MAX BECKMANN, BILDNIS TANNENBAUM, KHMA 2004

Max Beckmann

Bildnis Herbert Tannenbaum (Tannenbaum geht nach New York), 1947

Neuerwerbung Kunsthalle Mannheim 2004 mit Mitteln der Kulturstiftung der Länder, der Kulturstiftung der Bundesrepublik Deutschland, des Förderkreises für die Kunsthalle Mannheim e.V., der MVV Energie AG, der Landesbank Baden-Württemberg, der Wilhelm Müller-Stiftung, der Heinrich-Vetter-Stiftung, der Fuchs Petrolub AG, der Mannheimer Versicherungs AG, der Inter-Versicherung sowie zahlreicher privater Sponsoren

 

Einführung

Max Beckmann, einer der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts, schuf mit dem 1947 gemalten Ölgemälde „Bildnis Herbert Tannenbaum (Tannenbaum geht nach New York)“ das Porträt eines Mannheimer Bürgers, mit dem ihn die Erfahrung der Emigration verband.

Das Bild zeigt die stark angeschnittene Gestalt des Kunsthändlers in Halbfigur vor einem unbestimmten, dunklen Hintergrund. Die Pfeife im Mund, hält er in seiner Rechten einen Bilderrahmen und einen Blumentopf mit einer kleinen Tanne – Hinweis auf seinen Beruf sowie humorvolle Anspielung auf seinen Namen.

Herbert Tannenbaum (1892-1958) war ein außergewöhnlicher Mann. Auf Drängen seines Vaters studierte der gebürtige Mannheimer zunächst Jura, ging aber alsbald seinen zahlreichen musischen Neigungen nach. Sein besonderes Interesse galt dem neuen Medium des Films, dem er 1912 eine erste Theorie widmete. 1914 begann Tannenbaum mit dem Studium der Kunstgeschichte und eröffnete, nachdem er einige Jahre an der Städtischen Kunsthalle in Mannheim als Volontär gearbeitet hatte, 1920 in der Nähe des Wasserturms eine repräsentative Kunsthandlung ein, in der er dem Mannheimer Bürgertum überwiegend moderne Kunst anbot. Dort zeigte er nicht nur Werke zeitgenössischer Künstler, sondern entfaltete auch eine breitgefächerte kunstpädagogische Aktivität, die wesentlich zur Bereicherung des kulturellen Lebens in Mannheim beitragen sollte. Der Kunsthalle vermittelte er u.a. Werke von Marc Chagall, Pablo Picasso oder Auguste Rodin.

Mit dem Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft begannen jedoch die Repressalien: Tannenbaum repräsentierte nicht nur als entartet verfemte Künstler, sondern war auch Jude und sah sich darum 1937 zum Gang ins Exil gezwungen. Im Sommer 1937 sah er sich gezwungen, nach Amsterdam auszuwandern. Der Maler Max Beckmann, dem die Kunsthalle 1928 eine große Einzelausstellung gewidmet hatte, war ebenfalls 1937 vor den Nationalsozialisten nach Amsterdam geflohen. Hier lernten sich der Künstler und der Kunsthändler kennen. Nach der Besetzung Hollands durch deutsche Truppen trafen die beiden sich zunächst nicht mehr. Erst 1945 wurde der Kontakt wieder hergestellt. Beide wanderten schliesslich im Sommer 1947 nach Amerika aus.

Kurz vor der Abreise malte Beckmann Tannenbaums Porträt, ein Bild, dessen Ausdruck wird von seinem schmalen Hochformat bestimmt wird. Der Porträtierte erscheint als Halbfigur, die von den Bildgrenzen beschnitten wird, so daß der Eindruck von Eingesperrtheit entsteht. Unter dem Arm trägt Tannenbaum einen Keilrahmen sowie einen Blumentopf mit einer kleinen Tanne, die als Attribute auf Tätigkeit und Namen des Dargestellten verweisen. Das Wichtige in den Händen, scheint Tannenbaum aus der Enge in die Freiheit zu schreiten  eine Zäsur im Leben des Kunstgelehrten wie des Künstlers, der Tannenbaum über den Atlantik folgen sollte.

Mehr als ein halbes Jahrhundert später sind beide gleichsam nach Mannheim zurückgekehrt, in die Stadt, die engagierten Bürgern wie Herbert Tannenbaum viel verdankt und in der Max Beckmann 1928 in der Mannheimer Kunsthalle seine erste Retrospektive erfuhr. Die Kulturstiftung der Länder unterstützte gemeinsam mit der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie privaten Spendern den Ankauf des Porträts von Herbert Tannenbaum durch die Städtische Kunsthalle Mannheim.

Public Event

 

Begutachtung Kunstwerk