LEUCHTSPUR – KULTURMEILE BRAUBACHSTRASSE, FRANKFURT 2002

Leuchtspur

Eine Ausstellung entlang der

Kulturmeile Braubachstrasse

Frankfurt am Main 14. April – 31. August 2002

 

 

Einladung

Katalog

 

 

 

 

Vorbereitung der Ausstellung

 

 

Rede der Oberbürgermeisterin Petra Roth zur Eröffnung der Ausstellung

Leuchtspur

Eine Sonderausstellung entlang der Kulturmeile Braubachstraße,  14. April bis 31. August 2002

Rathaus Römer, Frankfurt am Main, 12.4.2002 

 

Meine Sehr verehrten Damen und Herren,

mit der Ausstellung Leuchtspur, die mein Koordinator für kulturelle Sonderprojekte Rolf Lauter konzipiert und mit einem Team von Künstlern, Architekten und Technikern realisiert hat, um während der Messe ”Light and Building” einen künstlerischen Glanzpunkt zu setzen, wollen wir im Zentrum Frankfurts verstärkt kulturelle Akzente einbeziehen, die den Bürgern ihre Stadt in bekannten aber auch neuen Perspektiven zeigt.

Das Areal Braubachstrasse / Bethmannstarasse / Römerberg, in dem sich die Ausstellung als ein Parcours entfaltet, werden wir zukünftig mit ”Kulturmeile Frankfurt” benennen, um deutlich zu machen, daß wir im Zentrum der Stadt ein lebendiges kulturelles Leben entwickeln und langfristig etablieren möchten.

Die Kulturmeile – und das ist, denke ich, allgemein bekannt – erstreckt sich topographisch von Osten nach Westen und bezieht den Bereich Dom-Römerberg mit sämtlichen anliegenden Kulturinstitutionen ein. Aufgrund einer neu zu konfigurierenden Nutzung der vorhandenen Wohn-, Verwaltungs- und Geschäftsräume im Bereich Braubachstrasse/Bethmannstrasse sowie Dom/ Römerberg mit einem stärkeren Anteil an im weitesten Sinn kulturellen Elementen wird dieser Bereich zukünftig am Tag, am Abend und in der Nacht lebenswerter und sicherer werden. Zudem werden wir in diesem Areal eine höhere Besucher- und Tourismusfrequenz etablieren, mit der wir die Innenstadt Frankfurts im Bewußtsein der Einwohner und Besucher noch deutlicher als bisher zu einem wirklichen kulturellen Zentrum machen.

Unser Hauptziel bei der Belebung der Kulturmeile geht dahin, alle neu zu entwickelnden Liegenschaften möglichst auf der Basis einer Mischnutzung zu besetzen. Hierbei muß neben der Einbeziehung von neuen Geschäftszweigen, die möglichst viele Besucher in die Braubachstrasse bringen sollen, vor allem auch ein entsprechender Anteil an Wohnraum für ’Kreative’ und Bürger bereitgestellt werden, um das Straßenleben am Abend und in der Nacht zu aktivieren.

Damit verbunden werden wir versuchen, Restaurants, Museen, Galerien und die umliegenden Geschäfte möglichst auch in den Abendstunden zu öffnen, um hier ein lebendigeres Stadtzentrum zu etablieren.

Bei der Gestaltung der Kulturmeile werden ab 22. April diesen Jahres die ersten Umbaumaßnahmen beginnen, die zunächst einmal die Umgestaltung der Straße und Bürgersteige sowie die Lichtführung betreffen. Es werden neue Bodenbeläge für Straßen und Fußgängerwege bzw. Freiflächen kommen, eine sichtbar gestaltete Straßenbahntrasse, ein neues, der Sicherheit und dem Wohlbefinden der Fußgänger dienendes Beleuchtungssystem, Gebäudefassaden werden restauriert, künstlerisch gestaltete Plätze, Sitzgelegenheiten oder auch Kunstwerke in Verbindung mit Architekturen oder Freiflächen werden geschaffen.

Dies sind nicht etwa ’kosmetische’ Akzente, die gesetzt werden, sondern damit bringen wir eine umfassende aber behutsame ästhetische Aufwertung der Innenstadt in Gang, ohne die traditionell gewachsenen Strukturen zu zerstören. Mit den Bauarbeiten, die im ersten Abschnitt bis etwa Ende 2003 abgeschlossen sein werden, beginnen außerdem erste Umstrukturierungen und Umbaumaßnahmen im Gebäude der Stadtwerke, im Alten Hauptzollamt, dem Gesundheitsamt, im Römer selbst und auf dem Gelände des ehemaligen Bundesrechnungshofes. Entsprechende Planungen laufen und werden von uns bei einer nächsten Pressekonferenz im Juni vorgelegt werden. Dann werden wir auch über die weiteren Entwicklungsschritte unserer zukünftigen Kulturmeile Frankfurt beerichten.

Ein wesentliches Gestaltungselement wird in diesem Bereich in jedem Fall die künstlerische Behandlung des öffentlichen Raumes unter Einbeziehung von Licht spielen. Um diesem Medium die richtige Entfaltungsmöglichkeit zu geben, müssen zunächst die einzelnen individuellen Kulturinstitutionen zu einem stadtgestalterischen Netzwerk verbunden und in ein entsprechendes Beleuchtungskonzept eingebunden werden, damit die Vielfalt der kulturellen Formen um den Dom/Römerbergbereich – ähnlich dem Museumsufer – mit einem Leitbild entsprechend konzentriert kommuniziert werden kann.

Das Projekt Leuchtspur geht in diese Richtung und versucht, die Diskussion um neue ästhetische Gestaltungräume im öffentlichen Raum auf einem hohen künstlerischen Niveau in Gang zu setzen. Rolf Lauter hat 18 Künstler, Architekten und Lichtdesigner gebeten, für bestimmte Orte oder Gebäude entlang der Kulturmeile Werkkonzepte zu entwickeln, die uns von heute an für vier Monate in den Abendstunden als neue, ungewohnte und andere Erscheinungen in der Stadt begegnen werden. Mit diesen Licht-Installationen wird unsere Wahrnehmung herausgefordert, in bestimmte Richtungen gelenkt oder werden vielfältige Assoziationen in uns geweckt, die mit Sicherheit zu einer Reihe von intensiven Gesprächen, Spaziergängen oder Diskussionen führen werden.

Ein wichtiges Werk, das leider aus haushaltstechnischen Gründen noch nicht zur Eröffnung realisiert werden konnte, und zwar die umfassende Licht-Installation von James Turrell für das Museum für Moderne Kunst, kann nun nach Klärung der anstehenden Fragen mit Hochdruck vorangetrieben werden. Ich wünsche mir sehr, daß Herr Lauter mit seinem Team diese für die Stadt so wichtige Arbeit eines der berühmtesten Künstlers der Welt möglichst schnell umsetzen wird, damit wir das sicherlich beeindruckende Lichtschauspiel am MMK noch in diesem Sommer in den warmen, schönen Abendstunden auf uns einwirken lassen können.

