2006

Hector Creativity Center / Hector Kreativitätszentrum

Kunsthalle Mannheim

Eröffnung 28. Januar 2006

 

ROLF LAUTER, PAT YORK - PORTRAITS & CELEBRITIES, KUNSTHALLE MANNHEIM 2006

ROLF LAUTER, PAT YORK - PORTRAITS & CELEBRITIES, KUNSTHALLE MANNHEIM 2006

ROLF LAUTER, HECTOR KREATIVITÄTSZENTRUM, KUNSTHALLE MANNHEIM 2006

 

Einladung

ROLF LAUTER, HECTOR KREATIVITÄTSZENTRUM - EINLADUNG, KUNSTHALLE MANNHEIM 2004

ROLF LAUTER, HECTOR KREATIVITÄTSZENTRUM - EINLADUNG, KUNSTHALLE MANNHEIM 2004

ROLF LAUTER, HECTOR KREATIVITÄTSZENTRUM - EINLADUNG, KUNSTHALLE MANNHEIM 2004

ROLF LAUTER, HECTOR KREATIVITÄTSZENTRUM - EINLADUNG, KUNSTHALLE MANNHEIM 2004

 

Katalog

HECTOR KREATIVITÄTSZENTRUM KUNSTHALLE MANNHEIM 2006

 

Eröffnung

 

Hector Creativity Center / Hector Kreativitätszentrum

Kunsthalle Mannheim

Eröffnungsrede 28. Januar 2006

Liebe Frau Hector, lieber Herr Hector, lieber Dieter und Belle, lieber Hannes, liebe Mitarbeiter des Kreativitätszentrums und liebe Workshop-Teilnehmer,

der heutige Abend ist für die Kunsthalle Mannheim ein besonderer und wunderbarer Abend, weil wir weltweit das erste Museum sind, das ein Kreativitätszentrum eröffnet.

Wie kam es dazu:

Vor drei Jahren, als ich das Konzept für die „Neue Kunsthalle“ durchdacht und begonnen habe, wurde mir sehr schnell klar, das ein Museum der Gegenwart nicht mehr nur Wissenschaft und Forschung, Sammlung und Ausstellung sowie die Vermittlung der Bestände als eigentliche Inhalte wahrnehmen kann.

  1. Die zentralen Gedanken des neuen Konzepts ist vor allem die konzentrierte Einbeziehung der Gegenwartskunst, die im Dialog mit den Sammlungsbeständen ständig neu und in anderen Konstellationen präsentiert werden muss.

  2. Die Besucher aller Generationen müssen vor allem in ihrer Wahrnehmung und in ihrem Bewusstsein für ästhetische Entscheidungen gestärkt und nicht allein kulturell gebildet werden.

  3. Wir müssen verstärkt Kinder, Jugendliche und jüngere Generationen ansprechen, um in die Zukunft zu investieren.

  4. Das Museum muss stärker die Rolle eines kulturellen Zentrums und nicht nur allein die Position eines Ortes zum Sammeln, Ausstellen und Vermitteln von Kunst einnehmen.

Wie wollen wir diese Ziel erreichen ?

  1. Seit drei Jahren platzieren wir mit zahlreichen Sonderausstellungen zur Gegenwartskunst unter Einbeziehung der verschiedensten Medien, Künstlergenerationen und kulturellen Standorten von Künstlern. Dies hatte bisher ein „Lebendigmachen“ der Mannheimer Kunsthalle zur Konsequenz.

  2. Durch eine radikale Abwendung von der konventionellen Werkbeschriftung gelingt es uns stufenweise den Betrachter zum eigentlichen Wahrnehmen von Kunst und erst in zweiter Linie zum Nachlesen über Kunst zu bewegen. Erste Erfolge zeigen sich bei Schulklassen, Gruppenführungen und meiner Vorlesung mit Senioren. Darüber hinaus bin ich sicher, dass andere Museen den gleichen Weg gehen werden.

In diesem Zusammenhang spielt der „Metzlersche Salon“ als Ort des Nachdenkens über unsere kulturelle Identität, die Neupräsentation der gesamten Sammlungsbestände mit Unterstützung des Förderkreises, der H.W. & J. Hector-Stiftung, der Heinrich Vetter-Stiftung, der Wilhelm-Müller-Stiftung, der Fraport-AG und anderer Unternehmen, bzw. Privatpersonen eine entscheidende Rolle.

