NEUE KUNSTHALLE I: 1. NEUPRÄSENTATION DER SAMMLUNG, KHMA 2003

Die Neue Kunsthalle I – Erste Neupräsentation der Sammlung, Kunsthalle Mannheim 2003

 

ROLF LAUTER, DIE NEUE KUNSTHALLE I - OPENING, KUNSTHALLE MANNHEIM 2003

 

Werke und Installationen von

Mawuli Afatsiawo, Kutlug Ataman, Stephan Balkenhol, Vanessa Beecroft, Joseph Beuys, Oliver Boberg, David Claerbout, Francesco Clemente, Willie Doherty, Andreas Feininger, Peter Fink, Eric Fischl, Dan Flavin, Ralph Gibson, Julio Gonzalez, Francisco de Goya, Robert Häusser, Horst Hamann, Henry (Frères), Rebecca Horn, Axel Hütte, Alex Katz, On Kawara, Clare Langan, Peter Loewy, Sandra Mann, Mario Merz, Bruce Nauman, Shirin Neshat, Arthur Omar, Catherine Opie, Julie Roberts, Martha Rosler, Thomas Ruff, Beat Streuli, Thomas Struth, Hiroshi Sugimoto, Jacques Tardi, Paul Thek, Nasan Tur, James Turrell, Bill Viola, Jeff Wall, Andy Warhol, Reinhart Wolf

im Dialog Werken aus der Sammlung von

Oswald Achenbach, Karl Albiker, Theodor Alt, Alexander Archipenko, Arman, Kenneth Armitage, Hans Arp, Ivan Babij, Francis Bacon, Clive Barker, Ernst Barlach, Willi Baumeister, Max Beckmann, Rudolf Belling, Adolf Bermann Cipri, Carl Blechen, Umberto Boccioni, Arnold Böcklin, Constantin Brancusi, Heinrich Bürkel, Reginald Butler, Mario Ceroli, César, Paul Cézanne, Lynn Chadwick, Eduardo Chillida, Giorgio de Chirico, Johan Christian Clausen Dahl, Lovis Corinth, Camille Corot, Gustave Courbet, Thomas Couture, Tony Cragg, Fritz Cremer, Honoré Daumier, Edgar Degas, Fritz Dehof, Eugène Delacroix, Robert Delaunay, André Derain, Charles Despiau, Otto Dix, Eberhard Eckerle, Benno Elkan, James Ensor, Max Ernst, Jean Fautrier, Lyonel Feininger, Anselm Feuerbach, Günter Förg, Ruth Francken, Otto Freundlich, Caspar David Friedrich, Joseph von Führich, Xaver Fuhr, Hermann Geibel, Franz Gelb, Théodore Géricault, Alberto Giacometti, André Gill, Vincent van Gogh, George Grosz, Karl Haider, Raymond Hayns, Karl Hartung, Erich Heckel, Bernhard Heiliger, Barbara Hepworth, Georg Herold, Ferdinand Hodler, Carl Hofer, Alfred Hrdlicka, Jörg Immendorff, Willy Jaeckel, Friedrich Kallmorgen, Wassily Kandinsky, Alexander Kanoldt, Edmund Friedrich Kanoldt, Friedrich Keller Laurent, Georg Friedrich Kersting, Ludwig Kindler, Ernst Ludwig Kirchner, Paul Klee, Max Klinger, Eugen Knaus, Oskar Kokoschka, Georg Kolbe, Käthe Kollwitz, Jannis Kounellis, Alfred Kubin, Carl Kuntz, Albert Lang, Henri Laurens, Wilhelm Lehmbruck, Wilhelm Leibl, Franz Lenk, Max Liebermann, Jacques Lipchitz, Richard Long, Anna Mahler, Aristide Maillol, Edouard Manet, Franz Marc, Hans von Marées, Marino Marini, Ewald Mataré, Henri Matisse, Adolph von Menzel, Manolo Millares, Claude Monet, Henry Moore, Otto Mueller, Edvard Munch, Emil Nolde, Carl Ostertag, Max Pechstein, Camille Pissarro, Jaume Plensa, David Rabinowitch, Franz Radziwill, Ferdinand von Rayski, Auguste Renair, Germaine Richier, Auguste Rodin, Emy Roeder, Medardo Rosso, Carl Rottmann, Ulrich Rückriem, Fritz Schaper, Edwin Scharff, Richard Scheibe, Hermann Scherer, Johann Wilhelm Schirmer, Oskar Schlemmer, Rudolf Schlichter, Otto Schliessler, Joachim Schmettau, Carl Schmidt- Rottluff, Wilhelm Schgnarrenberger, Julius Schnorr von Carolsfeld, Georg Scholz, Carl Moritz Schreiner, Georg Schrimpf, Carl Schuch, Gustav Seitz, Josef Anton Settegast, Theo Siegle, Renee Sintenis, Alfred Sisley, Max Slevogt, Johann Sperl, Wolf Spitzer, Carl Spitzweg, Toni Stadler, Edward Jakob von Steinle, Franz von Stuck, Hans Thoma, Wilhelm Trübner, Fritz von Uhde, Félix Vallotton, Christoph Voll, Edouard Vuillard, Ferdinand Georg Waldmüller, Anton von Werner, Hans Wimmer, Fritz Winter, Fritz Wotruba