Ich danke allen an dem Projekt beteiligten Personen für ihren hohen Einsatz und freue mich, daß die Ausstellung mit der großzügigen Unterstützung zahlreicher Förderer und Sponsoren auch finanziell – weitgehend ohne Unterstützung der Stadt – durchgeführt werden kann.

Und nun bitte ich Herrn Dr. Lauter um eine Einführung in das Projekt.

Petra Roth

Oberbürgermeisterin der Stadt Frankfurt am Main

 

 

Katalog und Ausstellung

Urs Breitenstein

Urs Breitenstein, der in der Ausstellung mit zwei Arbeiten vertreten ist, projizierte auf ein Fenster des Auktionshauses Döbritz in einer Dia-Endlosprojektion insgesamt 81 Zitate aus der Londoner Zeitung ”Daily Mail”, die sprachliche Besonderheiten des Englischen thematisieren.

ROLF LAUTER, LEUCHTSPUR - KULTURMEILE BRAUBACHSTRASSE, KATALOG_5, FRANKFURT 2002

Am Ende des Ausstellungsparcours hängen über dem ”Eintracht Shop” die fünf kreisrunden Leuchtkästen von Urs Breitenstein mit dem Titel ”Haupt und Glieder”. Die fünf Signetmotive, entnommen aus Tageszeitungen, paraphrasieren die Themen der Fragmentierung und Struktur von Teilen, die sich – gleichgültig in welcher Kombination – wieder zu einem neuen Zusammenhang fügen.

ROLF LAUTER, LEUCHTSPUR - KULTURMEILE BRAUBACHSTRASSE, KATALOG_6, FRANKFURT 2002

Dan Flavin

Dan Flavin überstrahlt mit seiner minimalistischen Licht-Installation aus kaltweißem Neonlicht in der großen Ausstellungshalle das Wahrnehmungsfeld des Betrachters derart, daß dieser zunächst die sinnlich-aggressive Qualität des Lichts verspürt, sich nach einer Gewöhnungszeit dann aber intensiver mit den Prinzipien einer akkumulativen Lichtverdichtung aus seriellen Lichtelementen auseinandersetzt.

Sebastian Fleiter

Sebastian Fleiter läßt zwei Schwäne auf einer Projektion in einem Lüftungsschacht des Technischen Rathauses ihrer Bestimmung nach immer wieder symbolisch davonfliegen, um sie wenig später wieder vor Ort auftauchen zu lassen. Seine Videoprojektion läßt uns Raum und Zeit vergessen, versetzt uns gar zurück in eine geschichtliche Phase der Braubachstraße, die noch voll von Geschichten, Erzählungen und Erinnerungen war.

ROLF LAUTER, LEUCHTSPUR - KULTURMEILE BRAUBACHSTRASSE, KATALOG_9, FRANKFURT 2002

Karin Hoerler

In einem leerstehenden Frisörladen auf der Bethmannstrasse hat Karin Hoerler einige ihrer Leuchtkästen installiert, die den Obertitel ”Fata Morgana” tragen. Ursprünglich einmal Postkartenmotive sind die hinterleuchteten Diacollagen nun zu eingefrorenen Bildern unserer Wahrnehmung transformiert und umschreiben sinnbildhaft die natürlichen und bildnerischen Gesetze der Symmetrie.

ROLF LAUTER, LEUCHTSPUR - KULTURMEILE BRAUBACHSTRASSE, KATALOG_10, FRANKFURT 2002

Rebecca Horn

Rebecca Horn schuf hier mit ihrer Arbeit ”Straußenkino” eine poetische Paraphrase auf die generativen Prinzipien von Ordnung und Unordnung, Licht und Schatten, Yin und Yang.

ROLF LAUTER, LEUCHTSPUR - KULTURMEILE BRAUBACHSTRASSE, KATALOG_11, FRANKFURT 2002

Index Architekten

Index Architekten transformierten die Verbindungsbrücke zwischen den Rathausbauten Nord und Süd lichttechnisch mit einer schalenartigen Unterkonstruktion, von deren Oberfläche aus sich eine helle Lichtmasse über die architektonischen Bauglieder und ihre Atlantenfiguren kissenartig ergießt.

ROLF LAUTER, LEUCHTSPUR - KULTURMEILE BRAUBACHSTRASSE, KATALOG_12, FRANKFURT 2002

ROLF LAUTER, LEUCHTSPUR - INDEX ARCHITEKTEN, KULTURMEILE BRAUBACHSTRASSE, FRANKFURT 2002

Joseph Kosuth

Joseph Kosuth schuf mit seiner Neoninstallation, die ein Zitat nach einem Text von Walter Banjamin zur Wahrnehmung von Architektur enthält, ein Werk, das allein auf sich selbst und den in ihm beschriebenen Inhalt verweist.

 

Thomas Lüer

Am östlichen Teil der Kulturmeile beginnt die Ausstellung im ersten Stock des ”Grünen Hochhauses” im Atelier des Architekten Andreas Keller mit einer Videoprojektion von Thomas Lüer. ”Broadway” führt uns die Schattenrisse von zwei Personen vor Augen, die über einen längeren Zeitraum immer wieder die gleichen Handlungen vollziehen. Unser Blick wird zur voyeuristischen Beobachtung einer nachgestellten privaten Arbeitswelt.


ROLF LAUTER, LEUCHTSPUR - KULTURMEILE BRAUBACHSTRASSE, KATALOG_14, FRANKFURT 2002

Sandra Mann

Sandra Manns Installation aus Discokugeln und der Klangkulisse, die sie während der Eröffnung aufnahm, entführt uns in einen zeitlosen Lichtraum.

ROLF LAUTER, LEUCHTSPUR - KULTURMEILE BRAUBACHSTRASSE, KATALOG_15, FRANKFURT 2002

 

Gabriele Muschel

Betritt man das Alte Hauptzollamt gegenüber dem Museum für Moderne Kunst, so taucht man sogleich hinter dem Eingang in die teils faszinierende, teils brutale Welt der kontrastreichen Natur Afrikas ein. Gabriele Muschel hat von einer ihrer Reisen in die von der Zivilisation bisher unberührten Gebiete Tanzanias Fotografien mitgebracht, die die Verschiebung unserer Wahrnehmung in Bezug auf die Vorgänge in der extrem trockenen Savanne und dem unerträglich feuchten Tropenwald sowie das hier noch existierende symbiotische Zusammenleben zwischen Flora und Fauna verdeutlichen.

ROLF LAUTER, LEUCHTSPUR - KULTURMEILE BRAUBACHSTRASSE, KATALOG_16, FRANKFURT 2002

Jaume Plensa

Für den Innenhof der Bethmann Bank wählte Jaume Plensa eine Lichtplastik, die einen Ort beschreibt. Ein stehender Glasquader, dem an einer Seite eine Tür angefügt ist, leuchtet von innen heraus in unterschiedlichen Farben, gleich einem pulsierenden Energieträger, einem lebendigen Organismus.

Tim Otto Roth

Tim Otto Roth experimentierte mit dem lichtempfindlichen Videochip seiner Videokamera und schuf dadurch photogrammartige Videoprojektionen, die in architektonischen Innenräumen sehr komplexe abstrakte Bildwelten vor Augen führen.

