JAMES TURRELL – FOUR EYES, KHMA 2007

James Turrell  –   Four Eyes, 2007. Ortsspezifische Installation, Kunsthalle Mannheim 2007

Ein Geschenk der H.W. & J. Hector Stiftung an die Kunsthalle Mannheim zum 100-jährigen Jubiläum, Kunsthalle Mannheim, 1. Mai 2007

 

Einladung

 
ROLF LAUTER, JAMES TURRELL - EINLADUNG, KUNSTHALLE MANNHEIM 2007

ROLF LAUTER, JAMES TURRELL - EINLADUNG, KUNSTHALLE MANNHEIM 2007

Poster

ROLF LAUTER, JAMES TURRELL - FOUR EYES, POSTER, KUNSTHALLE MANNHEIM 2007

Konzept Gespräche & Roden Crater, Flagstaff 12/2006

 

The Making of „Four Eyes“ (2007), Kunsthalle Mannheim 2006/07 …..

ROLF LAUTER, JAMES TURRELL - FOUR EYES, KONSTRUKTION, KUNSTHALLE MANNHEIM 2007

Ortsspezifische Installation „Four Eyes“ (2007), Kunsthalle Mannheim 2007

ROLF LAUTER, JAMES TURRELL - FOUR EYES, KUNSTHALLE MANNHEIM 2007

 

Eröffnung „Four Eyes“ (2007), Kunsthalle Mannheim 2007

 

 

James Turrell: “Four Eyes” (2007) Ortsspezifische Installation. Kunsthalle Mannheim 2007

Ein Geschenk der H.W. & J. Hector Stiftung

James Turrell ist einer der berühmtesten Künstler der Gegenwartskunst, der mit dem Medium Licht arbeitet. Dabei konzentriert sich sein bildnerisches Denken auf das Farbenspektrum des natürlichen Lichts, das er in seinen Installationen und architekturbezogenen Arbeiten mit weitgehend unsichtbaren Lichtkörpern zum Ausdruck bringt.

Einige seiner wichtigsten Großprojekte sind der „Roden Crater“ in Flagstaff/Arizona, „Home of FIFA“ in München, „BTA Foundation“, London, „BMW Pavillon“, München, „Dresdner Bank“, Frankfurt am Main, „Skyspace of the Mönchsberg“, Museum der Moderne, Salzburg, „Sky Garden“, Irland, die stationäre Fassadeninstallation am Museum für Angewandte Kunst, Wien, „The Inner Way“, Münchener Rück-Versicherung, „Planet m“, Expo 2000 in Hannover und die „Light Bridge“, Pont du Gard, Nimes/Südfrankreich.

„Four Eyes“ wurde als die erste permanente Außenlichtinstallation des Künstlers für ein Museum konzipiert und als Auftragsarbeit der Kunsthalle Mannheim im Jahr 2006 in Auftrag gegeben. Das Projekt wurde durch eine grosszügige Spende der H.W. un J. Hector Stiftung ermöglicht. Mit der Installation geht Turrell gegenüber seinen früheren Projekten einen wesentlichen Schritt weiter. Die beiden in einer Dimension von etwa 6 x 20 m großen Installationen bauen auf mehreren Schichten aus Metall- und Vliesgeweben, Glasscheiben sowie ebenfalls mehrschichtigen Licht-Zonen aus einer Vielzahl an LED’s auf. Mit diesem speziell für Mannheim entwickelten Werkaufbau gelingt es dem Künstler, die Materialität durch farbiges Licht zu überlagern und für die Augen des Betrachters räumlich intensive Lichtkörper entstehen zu lassen. In kaum wahrnehmbaren subtilen Übergängen lassen die langsam changierenden Lichtkörper die Museumsarchitektur am Abend zu einem künstlerischen Highlight werden.

Das Museum realisiert damit neben der täglichen Öffnung der Sammlungsräume im Innern nun auch im Außenbereich die Präsentation seiner Bestände im neu gestalteten „Skulpturenpark Kunsthalle“ mit der herausragenden Lichtinstallation von James Turrell. Alte und neue Werke haben neue Standorte gefunden. Lichtkunst, beleuchtete Plastiken sowie eine iluminierte Architektur gehören nach Jahrzehnten der äußerlichen Dunkelheit zukünftig zur abendlichen Erscheinung der Kunsthalle.

