KULTURTIPP 13. MAI 2001

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

Kulturtipp von Rolf Lauter

Oberkustos des Museum für Moderne Kunst

Frankfurt am Main

13. Mai 2001

 

Auch wenn das Wetter in den letzten Wochen und Tagen manche Gemüter bedrückte, bietet die Frankfurter Kulturszene doch vielerlei Trostpflaster. Bei einer Berlinreise vor einigen Tagen konnte ich mich davon überzeugen, daß sich Frankfurt vor der vielgerühmten Metropole in dieser Hinsicht durchaus nicht verstecken muß. Die unser Leben mitbestimmende lebendige und experimentierfreudige Kultur- und Galerienszene muß dort in den nächsten Jahren noch weiterentwickelt werden. In Frankfurt bietet sich nach einem Besuch der Ausstellung mit Fotografien aus der Sammlung der DG Bank in der Schirn Kunsthalle ein Rundgang durch die Galerien an, die hoffentlich in der Zukunft an manchen Tagen länger geöffnet haben werden. Ab 16. Mai wird die äußerst sensibel zusammengestellte Ausstellung „Siegel des Sultans“ mit sehr eindrucksvollen osmanischen Kalligrafien im Museum für Angewandte Kunst zu sehen sein. Die ausgestellten Arbeiten machen einmal mehr deutlich, zu welcher gestalterischen Komplexität und künstlerischen Meisterschaft sich eine allein auf schriftlichen und nicht bildlichen Darstellungen aufbauende Kultur entwickeln konnte.

Dem TAT/Ballett Frankfurt ist es gelungen, durch die Wiederaufnahme der Experimenta, die bereits 1966 mit Peter Handkes „Publikumsbeschimpfung“ oder 1969 mit Joseph Beuys’ “Titus Andronicus/Iphigenie“ großes Aufsehen erregte, das Theaterleben noch bis zum 3. Juni durch spannende Aufführungen mit verschiedenen Regisseuren und Ensembles sehr qualitätvoll zu bereichern. Nach der sehr anspruchsvollen Inszenierung des „Ring des Nibelungen“ von Tom Kühnel darf man schon sehr gespannt auf die verschiedenen Realisierungen der „Gier“ von Sarah Kane sein.

Schließlich bietet die Lange Nacht der Museen am 9. Juni wieder ein großes Spektrum an Möglichkeiten, sich den vielen Frankfurter Kulturinstitutionen und den von ihnen vorbereiteten Aktivitäten in nächtlicher Zeitlosigkeit nähern zu können.