 

Einladung

DIE NEUE KUNSTHALLE I, EINLADUNG, KUNSTHALLE MANNHEIM 2003

DIE NEUE KUNSTHALLE I, EINLADUNG, KUNSTHALLE MANNHEIM 2003

DIE NEUE KUNSTHALLE I, EINLADUNG, KUNSTHALLE MANNHEIM 2003

DIE NEUE KUNSTHALLE I, EINLADUNG, KUNSTHALLE MANNHEIM 2003

 

Save the Date

 

Neue Grundrisse nach Ausstellungsebenen

 

Preview und Eröffnung

 

Ausstellungsräume

 

Presseinfo

Die Neue Kunsthalle I / The New Kunsthalle I

Erste Neupräsentation der Sammlung

28. März – 09. November 2003

Nach Beginn der Arbeiten hat es fast auf den Tag genau fünf Monate gedauert, um das erste von uns definierte Ziel zu erreichen, eine „Neue Kunsthalle“ zu präsentieren. Der zentrale Gedanke des neuen Museumskonzeptes konzentriert sich auf das „Lebendigmachen des Kunstbesitzes“.

Nach fast 100 Jahren ihres Bestehens realisiert die Kunsthalle Mannheim programmatisch einen Neuanfang. Dabei werden die drei Gebäudeteile des Hauses – Altbau, Neubau und Bunker – mit einem neuen Raum- und Funktionsprogramm vorgestellt. Darüber hinaus erfolgt die Präsentation der Sammlungsbestände im Altbau zunächst partiell, im Neubau und Bunker vollständig unter neuen inhaltlichen Leitlinien. Die Kunsthalle manifestiert sich von heute an als ein kultureller Ort, der zwischen den Polaritäten ‚Musentempel’ und ‚Dialogisches Museum’ angesiedelt ist. Damit wollen wir das Museum als ein Ort der ‚Konstruktion von Geschichte’ und der ‚Musealisierung von Kunst’ überwinden und den zum Beginn des 21. Jahrhunderts stattfindenden Funktionswandel von Kunst und Museum kritisch hinterfragen.

Eine permanente Aktualisierung von Gegenwart kann in einem dialogischen Museum nur durch die radikale Präsentation und Thematisierung des Gegenwärtigen in einer kritischen Beziehung zum Vergangenen erreicht werden. So werden Kunstwerke für den Betrachter anhand von ungewohnten Korrespondenzen über Epochen oder Kulturen hinweg aktualisiert und ermöglichen ihm dadurch neue geistige Freiräume.

Mit der in rhythmischen Wechseln stattfindenden Ausstellungsreihe „Die Neue Kunsthalle“ wird sich das Mannheimer Museum stufenweise zu einem „Musée imaginaire“ entwickeln, dessen Sammlung allmählich eine „andere Ordnung“ vor Augen führt, wie sie bisher in keinem anderen Museum der Welt existiert. Hierbei wird auch die strenge Trennung zwischen den Kategorien Malerei, Plastik, Graphik, Fotografie, Video und Film aufgelöst.

Die Räume der „Neuen Kunsthalle“ erschließen sich wie die eigenständigen Kapitel eines Buches, denen stets ein übergreifendes Thema und eine dialogische Komponente eigen ist. Vom WeltRaum über den NaturRaum, mit ihren grundlegenden Fragestellungen nach dem existenziellen Bezug des Menschen zur Welt und zur Natur, führt der Weg zum Menschen selbst, zum KörperRaum, EigenRaum und IdentitätsRaum. Themenbereiche, die vom Dasein des Menschen handeln, eröffnen in den mit TraumRaum, AngstRaum und ExistenzRaum betitelten Räumen im Obergeschoss des Neubaus ungewohnte ästhetische Herausforderungen. Von geradezu lebensbestimmender Polarität ist schließlich die Gegenüberstellung der Bereiche LebensRaum und TodesRaum. Am Ende des Rundgangs durch die „Neue Kunsthalle“ stehen zum einen Werkkomplexe mit politischen und religiösen Themen sowie ein Raum, der sich mit dem kollektiven Gedächtnis auseinandersetzt.