Mit „Four Eyes“ von James Turrell wird die Kunsthalle Mannheim einmal mehr zum „Erlebnisraum Kunst“ und zu einem Ort, der den Besuchern ihre Wahrnehmung auf eine subtile Art und Weise bewußt werden läßt.

Rolf Lauter

 

Rede zur Eröffnung:  Kunst – Licht – Kunst

Die Kunsthalle Mannheim zeigt sich zum 100-jährigen Jubiläum auch von außen in neuem Glanz 

Sehr geehrte Frau Hector, sehr geehrter Herr Dr. Hector, sehr geehrte Frau, sehr geehrter Herr Dr. Kurz, meine sehr verehrten Damen und Herren vom Gemeinderat, Liebe Belle und Dieter Hasselbach, sehr geehrte Frau, sehr geehrter Herr Bichelmeier, lieber Albrecht Schäfer, lieber Nasan Tur, liebe Sonja Vordermaier, meine sehr verehrten Damen und Herren,

die heutige Eröffnung ist aus zwei Gründen ein besonderer Abend:

zum ersten erhält die Kunsthalle heute zu ihrem 100-jährigen Jubiläum ein außergewöhnliches Geschenk, das in der Zukunft als Symbol des positiven kooperativen Zusammenwirkens der H.W. und J. Hector Stiftung und der Kunsthalle verstanden werden wird.

Zum zweiten feiern wir das 10-jährige Jubiläum der Hector Stiftung, die – und Sie haben es gerade den Worten von Herrn Dr. Hector entnehmen können – in all den Jahren unglaublich positive Aktionen und Fördermaßnahmen realisiert haben. Hierfür möchte ich Ihnen Frau Hector und Ihnen Herr Dr. Hector für uns alle von ganzem Herzen danken.

Die Kunsthalle profitierte in diesen Jahren für zahlreiche Vorhaben sehr wohlwollend und so können wir stellvertretend für die Vielfalt der Unterstützungen heute Abend eine der außergewöhnlichsten Lichtinstallationen als Geschenk für unsere Sammlung entgegennehmen: die Außenlicht Skulptur „Four Eyes“ die der weltbekannte amerikanische Künstler James Turrell konzipiert und ein hervorragendes Team von Lichtplanern, Architekten, Handwerkern und Mitarbeitern realisiert hat. Für dieses freundschaftliche Symbol danke ich Ihnen liebe Frau Hector, lieber Herr Hector, persönlich sehr herzlich.

Wir eröffnen heute aber auch ein weiteres Förderprojekt der Hector Stiftung, und zwar den zum vierten Mal vergebenen H.W. und J. Hector Kunstpreis 2006, der drei jungen Künstlern zugute kommt.

Die bereits mit Beginn meiner Mannheimer Arbeit, d.h. vor vier Jahren angedachte Lichtinstallation von James Turrell ist neben ihrer ohne Frage besonderen kunsthistorischen und ästhetischen Bedeutung für das ebenfalls schon sehr früh konzipierten und bis heute zumindest teilweise umgesetzten „Skulpturenpark Kunsthalle“ wegweisend gewesen. So eröffnen wir heute Abend auch den zwar noch kleinen, aber in diesem Jahr weiter wachsenden neuen Skulpturenpark mit den für die beiden Glasfassaden am Neubau konzipierten Lichtplastiken von James Turrell, die neugeordneten, teilweise durch Leihgaben erweiterten sowie punktuell beleuchteten Plastiken.

James Turrell, der heute aus gesundheitlichen Gründen leider nicht anwesend sein kann, ist einer der berühmtesten Künstler der Gegenwartskunst, der mit dem Medium Licht arbeitet. Sein bildnerisches Denken konzentriert sich auf das Farbenspektrum des natürlichen Lichts, das er in seinen architekturbezogenen Arbeiten mit kaum sichtbaren Lichtkörpern zum Ausdruck bringt.

Mit großzügiger Unterstützung der H.W. & J. Hector-Stiftung konnte der Künstler für die außergewöhnliche Lichtinstallation an der Kunsthalle gewonnen und seine großdimensionierten Lichtplastiken am Neubau umgesetzt werden. Der Titel „Four Eyes“ stellt eine Verbindung des Werks zu dem „Vier-Augen-Dialog“ zwischen zwei Menschen her. Die von einem speziell entwickelten Computerprogramm gesteuerten Lichtsituationen und Lichtmodulationen, die sich innerhalb der Spektralfarben ereignen, offenbaren sich dem Auge des Betrachters in kaum wahrnehmbaren feinsten Übergängen und lassen die Lichtkörper in der Museumsarchitektur am Abend zu einem künstlerischen Highlight werden.