ROLF LAUTER, LEUCHTSPUR - KULTURMEILE BRAUBACHSTRASSE, KATALOG_18, FRANKFURT 2002

SATIS & FY

Das Lampengeschäft ”Salzner Leuchten” wird für die Zeit der Ausstellung zu einer magisch irrealen Welt von scheinbar zum Leben erweckten Leuchten. Der an den Schaufenstern vorbeigehende Passant sieht sich plötzlich und unvorbereitet einer interaktiven Dialogsituation mit eigentlich ’leblosen’ Gegenständen gegenüber. Je nachdem, in welche Richtungen sich ein Passant bewegt, beginnen verschiedene Leuchtkörper im Geschäft ein Leuchtorchester, verbunden mit leichten akustischen Klängen. Der Passant wird so spielerisch zu einem aktiven Dialogpartner der Lampen-Licht-Installation.

ROLF LAUTER, LEUCHTSPUR - KULTURMEILE BRAUBACHSTRASSE, KATALOG_19, FRANKFURT 2002

 

Susa Templin

Susa Templins Diaprojektion ”Landscaping”, die an der Glasfassade im Erdgeschoß des Technischen Rathauses zu sehen ist, umschreibt in ironisch-romantischer Weise die Sehnsucht des Menschen nach der Natur im zivilisatorischen Alltag.

 

James Turrell

James Turrell hat für das MMK im Februar 2002 eine architekturumspannende Licht-Installation konzipiert, mit der das Gebäude in der Nacht zu einem ”Lichtorganismus” wird, der im Wechselspiel von Rot, Blau und Grün atmet.

 

Dirk Vollenbroich

Dirk Vollenbroich kombinierte innerhalb der Gebäudetrakte des Technischen Rathauses an der Fassade Braubachstraße eine aleatorisch aufgebaute Lichtkomposition aus Stroboskopblitzen, während die Fassade zum Römerberg hin gleichzeitig mit Hilfe der in den Büros vorhandenen Computerbildschirmen in farbiges Licht getaucht wird.

ROLF LAUTER, LEUCHTSPUR - KULTURMEILE BRAUBACHSTRASSE, KATALOG_22, FRANKFURT 2002


ROLF LAUTER, LEUCHTSPUR - DIRK VOLLENBROICH, KULTURMEILE BRAUBACHSTRASSE, FRANKFURT 2002

 

Achim Wollscheid

Achim Wollscheid überträgt mit Hilfe eines elektronischen Programms zur Klangverarbeitung Umweltgeräusche an der 50er Jahre-Fassade des Frankfurter Rathauses in geometrische Lichtfiguren.

ROLF LAUTER, LEUCHTSPUR - KULTURMEILE BRAUBACHSTRASSE, KATALOG_23, FRANKFURT 2002

 

Dr. Rolf Lauter

Rede zur Eröffnung der Ausstellung

Leuchtspur

Eine Sonderausstellung entlang der Kulturmeile Braubachstraße,  14. April bis 31. August 2002

Rathaus Römer, Frankfurt am Main 

 

Liebe Frau Oberbürgermeisterin,

meine sehr verehrten Damen und Herren,

das Projekt “Leuchtspur”, das unter ihrer Schirmherrschaft – verehrte Frau Roth – steht, geht auf den Wunsch zurück, das Phänomen ‘Licht’ unter verschiedenen inhaltlichen Aspekten und gestalterischen Möglichkeiten sowohl im Kontext musealer oder anderer architektonischer Innenräume, als auch im Zusammenhang mit Orten des öffentlichen Raums erfahrbar werden zu lassen. Um dieses Ziel zu erreichen, wurden 18 Künstler, Architekten und Lichtdesigner gebeten, Konzepte für Licht-Installationen in Innen- oder Außenräumen von Gebäuden sowie an unterschiedlichen Standorten entlang der ”Kulturmeile Braubachstrasse” zu entwickeln.

Mit “Leuchtspur” verfolgen wir darüber hinaus zwei Aspekte der Stadtgestaltung und Stadtentwicklung: Zum einen wollen wir durch die teils herausfordernden, teils kommunikativen oder bisweilen erst auf den zweiten Blick wahrnehmbaren Lichtgestaltungen verschiedene ’Angebote’ für mögliche ästhetische Eingriffe in den öffentlichen Raum thematisieren, zum anderen steht dahinter auch der Gedanke, ein bestimmtes städtisches Areal besonders in den Abendstunden mit mehr Licht und Leben zu erfüllen und damit attraktiver zu machen. Insgesamt möchten wir so der zukünftigen “Kulturmeile Frankfurt” neue stadtgestalterische Impulse verleihen, damit diese, für die Stadt so wichtige zentrale Lebens- und Verkehrsader, wieder neu oder anders erfahrbar wird.

“Leuchtspur” ist als eine Art ‘Ausstellungsparcours’ aufgebaut, der dem ’Fluß’ der mehrfach geschwungenen Braubachstraße folgt. Von Osten, beginnend mit dem ”Grünen Hochhaus”, an der Ecke Braubachstrasse/Fahrgasse, bis zum Westen, dessen Endpunkt von der historischen Architektur des Karmeliterklosters gebildet wird, und zwar am Übergang Bethmannstrasse/Weißfrauenstrasse, reihen sich in lockerer Verteilung 18 ortsspezifische Licht-Installationen aneinander. Entlang der ”Kulturmeile” wurden so ‘Spuren des Lichts’ gelegt, womit wir das kulturelle Angebot in der Innenstadt vor allem an den Abenden im Frühjahr und Sommer verbessern und den Menschen damit mehr Möglichkeiten zum Flanieren, Schauen, Nachdenken, Verweilen und Kommunizieren bieten wollen. An allen Abenden von heute bis zum 31. August werden die Licht-Installationen jeweils von 20.00 bis 24.00 Uhr zum Leben erweckt, um sich dann wieder für die Dauer von 20 Stunden während der späteren Nacht und am Tag hinter dem gewohnten Alltagsgeschehen zu verbergen.

Am östlichen Teil der Kulturmeile beginnt die Ausstellung im ersten Stock des ”Grünen Hochhauses” im Atelier des Architekten Andreas Keller mit einer Videoprojektion von Thomas Lüer. “Broadway” führt uns die Schattenrisse von zwei Personen vor Augen, die über einen längeren Zeitraum immer wieder die gleichen Handlungen vollziehen. Unser Blick wird zur voyeuristischen Beobachtung einer in vergrößerten Proportionen nachgestellten privaten Arbeitswelt.

Das Lampengeschäft ”Salzner Leuchten” wird für die Zeit der Ausstellung zu einer magisch irrealen Welt von scheinbar zum Leben erweckten Leuchten. Der an den Schaufenstern vorbeigehende Passant sieht sich plötzlich und unvorbereitet einer interaktiven Dialogsituation mit zunächst ’leblosen’ Gegenständen gegenüber, die ihn beim Vorbeigehen plötzlich und unvorbereitet in ein virtuelles Gespräch aus Lichtsprachen und Klangformen hineinziehen.