 

Eröffnungsrede

Rede zur Eröffnung der Ausstellung

Die Neue Kunsthalle: Erste Neupräsentation der Sammlung

28. März bis 14. September 2003

 

„Zu träumen ist daher von einem offenen Museum, das neue Werke sowohl schützt als auch immer wieder preisgibt, und zwar der unendlichen Reflexion seiner Besucher. Diese Konstellation immer wieder zeitgemäß zu gestalten, ist Aufgabe eines Museums, das der Vergangenheit wie der Gegenwart verpflichtet ist, weil sich jene nur in dieser einholen und diese sich nur durch jene bestimmen lässt.“     Michael Diers

Ein Neubeginn nach fast 100 Jahren

Nach Beginn der Arbeiten hat es fast auf den Tag genau fünf Monate gedauert, um das erste von uns definierte Ziel zu erreichen, eine ”Neue Kunsthalle” zu präsentieren. Wenn Siegfried Giedion 1929 zurecht gefordert hat, die Museen müssten am ”Lebendigmachen des Kunstbesitzes” arbeiten, dann ist genau dieser Gedanke Ausgangspunkt unseres Konzeptes. Das Museum als eine ’öffentliche Institution’ muss zu jeder Zeit, in seiner jeweiligen Gegenwart, sein Verhältnis zwischen Kunst und Öffentlichkeit neu klären, muss die zu seinen Beständen gehörenden historischen Bilder gegenwärtig halten.

Nach fast 100 Jahren ihres Bestehens realisiert die Kunsthalle Mannheim programmatisch einen Neuanfang. Dabei werden einerseits die drei Gebäudeteile des Hauses – Altbau, Neubau und Bunker – mit einem neuen Raum- und Funktionsprogramm vorgestellt, andererseits erfolgt die Präsentation der Sammlungsbestände im Altbau zunächst partiell, im Neubau und Bunker vollständig unter neuen inhaltlichen Leitlinien. Das Mannheimer Museum manifestiert sich von heute an als ein kultureller Ort, der zwischen den Polaritäten ”Musentempel” und ”Diskursives Museum” angesiedelt ist. Im Zusammenhang mit der Neupräsentation der Sammlung wollen wir die Vorstellung vom Museum als einem Ort der ”Konstruktion von Geschichte” und der ”Musealisierung von Kunst” thematisieren. Damit wollen wir den zum Beginn des 21. Jahrhunderts stattfindenden Funktionswandel von Kunst und Museum kritisch hinterfragen und anhand eines neuen Präsentationskonzeptes ästhetisch erfahrbar werden lassen.

Die Gegenwärtigkeit des Museums

Mit dem Beginn des „öffentlichen Museums“ im späten 18. Jahrhundert etablierte sich das seinen zunächst magischen, später kultisch-religiösen Funktionen enthobene abbildhafte, autonome Kunstwerk zu einem Museums- und Sammlerwerk. Diese Entwicklung fand im Zusammhang mit der ‚l’art-pour-l’art’-Diskussion des 19. Jahrhunderts eine konsequente Weiterführung. Erst für die Kunst der Moderne, also die historische Avantgarde der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, läßt sich dann eine Veränderung in der Formulierung des künstlerischen Werkbegriffs konstatieren. Das bis dahin durch seine Einmaligkeit und Funktionslosigkeit geprägte autonome Kunstwerk verlor im Zusammenhang mit der wachsenden Technologisierung allmählich seine Authentizität und Aura, mit der es sich von der äußeren Wirklichkeit abgesetzt hatte. An die Stelle des autonomen Gebildes, das von einem selbstreferentiellen Eigenraum und einer spezifischen Eigenrealität bestimmt war, trat mit Beginn der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts ein erweiterter Werk- und Kunstbegriff. Parallel zu der damals einsetzenden Verbreitung neuer Medien sahen sich viele der jüngeren Künstler mit der Situation eines Stilpluralismus, einer totalen Verfügbarkeit gestalterischer Mittel und inhaltlicher Möglichkeiten konfrontiert. Daher versuchten sie, ein neues bildnerisches Denken zu formulieren, das vor allem auf dem kreativen Potential des Individuums basiert. Der Glaube an die eine vorbildhafte Künstlersprache der Avantgarde, die ‚eine Wahrheit’, wurde durch die Komplexität vieler sich gleichzeitig entwickelnder individueller Sprachen, d. h. eine Situation der ‚vielen Wahrheiten’ ersetzt.