  1. Dank der großzügigen und langjährigen Unterstützung der H.W. & J. Hector-Stiftung und dem großen persönlichen Engagement von Josephine und Hans Werner Hector konnte es außerdem gelingen, nicht nur den Ausstellungsraum Bunker und eine neues Werkverzeichnis aufzubauen und eine wunderschöne Lounge für Mitglieder des Förderkreises zu eröffnen, sondern es wird im März auch die Eröffnung des Hector Forschungszentrums und der daran angeschlossenen Projekträume stattfinden und schließlich am heutigen Abend die Vorbesichtigung des morgen zu eröffnenden Hector Kreativitätszentrums gefeiert..

Liebe Frau Hector, lieber Herr Hector, vielen Dank für Ihre wirklich wunderbare Unterstützung.

Dieses sogenannte „Kreativitätszentrum“ hat sich folgende Ziele gesetzt:

Das Kreativitätszentrum setzt nicht bei Lerninhalten oder Kunstwerken an, die vom Museumsführer oder Lehrer vorgegeben werden, sondern bei den Kindern und Jugendlichen selbst. Gerade der junge Besucher der Kunsthalle ist meist noch nicht in der Lage, seine Wünsche, Interessen oder Bedürfnisse in Bezug auf Welt, Ästhetik oder Kunst zu artikulieren und hat sich schon früh von seinen natürlich gegebenen Fähigkeiten zur Kreativität entfernt. So wird der zentraler Gedanke zunächst sein, die in jedem Menschen liegenden kreativen Potenziale zu entdecken, zu lesen und nutzen zu lernen. In kleinen oder größeren Gruppen wird in Spiel-, Kurs- und Projektangeboten die Möglichkeit gegeben, unter kompetenter Betreuung interner und externer Fachkräfte (meist Künstler) neuste Techniken der bildnerischen Gestaltung kennen zu lernen, um sich ein Spektrum kreativer Methoden der Bildfindung zu erarbeiten und die individuell schöpferischen Kräfte zu erkennen und zu fördern. Denn für jemand, der mit der eigenen Achtsamkeit vertraut geworden ist, verschwindet die Differenz zwischen aktivem Hervorbringen und passivem Wahrnehmen. Jede Wahrnehmung wird dann zum kreativen Akt, worin man sich selbst in anderem und in anderen findet. Subjektorientiert arbeiten heißt für das Hector Kreativitätszentrum dann natürlich auch Interdisziplinarität: Mode, Pop-Kultur, Literatur und Sprache, Musik oder Film werden neben den Kunstwerken der Kunsthalle eine gleichberechtigte Rolle spielen. Die Ergebnisse werden in Gesprächsrunden und Seminaren diskutiert und interpretiert. Die Beteiligten lernen hierbei neben einem bildnerischen auch einen sprachlichen Ausdruck im Umgang mit ästhetischen Prozessen. Die gestalteten Produkte werden dann in Ausstellungen präsentiert oder in kleinen Räumen als Videoprojektion vorgeführt.

Das Hector Kreativitätszentrum hat trotz noch nicht fertig gestellter Räumlichkeiten seit 2005 die Arbeit bereits aufgenommen. Die Bildungsplanreform, die im Schuljahr 2005/06 zum ersten Mal umgesetzt wird, empfiehlt, außerschulische Kooperationspartner vor Ort zu suchen. Das Hector Kreativitätszentrum hat daraufhin innerhalb des Projekts „Kultur macht Schule“ mit vier Neckarstädter Schulen langfristig einen Kooperationsvertrag geschlossen, um auch sogenannten „bildungsfernen“ Schichten den Zugang zu kultureller Bildung zu ermöglichen. Die Zusammenarbeit mit den Schulen ist erfolgreich angelaufen, so dass der Kunstunterricht überwiegend in der Kunsthalle stattfindet.

Zudem wurde in dem Zeitraum vom 15. Dezember bis 15. Januar ein Wochenendworkshop unter der künstlerischen Leitung des Frankfurter Fotografen Peter Loewy für Jugendliche angeboten. Die Teilnehmer sollten via Fotos tagebuchartig ihren eigenen Lebenszusammenhang interpretieren, die Kunsthalle Mannheim als ihren eigenen Inszenierungsort begreifen, Rollenspiele („Ich bin ein Star“) festhalten, aber auch Texte produzieren und mit von ihnen individuell besetzten Objekten arbeiten. Die so entstandenen „biografischen Assemblagen“ sowie ein Video zum Workshop werden bei der Eröffnung präsentiert werden.

Rolf Lauter