KÜNSTLERPAARE – ARTIST DUOS, SAI KARLSRUHE 2011

Künstlerpaare – Artist Duos

Peter Fischli & David Weiss, Daniel & Geo Fuchs, Karla Hecker & Levke Leiß, Marcel Weber & Olga Weimer

SWISS ART INSTITUTION

Forsthausvilla Karlsruhe

3. Juli – 4. September 2011

 

DR. ROLF LAUTER, ARTIST FRIENDS - ARTIST DUOS, PETER FISCHLI & DAVID WEISS, DANIEL & GEO FUCHS, KARLA HECKER & LEVKE LEISS, MARCEL WEBER & OLGA WEIMER, EINLADUNG, SWISS ART INSTITUTION, FORSTHAUSVILLA KARLSRUHE JULI - SEPTEMBER 2011

Einladung

DR. ROLF LAUTER, ARTIST FRIENDS - ARTIST DUOS, PETER FISCHLI & DAVID WEISS, DANIEL & GEO FUCHS, KARLA HECKER & LEVKE LEISS, MARCEL WEBER & OLGA WEIMER, EINLADUNG, SWISS ART INSTITUTION, FORSTHAUSVILLA KARLSRUHE JULI - SEPTEMBER 2011

DR. ROLF LAUTER, ARTIST FRIENDS - ARTIST DUOS, PETER FISCHLI & DAVID WEISS, DANIEL & GEO FUCHS, KARLA HECKER & LEVKE LEISS, MARCEL WEBER & OLGA WEIMER, EINLADUNG, SWISS ART INSTITUTION, FORSTHAUSVILLA KARLSRUHE JULI - SEPTEMBER 2011

Katalog

 

Daniel & Geo Fuchs:  STASI

 

 

Siehe Video

Künstlerpaare – Artist Duos  /  Künstlerfreunde – Artist Friends

Ausgangspunkt für die Ausstellung Künstlerpaare – Künstlerfreunde, die die SWISS ART INSTITUTION in der Forsthausvilla Karlsruhe präsentiert, ist eine für die Kunstgeschichte sehr spannende Fragestellung: Inwieweit ist es für einen Künstler, dessen schöpferisches Denken und bildnerisches Schaffen zu einem hohen Maß auf Kreativität, individueller Bildsprache und innovativer Vorstellungskraft basiert, möglich, diese meist als ‚hermetische Identität‘ zu bezeichnende Subjektivität teilweise aufzugeben und kompromissbereit in einen Dialog mit einem Künstlerpartner oder Künstlerfreund zu treten.

Das Thema der Freundschaft wurde in der Antike bereits bei Homer in der Ilias ausführlich thematisiert und findet in der Literatur stets zahlreiche Ausprägungen.

Seit der Antike entwickelten sich über das Mittelalter, die Renaissance und den Barock hinaus gut funktionierende Künstlerwerkstätten, in denen die herausragenden Künstlerpersönlichkeiten oft unter Assistenz anderer Künstler Werke oder Werkkomplexe ausführten. Dabei spielte die Frage von Meister und Schüler eine wichtige Rolle.

Erst seit dem 19. Jahrhundert – und hier besonders in der Romantik und dem ausgehenden 19. Jahrhundert – ist eine neue Qualität in der Formierung von Künstlergruppen und Künstlerfreundschaften zu beobachten. Aus der gemeinsamen Beobachtung von Natur, Gesellschaft und Menschenbild entstanden künstlerische Zirkel, die oft im Dialog arbeiteten, theoretische Abhandlungen verfassten oder auch über die Ästhetik von Kunstwerken diskutierten, um damit die Künstlerfreundschaft inhaltlich sowie ästhetisch zur Anschauung zu bringen.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstanden mit den Bewegungen der Fauves, Expressionisten, Bauhaus, Futuristen, Surrealisten, De Stijl, Cercle et Carré Künstlergemeinschaften, die institutionellen Charakter annehmen konnten oder sich zu Hochschulen und Akademien entwickelten. Im Zusammenhang mit diesen Gemeinschaften wurden oft ganze Generationen von Künstlern unter dem Signet der Avantgarde mit innovativen künstlerischen Ideen und Sprachen befruchtet.