James Turrell hat für das MMK nach einer zweijährigen Vorbereitungszeit im Februar 2002 eine architekturumspannende Licht-Installation konzipiert, mit der das Gebäude hinter seinen Glasfassaden in der Nacht zu einem ”Lichtorganismus” werden wird, der im Wechselspiel von Rot, Blau und Grün atmet. Diese spektakuläre Arbeit konnte aufgrund eines politischen Diskussionsbedarfs über die finanziellen Mittel leider nicht rechtzeitig realisiert werden, was aber nun geklärt ist. Wir wünschen uns nun eine rasche Umsetzung des Projektes, um den Menschen dieser Stadt bereits ab Frühsommer allabendlich das faszinierende Zusammenspiel von Licht und Architektur vor Augen führen zu können.

Das Alte Hauptzollamt, schräg gegenüber vom MMK, dient dem Projekt als zentraler Ausstellungsort, an dem auch das Begleitheft und später der Katalog erhältlich sind. Betritt man dieses, so taucht man sogleich hinter dem Eingang in die teils faszinierende, teils brutale Welt der kontrastreichen Natur Afrikas ein. Gabriele Muschel hat von einer ihrer Reisen in die von der Zivilisation bisher unberührten Gebiete Tanzanias Fotografien mitgebracht. Diese verdeutlichen in vielfältiger Weise die Verschiebung unserer von der Zivilisation geprägten Wahrnehmung in Bezug auf das hier noch existierende symbiotische Zusammenleben zwischen Flora und Fauna etwa in der trockenen Savanne und dem feuchten Tropenwald.

Rebecca Horn formulierte in einem abgeschiedenen kleinen Raum mit ihrer Arbeit ”Straußenkino” eine poetische Paraphrase über die generativen Prinzipien von Ordnung und Unordnung, Licht und Schatten, Yin und Yang. Man kann ihrer lyrischen Arbeit stundenlang zusehen und sich dabei in ihr teilweise verlieren.

Sandra Manns gegenüberliegende Installation aus Discokugeln und einer Klangkulisse, die sie während der Ausstellungseröffnung heute abend aufnehmen wird, versetzt uns in einen scheinbar zeitlosen Lichtraum, der das Individuum zum Beobachter seiner eigenen Wahrnehmung sowie von Reaktionen anderer Menschen werden lässt. Die künstlich-kosmische Lichtwelt fängt uns dabei immer stärker in ihren Bann ein.

Dan Flavin überstrahlt mit seiner minimalistischen Licht-Installation aus weißem Neonlicht, die Sie in der großen Halle des Hauptzollamtes erwartet, das Wahrnehmungsfeld des Betrachters derart, daß dieser zunächst eine sinnlich-aggressive Qualität des Lichts verspürt. Nach einer Gewöhnungszeit beginnt er dann aber, sich intensiv mit den Prinzipien einer gehäuften Lichtverdichtung aus seriellen Lichtelementen auseinanderzusetzen. Licht wird hier als eine eminent räumliche und zeitliche Kategorie erfahrbar und entführt uns in eine Metawelt von Sinnlichkeit.

Urs Breitenstein, der in der Ausstellung mit zwei Arbeiten vertreten ist, projiziert auf ein Fenster des Auktionshauses Döbritz mit einer Dia-Endlos-projektion insgesamt 81 Zitate aus der Londoner Zeitung ”Daily Mail”, die uns Besonderheiten der englischen Sprache vorführen. Worte und Textzeilen schwingen im öffentlichen Raum zwischen Architekturen und werden von den Passanten bruchstückhaft als Bausteine von Kommunikation aufgegriffen.

Dirk Vollenbroich kombinierte innerhalb der drei Gebäudetrakte des Technischen Rathauses – dem roten, gelben und blauen Turm – entlang der Braubachstraße eine aleatorisch aufgebaute Lichtkomposition aus Stroboskopblitzen, während die Verwaltungsräume in den Gebäudekomplexen zum Römerberg hin gleichzeitig mit Hilfe der in den Büros vorhandenen Computerbildschirmen rhythmisch in verschiedenfarbiges Licht eintauchen läßt.

Sebastian Fleiter läßt zwei Schwäne mit einer Video-Ton-Installation in einem Lüftungsschacht des Technischen Rathauses ihrer Bestimmung nach symbolisch davonfliegen, um sie wenig später wieder vor Ort auftauchen zu lassen. Sein “Schwanengesang”, der auf eine interessante Anekdote aus dem mittleren 19. Jahrhundert zurückgeht, läßt uns Raum und Zeit vergessen, versetzt uns zurück in eine geschichtliche Phase der Braubachstraße, die noch voll von Erzählungen war.

Joseph Kosuth schuf mit seiner Neoninstallation, die ein Zitat nach einem Text von Walter Benjamin zur Wahrnehmung von Architektur enthält, ein Werk, das allein auf sich selbst und den in ihm beschriebenen Inhalt verweist. Wir kennen diese Arbeit, die mit der Ausstellung wieder neu aktualisiert wird, seit über 10 Jahren. Damals war sie Teil der ersten von mir realisierten Ausstellung im Zentrum der Stadt. Der öffentliche Raum und seine Architektur dienen Kosuth als Sprachkörper, über die der Künstler mit Hilfe des leuchtenden Textes nachdenkt.

Susa Templins ”Landscaping” ist eine Dia-Klang-Installation, die an der Glasfassade im Erdgeschoß des Technischen Rathauses zu sehen ist. Sie umschreibt in ironisch-romantischer Weise die Sehnsucht des Menschen nach mehr Natur im zivilisatorischen Alltag. Künstlich erzeugte Klangelemente unterstützen das Entfremdungs- gefühl des vorbeilaufenden Passanten in seinem gewohnten Areal noch zusätzlich.

Achim Wollscheid übertrug mit Hilfe eines elektronischen Programms zur Klangverarbeitung Umweltgeräusche auf der nördlichen Fassade des Frankfurter Rathauses zu kontinuierlich wechselnden Lichtfiguren aus geometrischen Formen.

Tim Otto Roth experimentierte mit dem lichtempfindlichen Videochip seiner Videokamera und schuf für den Brückenbau am südlichen Rathaus photogrammartige Videoprojektionen, die dem Betrachter an der Glasfassade sehr komplexe abstrakte Bildwelten vor Augen führen.

Ulrich Exner von Index Architekten transformierte die ”Seufzerbrücke” zwischen den Rathausbauten Nord und Süd am Übergang Braubach-strasse/Bethmannstrasse lichttechnisch mit einer schalenartigen Unterkonstruktion, sodaß ihre architektonischen Bauglieder und die sie tragenden Atlantenfiguren aus der nächtlichen Dunkelheit herausscheinen.

Für den Innenhof der Bethmann Bank wählte Jaume Plensa, der gestern Abend aus Barcelona angekommen ist, eine Lichtplastik, die einen ’anderen’ Ort beschreibt. Ein stehender Glasquader, der an einer Seite mit einer Tür versehen ist, leuchtet von innen heraus rhythmisch wechselnd in 8 unterschiedlichen Farben, gleich einem lebendigen Organismus.