Innen und außen, Flächen und Formen, Lichtzonen und Lichtmischungen sind wahrnehmungsästhetisch absolut eindrucksvolle Ereignisse, die uns von nun an allabendlich in ihren Bann ziehen können.

DLP/Lichtplaner, Torsten Braun & Mitarbeiter

(Stephanie Wandinger)

OAP, Erich Offermann & Mitarbeiter (Birgit Schneider)

Programmierung: Wilfried Kresiment, Klaus Bolte

LED: Jörn Bielich

Turrell & Skulpturenpark: Diringer & Scheidel, Volker Schultz (Oberbauleiter Industriebau) & Mitarbeiter

Um den Altbau und Neubau der Kunsthalle werden bis zum 1. Mai, dem Eröffnungsdatum der Sonderausstellung „100 Jahre Kunsthalle Mannheim“, bereits vorhandene und neue Außenplastiken versammelt, um den Besuchern ein breiteres Spektrum an deridimensionalen Ausdrucksformen vorzustellen. Damit möchte die Kunsthalle die seit dem vierten Direktor Heinz Fuchs intensiv begonnene Tradition des Sammelns von Plastiken eine Fortsetzung in die Gegenwart folgen lassen. Während die vier Ecken der gesamten Architekturanlage mit den vier Eckpfeilern von Nigel Hall, Alf Lechner, Erwin Wortelkamp und Willfried Hagebölling markiert werden, konzentrieren sich die meisten plastischen Bildwerke auf die Freiflächen zwischen Alt- und Neubau. Hier sind schwerpunktmäßig auf der Nord-Ost-Seite der landschaftlichen Umgebung Arbeiten von Werner Pokorny, Richard Scheibe, Klaus Duschat, Tony Cragg, Hermann Kleinknecht, Gerhard Marcks, Morice Lipsi, Erich Hauser, Willhelm Loth, Erwin Wortelkamp und Hans Nagel platziert, während neben dem Eingang des Altbaus zwei Arbeiten von Philipp Harth und David Nash zu sehen sind.

Die Wahrnehmungssituation am Abend wird auf den genannten Arealen in einer ersten Phase am Abend behutsam mit Licht unterstützt, während die wichtige Lichtinstallation von James Turrell am Neubau aus der Architektur heraus leuchten. Damit ist ein erster Schritt in Richtung auf eine lichtästhetisch ganzheitliche Wirkung der Kunsthallenarchitektur zum 100-jährigen Jubiläum geleistet.

Ebenfalls heute Abend in der Kunsthalle der „Hector-Kunstpreis 2006″ verliehen und eine Ausstellung mit Kunstwerken der drei Preisträger eröffnet. Die Kunsthalle Mannheim schreibt seit 1997 alle drei Jahre in gemeinsamer Trägerschaft mit der H.W. & J. Hector Stiftung unter dem Titel „H.W & J. Hector Kunstpreis der Kunsthalle Mannheim“ einen Preis für dreidimensionale Gestaltung aus. Der erste Preis geht an Albrecht Schäfer, der zweite Preis zu gleichen Teilen an Nasan Tur und Sonja Vordermaier.

Für den „H.W. & J. Hector Kunstpreis 2006“ hatten sich insgesamt 435 Künstler mit ihren Werkvorschlägen angemeldet. Der erste Preis ging nach einstimmigem Votum der Jury an Albrecht Schäfer, während der zweite Preis gleichermaßen für Nasan Tur und Sonja Vordermaier vergeben wurde. Ab dem 10. März 2007 können die von den drei Künstlern konzipierten Werke und Rauminstallationen in der Kunsthalle besichtigt werden.