Nach der Mitte des 20. Jahrhunderts – und hier vor allem seit den 60er Jahren – konkretisierte sich wohl noch unter dem Eindruck des Zweiten Weltkrieges eine verstärkte Suche des Künstlers nach Künstlergemeinschaften und Künstlerfreundschaften, wie sie sich etwa in den Gruppen COBRA, Quadriga, Spur, Zero, Nul, Groupe de Recherche d’Art Visuel oder der Internatianalen Situationiste formierten. In diesen Künstlergemeinschaften gab es ein hohes Maß an gemeinschaftlicher Recherche und Ausarbeitung von künstlerischen Konzepten, Ausstellungsideen oder auch Werkkooperationen, die teilweise performativen und eventmäßigen Charakter annahmen.

Trotz dem in der heutigen Zeit ebenfalls zu beobachtenden Phänomen der künstlerischen Kooperation wollen wir mit der Ausstellung noch einen Schritt weiter gehen und die in ihrer Ausprägung sehr spezielle – auf den Werten von Freundschaft, Vertrauen, Zuneigung und vielschichtiger Kooperation basierende – dialogische und überindividuelle Zusammenarbeit von Künstlern an einem Kunstwerk oder ganzen Werkgruppen herausstellen. Mit dem Projekt bewegen sich die ‚Agents for Contemporary Art‘ in Richtung auf die inhaltliche Aufarbeitung von Fragen der Gegenwartskunst und dem sehr spannenden Thema der künstlerischer Existenz in der heutigen Zeit.

Die folgenden vier Künstlerpaare und Künstlerfreunde zeigen uns ansatzweise, welche aussergewöhnlichen Wege, Werke und ästhetischen Möglichkeiten auf der Basis von intensiven Künstlerdialogen entstehen können.

Peter Fischli & David Weiss

Peter Fischli & David Weiss gehören neben Gilbert & George, Bernd & Hilla Becher oder Anna & Bernhard Blume wohl zu den bekanntesten Künstlerfreunden, deren bildnerisches Werk auf einer engen Zusammenarbeit basiert. Ihre Werke – Fotografien, Skulpturen, Videos oder Installationen – umschreiben in einer oft ironischen, hintergründigen oder spielerischen Weise gesellschaftliche und kulturelle Zusammenhänge, die sich gestalterisch als transformierte Bilder der Wirklichkeit zu erkennen geben und unser Weltbild dadurch inhaltlich treffsicher hinterfragen.

Daniel & Geo Fuchs

Daniel & Geo Fuchs arbeiten – ähnlich wie Bernd & Hilla Becher – seit langer Zeit als Künstlerpaar zusammen und ergänzen sich im menschlichen und künstlerischen Bereich derart kongenial, dass alle ihre Projekte, Werke und Werkgruppen ein ästhetisches System vor Augen führen, in dem die individuelle künstlerische Handschrift hinter dem gemeinschaftlich entwickelten Produkt verborgen bleibt. Der eine könnte ohne den anderen ein derart stimmiges Werk kaum ausführen.

Karla Helene Hecker & Levke Anna Leiß

Die ebenfalls seit einigen Jahren zu einem kooperativen Künstlerpaar zusammengewachsenen Berliner Künstlerinnen Karla Helene Hecker & Levke Anna Leiß arbeiten bisweilen individuell im Bereich der Malerei oder Zeichnung, bisweilen aber auch an gemeinschaftlichen Bildern, in denen die persönliche Handschrift teilweise erkennbar ist, teilweise hinter der kompositorisch komplexen Bildsprache anonym bleibt. Hier baut sich bei der Betrachtung individueller und gemeinschaftlicher Produktionen ein ästhetisches Spannungsfeld auf, das Fragen von individueller Identität und dialogischer Zweitidentität vor Augen führt.

Marcel Weber & Olga Weimer

Die Künstlerfreunde Marcel Weber & Olga Weimer, die jeweils mit einem anderen Lebenspartner zusammen leben, arbeiten seit 2004 in einer Ateliergemeinschaft zusammen, deren komplexe Produktion sich einerseits als individuelle Werkgruppen mit deutlich subjektiven bildnerischen Sprachen, andererseits als kooperative Werkserien mit einem Höchstmaß an überindividuellen gestalterischen Elementen zu erkennen geben.

Bei allen Künstlerfreundschaften – und dieser Begriff kommt der sehr speziellen ästhetischen Herausforderung des dialogischen Arbeitens wohl am nächsten – zeigt sich ein hohes Maß an subjektiver Ausdrucksfähigkeit, an kompromissbereitem Vertrauen wie auch an intuitiver und subtiler Empathie in den künstlerischen Partner.

Die SWISS ART INSTITUTION freut sich, die nun beginnenden multidialogischen Gespräche, Einsichten und Ergebnisse in weiteren Projekten und Publikationen begleiten und veröffentlichen zu können.

Rolf Lauter