In einem leerstehenden Frisörladen auf der Bethmannstrasse hat Karin Hoerler einige ihrer Leuchtkästen installiert, die zu der Serie ”Fata Morgana” gehören. Ursprünglich einmal Postkartenmotive sind die hinterleuchteten Diacollagen nun zu eingefrorenen Bildern unserer Wahrnehmung transformiert und umschreiben sinnbildhaft die natürlichen und bildnerischen Gesetze der Symmetrie.

Am Ende des Ausstellungsparcours hängen über dem ”Eintracht Shop” die fünf kreisrunden Leuchtkästen von Urs Breitenstein mit dem Titel ”Haupt und Glieder”. Die fünf Signetmotive, entnommen aus Tageszeitungen, paraphrasieren die Themen der Fragmentierung und Struktur von Teilen, die sich – gleichgültig in welcher Kombination – wieder zu einem neuen Zusammenhang fügen.

Von ihm stammt auch eine Lichtinstallation, die im Schaufenster des Mainova Service Center auf der Zwischenebene der Hauptwache vom 14. April bis 31. Mai ebenfalls im Rahmen des Projektes zu sehen ist.

Meine Damen und Herren: Ich möchte mich nun zuallererst bei den Künstlern, von denen heute fast alle anwesend sind, für ihr bereitwilliges Engagement, ihre großzügige Dialogbereitschaft und ihren oft kraftaufwendigen Einsatz sehr herzlich bedanken. Viele Begehungen vor Ort, Gespräche und Relativierungen von Wünschen haben erst zum Erfolg dieses Projektes beigetragen. Dank ihrer Bereitwilligkeit zur kreativen Auseinandersetzung wurde die Ausstellung für uns alle zu einer äußerst intensiven Erfahrung und einer positiven Entdeckung von wertvollen Menschen und künstlerischen Ideen.

Das Projekt wäre selbstverständlich ohne die großzügige finanzielle Unterstützung von Freunden, Förderern, Stiftern und Unternehmen nicht realisierbar gewesen. Bei der Suche nach entsprechenden Unterstützern hatten wir zwei Ziele im Auge: Das erste bestand darin, für die jeweiligen Künstler, Architekten und Lichtdesigner geeignete ’Paten’ zu finden, die die oft sehr komplizierten und aufwendigen Installationen der Werke finanzieren könnten. Mit dem zweiten wollten wir zusätzliche Förderer gewinnen, die uns bei der Finanzierung des Kataloges, der Broschüre, des Plakates und der weiteren Öffentlichkeitsarbeit helfen würden. Glücklicherweise haben wir in Bezug auf beide Ziele einige Unterstützer gefunden. Hier gilt wieder einmal mein besonderer Dank einem ’kleinen’ aber sehr treuen ’Freundeskreis’, der sich auch dieses Mal die Aufgabe gestellt hat, diese außergewöhnliche Sonderausstellung mit vereinten Kräften zu unterstützen.

Ich danke sehr herzlich:

Biserka und Michael Baum

Ulrike Crespo

Ardi Goldmann

Axel Haas

Ali und Kurt Kressin

sowie Claudia und Michael Loulakis.

Zusätzliche Förderung wurde uns zuteil von folgenden Unternehmen und Spendern:

AV Service und Medientechnik, Herrn Volker Maile

Der Bethmann Bank und besonders Carola von Moltke,

Georg Freiherr von Boeselager, dem Finanzdirektor des Bischöflichen Ordinariats von Limburg,

der Firma Blue Valley, the music company

der Fraport AG und ihren Vorstandsmitgliedern

Dr. Wilhelm Bender und Johannes Endler

der Harald Quand Holding und Herrn Axel May

Herrn Matthias Hühne und Achim Landgraf von Hühne Immobilien GmbH,

JP Morgan und dem Vorstandschef Rainer Gebbe

Jürgen Wann von der Mainova AG,

Friedrich von Metzler vom Bankhaus Metzler seel. Sohn & Co.

Nico Ubenauf und dem professionellen Team von Satis & Fy,

Herrn Dr. Wolfgang Singer von der Stadtwerke Frankurt am Main Holding GmbH,

Tomaz Turk von Turk Industriedesign,

Dr. Jörg Mittelsten Scheid von Vorwerk & Co.,

sowie der Wohnbau Rhein-Main AG.

Allen Leihgebern und Unterstützern der Ausstellung, das heißt vor allem den Künstlern sowie der Galerie Bärbel Grässlin Frankfurt und der Galerie Scheffel Bad Homburg, möchte ich ganz herzlich für ihre Hilfe danken.

Für weitere Unterstützung danken wir dem Auktionshaus Döbritz, Joachim Garthe vom Eintracht Shop, Artur Falk, Alfred Gangel, Andreas Janik, Andreas Keller, Udo Klemm, Claus Menzel, Gunnar Milberg, Klaus Neumann, Dr. Volker Rödel, Salzner Leuchtenladen, Nikolaus Schafhausen, Christian Scheffel, Stadtrat Edwin Schwarz, Prof. Dr. Felix Semmelroth, Studio James Turrell, Bürgermeister Achim Vandreike, Herrn Blähr und Herrn Hutschenreiter von der VGF, Gabriele Weber, Bernd Weiß, das Werk, Mathias Wilhelm, Frau Schneider und Frau Wolf von der Mainova sowie allen Angestellten, Beamten und Arbeitern der Stadt Frankfurt, die das Projekt nicht boykottiert, sondern freundlich unterstützt haben.

Zum Schluß möchte ich meinem exzellenten Ausstellungsteam einen herzlichen Dank für den besonders engagierten und positiven Einsatz aussprechen. Viele von ihm sind, da sie oft wenig Unterstützung von außen bekommen haben, bis an die Grenzen ihrer Belastbarkeit gegangen, haben aber immer die Künstler, die Kunstwerke und die Stadt als einen Kulturraum begriffen, für den es sich lohnt, Einsatz zu bringen. Mein besonderer Dank gilt zuallererst Nadine Pohl-Schneider, die die Organisation des Projektes meisterhaft geleistet hat. Ihr haben Arnika Müll und Bernd Reiß in vielen Bereichen zur Seite gestanden.

Austellungsarchitektur, Auf- und Abbau sowie Technik und konservatorische Betreuung waren bei Michael Schneider, Martin Kurz, Thomas Lüer, Markus Berger, Uwe Buhrdorf und Giancarlo Rossano in sehr guten Händen. Ihnen sowie Rainer Hahnenfeld, Andreas Janik, Hussein Mobark, Klaus Neumann, Peter Weyrich gilt mein herzlicher Dank für den sehr persönlichen Einsatz.

Für die hervorragende Grafik bei der Gestaltung des Begleitheftes und des im Mai erscheinenden Kataloges möchte ich mich bei Angelika Watzl von unigraph Frankfurt bedanken. Andreas Hofem von Hofem Marketing Weiterstadt bin ich für die professionelle Hilfe bei der Umsetzung der Publikationen sehr verbunden. Peter Loewy danke ich für seine die Ausstellung dokumentierenden, sensiblen Fotografien.

Zum Schluß wünsche ich mir, daß Sie, liebe Besucher, Flaneure, Passanten und Touristen dieses für mich außergewöhnlich bereichernde Ausstellungsprojekt mit dem gleichen Genuß besuchen, sehen und erleben, wie dies den Künstlern und mir ebenfalls vergönnt war und ist.