Albrecht Schäfer, der erste Preisträger, ist gebürtiger Stuttgarter, studierte in Braunschweig, London und München und lebt seit 1995 in Berlin. Die Installationen und plastischen Arbeiten Schäfers basieren inhaltlich auf dem Konzept der Transformation von Gegenständen oder Situationen in etwas anderes, unerwartetes, um durch einen Perspektiv Wechsel die Wahrnehmung zu schärfen, neue Sichtweisen zu generieren oder erweiterte Erkenntnisse zu ermöglichen. Schäfer thematisiert dabei vor allem die gestalterischen Spannungsfelder von Innen und Außen, Raum und Leere. Existierende architektonische Elemente werden zu hinterfragenden Formelementen transformiert, im Alltagsleben vorhandene Gegenstände, wie etwa Papierlampenschirme in spielerisch-lyrische Raumkompositionen übertragen oder serielle Elemente der industriellen Produktion oder der Architektur für komplexe Raumgestaltungen eingesetzt. Viele seiner Werke beziehen sich auch auf fiktive und noch nicht gebaute oder schon vorhandene Architekturmodelle, die ihre ursprüngliche Gestalt durch bisweilen minimale Eingriffe verändern.

Nasan Tur hinterfragt mit seinen Objekt- und Videoinstallationen, Fotografien oder Interventionen in öffentliche Räume Verhaltensweisen und Wahrnehmungsformen des Menschen und versucht unser Bewußtsein auf ästhetische, soziale oder politische Zusammenhänge zu lenken. Er geht dabei oft humorvoll, bisweilen auch kritisch vor. Mit Hilfe von irritierenden Verfremdungen einer Situation – etwa dem Baden in einer Pfütze auf einem Parkplatz oder der sich unaufhaltsam weiterdrehenden Roulettekugel in einem Roulettetisch – macht er klischeehaftes Verhalten, festgelegte traditionelle Regeln oder kulturelle Grenzen oder die Einengung individueller Verhaltensformen deutlich. Dabei entstanden mitunter auch Partizipationskunstwerke, die den Betrachter zu Interaktionen einladen.

Sonja Vordermaier kombiniert künstliche und natürliche Materialien zu Ensembles oder Installationen, die trotz ihres logischen Aufbaus beim Betrachter immer auch einen irritierenden Eindruck hinterlassen. So taucht etwa aus dem Boden eines Ausstellungsraumes die Luke eines U-Bootes auf, hängen an Wänden Wannen, wird ein Raum von einem katapultartigen Objekt mit Sitz und Gummizügen beherrscht oder hängt eine Konstruktion aus zusammengesetzten Fernsehantennen. Für Mannheim konzipierte sie eine Installation, die ein verkleinertes Tarnflugzeug mit seinem Schatten in den Räumen der Ausstellungshalle Bunker zeigt. Vordermaier gestaltet begehbare Wahrnehmungskunstwerke, die die bekannten Systeme auf ihre immanenten und externen Qualitäten untersuchen oder sie kombiniert. So wurden in einen Ausstellungsraum mehrere begehbare Ebenen in unterschiedlicher Distanz zu Boden und Decke eingezogen, die der Betrachter laufend, kriechend oder robbend erfahren kann und in denen sich jeweils eine quadratische Öffnung zur Einsicht anderer Ebenen befindet. Ihre Objekte und Installationen bewegen hierbei zwischen den generativen Prinzipien Ordnung und Unordnung, Bestätigung und Verunsicherung unserer Wahrnehmungserfahrung.

Elektroinstallationen: Abel EKT GmbH, Herrn Abel, Wolfgang Preysing & Mitarbeiter

Assistenten/Helfer: Jürgen Knapp, David Maras, Christian Patruno, Stefan Wehrmann

Hausmeister: Hr. Haberstroh, Herr Halle, Herr Gaida

Beschilderung: Frau Neff

High Moves: Industriekletterer für Turrell & Kuppel: Herr Dreißigacker

Dank an Stefanie Müller und unser Ausstellungsteam.

Nun möchte ich Herrn Dr. Hector und die drei Künstler noch zur Gratulation nach vorne bitten.

Die beiden bereits eröffneten Ausstellungen „SEO: Am Ende kam der Tag“ und „Weischer meets Beckmann“ sind selbstverständlich ebenfalls zu besichtigen.

Und nun können wir meine sehr verehrten Damen und Herren, Rundgänge durch die Ausstellungen und den Skulpturenpark beginnen, wo Herr Dr. Hector dann “das Licht entzünden wird“.

Anschließend sind Sie alle noch zu einem Umtrunk in den Club Raum eingeladen.

Dr. Rolf Lauter