Rolf Lauter

 

Presse Information zur Eröffnung der Ausstellung

Leuchtspur

Eine Sonderausstellung entlang der Kulturmeile Braubachstraße,  14. April bis 31. August 2002

Rathaus Römer, Frankfurt am Main 

Im Zusammenhang mit der städteplanerischen Aufwertung der Braubachstraße zu einer Kulturmeile, die im April 2002 durch erste Baumaßnahmen eingeleitet wird, organisiert die „Koordinationsstelle für kulturelle Sonderprojekte der Stadt Frankfurt am Main“ für dieses Areal eine Ausstellung mit dem Titel Leuchtspur.

18 Künstler, Architekten und Lichtdesigner aus dem In- und Ausland zeigen in der Zeit vom 14. April bis 31. August 2002 an ausgewählten Standorten in Innen- und Außenräumen auf der Kulturmeile raumbezogene Installationen, die sich unter verschiedenen Aspekten mit inhaltlichen Fragen und gestalterischen Möglichkeiten des Lichts auseinandersetzen.

Mit den 18 Lichtinstallationen, die an Orten und Gebäuden zwischen dem Dominikanerkloster im Osten und dem Karmeliterkloster im Westen der Braubachstraße zu sehen sein werden, wollen wir die historisch gewachsenen Zusammenhänge der Frankfurter Innenstadt als Resonanzraum für künstlerische Prozesse aktualisieren und ästhetisch neu erfahrbar werden lassen.

Die an dem Projekt beteiligten Künstler, Architekten und Lichtdesigner sind:

Urs Breitenstein (Frankfurt), Dan Flavin (†), Sebastian Fleiter (Kassel), Hahnenfeld Architekten (Frankfurt / Berlin), Karin Hoerler (Frankfurt), Rebecca Horn (Berlin), Index Architekten (Frankfurt), Joseph Kosuth (New York), Thomas Lüer (Frankfurt), Sandra Mann (Frankfurt), Gabriele Muschel (Frankfurt), Jaume Plensa (Barcelona), Tim Otto Roth (Kassel), Satis&Fy / Nico Ubenauf (Frankfurt), Susa Templin (New York), James Turrell (Flagstaff, Arizona), Dirk Vollenbroich (Münster) und Achim Wollscheid (Frankfurt)

Leuchtspur wird mit der Messe Light + Building (14. bis 18. April 2002) eröffnet und ergänzt das von der Messe Frankfurt initiierte Projekt Luminale um einen wichtigen Akzent.

Zur Ausstellung, die während der Ende Mai beginnenden Manifesta in Frankfurt am Main und zur 11. Documenta in Kassel zu sehen ist, erwarten wir ein reges Besucherinteresse, das die Kulturmeile vor allem auch in den Abendstunden stärker beleben wird.

Neben den bereits in den Bereichen Braubachstraße, Dom und Römerberg vorhandenen gastronomischen Einrichtungen wird sich eine zur Ausstellung neu eröffnete Künstlerbar als ein zusätzlicher Ort der Kommunikation anbieten.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Koordinationsbüro:                                                                          Pressestelle:

Dr. Rolf Lauter                                                                                    Nadine Pohl-Schneider

Museum für Moderne Kunst                                                          Museum für Moderne Kunst

Domstraße 10                                                                                       Domstraße 10

60311 Frankfurt am Main                                                                60311 Frankfurt am Main

Tel. +49 69 212 33812                                                                        Tel. +49 69 212 37953

Fax +49 69 212 37882                                                                        Fax +49 69 212 37882

 

Dr. Rolf Lauter

Katalogvorwort zur Ausstellung

Leuchtspur

Kulturmeile Braubachstrasse, Frankfurt am Main 14.4. – 31.8.2002

Die Ausstellung ”Leuchtspur“, die unter der Schirmherrschaft der Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth steht, geht auf den Wunsch zurück, das Phänomen ’Licht’ unter verschiedenen inhaltlichen Aspekten und gestalterischen Möglichkeiten sowohl im Kontext musealer oder anderer architektonischer Innenräume, als auch im Zusammenhang mit Orten des öffentlichen Raums wahrnehmungsästhetisch erlebbar zu machen. Um dieses Ziel zu erreichen, wurden 18 Künstler, Architekten und Lichtdesigner gebeten, Konzepte für Licht-Installationen in Innen- oder Außenräumen von Gebäuden sowie an Standorten im öffentlichen Raum zu entwickeln.

Mit ”Leuchtspur” verfolgen wir darüber hinaus zwei Aspekte der Stadtgestaltung und Stadtentwicklung: Zum einen wollen wir durch die ästhetisch teils herausfordernden, teils kommunikativen oder bisweilen erst auf den zweiten Blick wahrnehmbaren Lichtgestaltungen verschiedene ’Angebote’ für mögliche ästhetische Eingriffe im öffentlichen Raum thematisieren, zum anderen steht dahinter auch der Gedanke, ein städtisches Areal, das von seiner historischen Substanz her gut, von der Verteilung der Nutzungen aber einseitig und anti-urban besetzt ist, besonders in den Abendstunden mit mehr Licht und Leben zu erfüllen und damit attraktiver machen. Insgesamt möchten wir so der ”Kulturmeile Frankfurt” neue stadtgestalterische Impulse verleihen, damit diese für die Stadt so wichtige zentrale Lebens- und Verkehrsader an sich, wieder neu oder anders erfahrbar wird.

”Leuchtspur” ist als eine Art ’Ausstellungsparcours’ aufgebaut, der dem ’Fluß’ der mehrfach geschwungenen Braubachstrasse und damit der alten Braubach folgt. Von Osten, beginnend mit dem ”Grünen Hochhaus” an der Spitze des Museums für Moderne Kunst (Ecke Braubachstrasse/Fahrgasse) bis zum Westen, dessen Endpunkt von der historischen Architektur des Karmeliterklosters gebildet wird (Übergang Bethmannstrasse / Weißfrauenstrasse) reihen sich in aleatorischer Verteilung 18 ortsspezifische Licht-Installationen aneinander. Entlang der ”Kulturmeile” wurden so ”Spuren des Lichts” gelegt, die das kulturelle Angebot in der Innenstadt vor allem an den Abenden im Frühjahr und Sommer verbessern und den Menschen damit mehr Möglichkeiten zum Flanieren, Schauen, Nachdenken, Verweilen und Kommunizieren bieten. An allen Abenden zwischen dem 14. April und 31. August 2002 werden die Licht-Installationen jeweils von 20.00 bis 24.00 Uhr zum Leben erweckt, um sich dann wieder für die Dauer von 20 Stunden während der tiefen Nacht und am Tag hinter dem Alltagsgeschehen zu verbergen.

Die einzelnen Kunstwerke artikulieren in Bezug auf ihre ästhetische Wirkung etwa die einfache topografische Behauptung eines Ortes, die subtile Einbindung von Lichtphänomenen in räumliche und zeitliche Strukturen von Museums-, Büro- und Verwaltungsgebäuden, die paraphrasierende Faszination künstlicher Lichtorganismen, die poetische Umschreibung kosmischer Polaritäten von Licht und Schatten, die objekthafte oder in eine Fläche komponierte variable Struktur von Lichtfarben und Lichtfiguren, sich in Leuchtkästen manifestierende abbildhafte oder bildhafte Welten, sich in leuchtenden Texten selbst erklärende Werkformen, die ironisch–romantische Thematisierung der Bereiche Natur und Zivilisation, die kontextuelle Beziehungseinheit aus Werk und Umraum oder die spielerisch-interaktive Erzählung von Leuchtkörpern in ihrem alltäglichen Umfeld des Konsums. Alle künstlerischen Werke oder ästhetischen Situationen orchestrieren für etwas länger als vier Monate auf der ”Kulturmeile Frankfurt” verschiedene Licht- oder Licht-Klang-Kompositionen in individuellen räumlichen und zeitlichen Strukturen.

Am östlichen Teil der Kulturmeile beginnt die Ausstellung im ersten Stock des ”Grünen Hochhauses” im Atelier des Architekten Andreas Keller mit einer Videoprojektion von Thomas Lüer. ”Broadway” führt uns die Schattenrisse von zwei Personen vor Augen, die über einen längeren Zeitraum immer wieder die gleichen Handlungen vollziehen. Unser Blick wird zur voyeuristischen Beobachtung einer nachgestellten privaten Arbeitswelt.

Das Lampengeschäft ”Salzner Leuchten” wird für die Zeit der Ausstellung zu einer magisch irrealen Welt von scheinbar zum Leben erweckten Leuchten. Der an den Schaufenstern vorbeigehende Passant sieht sich plötzlich und unvorbereitet einer interaktiven Dialogsituation mit eigentlich ’leblosen’ Gegenständen gegenüber.

James Turrell hat für das MMK im Februar 2002 eine architekturumspannende Licht-Installation konzipiert, mit der das Gebäude in der Nacht zu einem ”Lichtorganismus” wird, der im Wechselspiel von Rot, Blau und Grün atmet.

Betritt man das Alte Hauptzollamt gegenüber dem Museum für Moderne Kunst, so taucht man sogleich hinter dem Eingang in die teils faszinierende, teils brutale Welt der kontrastreichen Natur Afrikas ein. Gabriele Muschel hat von einer ihrer Reisen in die von der Zivilisation bisher unberührten Gebiete Tanzanias Fotografien mitgebracht, die die Verschiebung unserer Wahrnehmung in Bezug auf die Vorgänge in der extrem trockenen Savanne und dem unerträglich feuchten Tropenwald sowie das hier noch existierende symbiotische Zusammenleben zwischen Flora und Fauna verdeutlichen.

Rebecca Horn schuf hier mit ihrer Arbeit ”Straußenkino” eine poetische Paraphrase auf die generativen Prinzipien von Ordnung und Unordnung, Licht und Schatten, Yin und Yang.

Sandra Manns Installation aus Discokugeln und der Klangkulisse, die sie während der Eröffnung aufnahm, entführt uns in einen zeitlosen Lichtraum.

Dan Flavin überstrahlt mit seiner minimalistischen Licht-Installation aus kaltweißem Neonlicht in der großen Ausstellungshalle das Wahrnehmungsfeld des Betrachters derart, daß dieser zunächst die sinnlich-aggressive Qualität des Lichts verspürt, sich nach einer Gewöhnungszeit dann aber intensiver mit den Prinzipien einer akkumulativen Lichtverdichtung aus seriellen Lichtelementen auseinandersetzt.

Urs Breitenstein, der in der Ausstellung mit zwei Arbeiten vertreten ist, projizierte auf ein Fenster des Auktionshauses Döbritz in einer Dia-Endlosprojektion insgesamt 81 Zitate aus der Londoner Zeitung ”Daily Mail”, die sprachliche Besonderheiten des Englischen thematisieren.

Dirk Vollenbroich kombinierte innerhalb der Gebäudetrakte des Technischen Rathauses an der Fassade Braubachstraße eine aleatorisch aufgebaute Lichtkomposition aus Stroboskopblitzen, während die Fassade zum Römerberg hin gleichzeitig mit Hilfe der in den Büros vorhandenen Computerbildschirmen in farbiges Licht getaucht wird.

Sebastian Fleiter läßt zwei Schwäne auf einer Projektion in einem Lüftungsschacht des Technischen Rathauses ihrer Bestimmung nach immer wieder symbolisch davonfliegen, um sie wenig später wieder vor Ort auftauchen zu lassen. Seine Videoprojektion läßt uns Raum und Zeit vergessen, versetzt uns gar zurück in eine geschichtliche Phase der Braubachstraße, die noch voll von Geschichten, Erzählungen und Erinnerungen war.

Joseph Kosuth schuf mit seiner Neoninstallation, die ein Zitat nach einem Text von Walter Banjamin zur Wahrnehmung von Architektur enthält, ein Werk, das allein auf sich selbst und den in ihm beschriebenen Inhalt verweist.

Susa Templins Diaprojektion ”Landscaping”, die an der Glasfassade im Erdgeschoß des Technischen Rathauses zu sehen ist, umschreibt in ironisch-romantischer Weise die Sehnsucht des Menschen nach der Natur im zivilisatorischen Alltag.

Achim Wollscheid überträgt mit Hilfe eines elektronischen Programms zur Klangverarbeitung Umweltgeräusche an der 50er Jahre-Fassade des Frankfurter Rathauses in geometrische Lichtfiguren.

Tim Otto Roth experimentierte mit dem lichtempfindlichen Videochip seiner Videokamera und schuf dadurch photogrammartige Videoprojektionen, die in architektonischen Innenräumen sehr komplexe abstrakte Bildwelten vor Augen führen.

Index Architekten transformierten die Verbindungsbrücke zwischen den Rathausbauten Nord und Süd lichttechnisch mit einer schalenartigen Unterkonstruktion, von deren Oberfläche aus sich eine helle Lichtmasse über die architektonischen Bauglieder und ihre Atlantenfiguren kissenartig ergießt.

Für den Innenhof der Bethmann Bank wählte Jaume Plensa eine Lichtplastik, die einen Ort beschreibt. Ein stehender Glasquader, dem an einer Seite eine Tür angefügt ist, leuchtet von innen heraus in unterschiedlichen Farben, gleich einem pulsierenden Energieträger, einem lebendigen Organismus.

In einem leerstehenden Frisörladen auf der Bethmannstrasse hat Karin Hoerler einige ihrer Leuchtkästen installiert, die den Obertitel ”Fata Morgana” tragen. Ursprünglich einmal Postkartenmotive sind die hinterleuchteten Diacollagen nun zu eingefrorenen Bildern unserer Wahrnehmung transformiert und umschreiben sinnbildhaft die natürlichen und bildnerischen Gesetze der Symmetrie.

Am Ende des Ausstellungsparcours hängen über dem ”Eintracht Shop” die fünf kreisrunden Leuchtkästen von Urs Breitenstein mit dem Titel ”Haupt und Glieder”. Die fünf Signetmotive, entnommen aus Tageszeitungen, paraphrasieren die Themen der Fragmentierung und Struktur von Teilen, die sich – gleichgültig in welcher Kombination – wieder zu einem neuen Zusammenhang fügen.

Dank

Zuallererst möchte ich den Künstlern für ihr bereitwilliges Engagement, ihre großzügige Dialogbereitschaft und ihren oft sehr kraftaufwendigen Einsatz sehr herzlich danken. Viele Begehungen vor Ort, viele Gespräche und viele Relativierungen von Wünschen haben erst zum Erfolg des Projekts beigetragen. Dank ihrer Bereitwilligkeit zur kreativen Arbeit wurde diese Ausstellung für uns alle zu einer äußerst intensiven Erfahrung und einer positiven Entdeckung von wertvollen Menschen und künstlerischen Ideen.

Das Projekt wäre selbstverständlich ohne die großzügige finanzielle Unterstützung von Freunden, Förderern, Stiftungen und Unternehmen nicht realisierbar gewesen. Bei der Suche nach entsprechenden Unterstützern hatten wir zwei Ziele im Auge: Das erste bestand darin, für die jeweiligen Künstler, Architekten und Lichtdesigner geeignete ’Paten’ zu finden, die die oft sehr komplizierte und aufwendige Installation der Werke finanzieren könnten. Mit dem zweiten wollten wir zusätzliche Förderer gewinnen, die uns bei der Finanzierung des Kataloges, des Informationsheftes, des Plakates und der weiteren Öffentlichkeitsarbeit helfen würden. Glücklicherweise haben wir in bezug auf beide Ziele einige Unterstützer gefunden, die das Projekt in großzügiger Weise gefördert haben. Hier gilt wieder einmal mein besonderer Dank einem ’kleinen’ aber sehr treuen ’Freundeskreis’, der sich auch dieses Mal die Aufgabe gestellt hat, eine derart außergewöhnliche Sonderausstellung mit vereinten Kräften zu unterstützen. Sehr herzlich möchte ich mich in diesem Zusammenhang bedanken bei: Biserka und Michael Baum, Ulrike Crespo, Ardi Goldmann, Axel Haas, Ali und Kurt Kressin, Claudia und Michael Loulakis und Axel May.

Rainer Gebbe von JP Morgan half uns wiederum sehr spontan, um die Realisation einer Installation mit Erfolg zu krönen. Ihm und seinem Unternehmen danken wir ebenso, wie der Firma Hühne Immobilien und ihrem Geschäftsführer Herrn Hühne für die wichtige finanzielle Hilfe. Dem Vorstand der Bethmann Bank Frankfurt und der Leiterin der Marketing-Abteilung Carola-M. von Moltke sind wir für ihre freundliche Hilfe bei der Realisierung der Lichtplastik von Jaume Plensa sehr verbunden. Georg von Boeselager, der Finanzdirektor des Bischöflichen Ordinariats Limburg, hat das Projekt mit kooperativem Wohlwollen gefördert. Tomasz Turk war in Bezug auf die finanzielle und technische Unterstützung des Projektes von großer Hilfe. Der Fraport AG und hier besonders Wilhelm Bender und Johannes Endler gilt unsere Dankbarkeit für ihre freundliche Unterstützung der Installation von James Turrell. Die Mainova AG und die Stadtwerke Frankfurt am Main Holding haben erfreulicherweise, dank der großzügigen Hilfe von Wolfgang Singer, dem Projekt ihre Unterstützung zuerkannt. Die Firma Satis & Fy war in Bezug auf fast alle Licht-Installationen für technischen und finanziellen Beistand von unschätzbarer Hilfe.

Dem Verein der Freunde des Museums für Moderne Kunst Frankfurt am Main e.V. und hier besonders Frau Christina Duve danke ich für die freundliche Verwaltung der Fördermittel.

Die zahlreichen organisatorischen, verwaltungstechnischen und konservatorischen Arbeiten, die eine solche Ausstellung mit sich bringt, konnten selbstverständlich nur mit Hilfe einiger sehr engagierter Kollegen und Mitarbeiter des Museums für Moderne Kunst durchgeführt werden. Hier gilt mein herzlicher Dank zuallererst Nadine Pohl-Schneider für ihre unermüdliche, kompetente und weitsichtige Arbeit bei der der Künstlerbetreuung, der Organisation und dem Sekretariat. Zusammen mit ihr haben Bernd Reiß und Arnika Müll bei der Organisation der Transporte, dem Leihverkehr und der Öffentlichkeitsarbeit wertvolle Hilfe geleistet.

Bei einem solch umfangreichen und organisatorisch aufwendigen Projekt war es dringend notwendig, einen Sonderarchitekten sowie ein Team von Technikern zu beauftragen. Michael Schneider hat die zentralen Arbeiten im Zusammenspiel mit den Künstlern, Technikern und städtischen Verwaltungen hervorragend gemeistert. Gemeinsam mit ihm waren Martin Kurz, der vor allem die Lichttechnik, aber auch die Aufbauarbeiten mitbetreute, Thomas Lüer sowie Uwe Buhrdorf und Markus Berger von Satys & Fy, Giancarlo Rossano in Bezug auf verschiedene Projekte unersetzlich. Rainer Hahnenfeld hat uns wie so oft bei der verwaltungstechnischen und organisatorischen Umsetzung vieler Arbeiten flankierend geholfen. Gleiches gilt für Balser vom Restaurant Steinernes Haus, Torsten Braun, Auktionshaus Döbritz, Joachim Garthe vom Eintracht Shop, Falk, Alfred Gangel, Bärbel Grässlin, Hahnenfeld Architekten, Andreas Janik, Andreas Keller, Klemm, Achim Landgraf, Claus Menzel, Milberg, Klaus Neumann, Rödel, Giancarlo Rossano, Salzner Leuchtenladen, Nikolaus Schafhausen. Stadtrat Edwin Schwarz, Felix Semmelroth, Studio James Turrell, Bürgermeister Achim Vandreike, Herr Blähr und Herr Hutschenreiter von der VGF, Weber, Weiss, das Werk, Wilhelm, Wohnbau Rhein-Main.

Die Konzeption, Redaktion und das Lektorat der Ausstellungsbroschüre und des Kataloges wurden von unigraph hervorragend betreut. Ihr danke Angelika Watzl sehr herzlich für ihren Einsatz bei der Vorbereitung, gestalterischen Umsetzung und Durchführung sämtlicher Drucksachen sowie bei der Abstimmung mit den Künstlern, Autoren und der Druckerei.

Für Fotoarbeiten, die zu den verschiedenen Standorten vor, während und nach Abschluß der Arbeiten mit den Kunstwerken durchzuführen waren danke ich sehr Peter Loewy.

Für die Gesamtherstellung der Drucksachen bin ich Hofem Marketing, Weiterstadt zu Dank verpflichtet.

Mögen die hoffentlich zahlreichen Besucher, Flaneure, Passanten und Touristen dieses für mich außergewöhnlich befruchtende Ausstellungsprojekt mit dem gleichen Genuß besuchen, sehen und erleben, wie mir und uns dies ebenfalls vergönnt war und ist.