Werke der Gegenwartskunst seit dieser Zeit manifestieren sich verstärkt als raum- und aktionsbezogene Kunstformen, die in metaphorischer oder symbolischer Weise auf die Realität der Welt verweisen. Zunehmend beziehen sie sich auf den faktischen Museumsraum, den privaten oder den öffentlichen Raum und damit auf die Wirklichkeit des Betrachters. Darin manifestiert sich die Suche vieler Künstler nach der verlorengegangenen ‘authentischen‘ Wirklichkeit des Subjekts, nach dem subjektiven Denken, Fühlen, Sehen und Wahrnehmen von Gegenwart.

Gleichzeitig beziehen sie sich viel deutlicher als Kunstwerke früherer Zeiten auf funktionale, gesellschaftliche, architektonische oder urbane Kontexte bzw. geben diese als Teil des Werkes zu erkennen. Mit der wiederkehrenden kontextuellen Qualität gewinnt das Kunstwerk auch zunehmend die Qualität der „Aura“ wieder – es weist weit über sich hinaus, ist dabei aber stark von der Erfahrung des „Hier und Jetzt“ geprägt. Dementsprechend muß ein Museum von heute den kontextuellen Bedürfnissen des Kunstwerkes Rechnung tragen und diese in ihrer spezifischen Eigenart vermitteln. Es muß daher gleichzeitig räumliche Gegebenheiten berücksichtigen sowie ästhetische Präsentations- und Vermittlungsformen erarbeiten, die dem veränderten Werkbegriff der Gegenwartskunst Rechnung tragen.

Insofern müssen Museen die Frage stellen, ob sie sich strukturell noch mit der Wahrnehmung und den Vorstellungen der Menschen von heute in Einklang befinden. Eine nach kunsthistorischen Kategorien aufbereitete Museumssammlung, die die Vermittlung von Wissen über die Werke in den Vordergrund stellt, wird von den meisten Betrachtern kaum mehr als eine Zusammenstellung ästhetischer Werke wahrgenommen oder, wenn ja, dann nur summarisch oder oberflächlich. Der Auftrag eines Museums heute muss es folglich sein, dass der Besucher nicht mit interesselosem Wohlgefallen durch die Museumsräume schlendert, sondern zu einem wachen, nachdenklichen und teilweise interaktiven Rezipienten und somit selbst zum „Sinnproduzenten“ wird.

Eine permanente Aktualisierung von Gegenwart und Gegenwärtigem kann in einem diskursiven Museum nur durch die radikale Präsentation und Thematisierung des Gegenwärtigen in einer dialogischen Beziehung zum Vergangenen erreicht werden. Insofern sollten zwischen der traditionellen, autonomen Kunst einerseits und Einzelwerken, Werkgruppen, Rauminstallationen oder kontextbezogenen Gestaltungsformen andererseits immanente Bezüge veranschaulicht und erfahrbar gemacht werden, um so das „Denken der Gegenwart“ bewußt zu machen.

Damit soll der Versuch unternommen werden, einen Museumstyp zu entwickeln, der dem Betrachter neue geistige Freiräume ermöglicht, indem er ihm die Werke durch ungewohnte Korrespondenzen untereinander sowie über Epochen oder Kulturen hinweg näherbringt. So werden in dem stufenweise zu entwickelnden diskursiven ‚Musée imaginaire’ Kunstwerke aus den verschiedensten Epochen der europäischen Kunstgeschichte von der Antike bis heute teilweise auf künstlerische Gestaltungen aus anderen außereuropäischen Kulturkreisen treffen, um dem heutigen Betrachter aufgrund von strukturalen Analogien sowie einer kontextuellen Präsentationsform wieder ästhetische Erfahrungen zu ermöglichen.

Die „Neu Kunsthalle“: ‚Musentempel’ und ‚Diskursives Museum’

Werner Hofmann, forderte schon 1970, dass die Museumskunst jeweils am zeitgenössischen Kunstbegriff zu messen sei und man in Museen künstlerische „Modellsituationen“ im Sinn der Erprobung neuer Standpunkte entwickeln sollte. In Anlehnung an diese Forderung nach einer Anpassung des Museums an die jeweilige Gegenwart und einer kontinuierlichen Aktualisierung seiner Sammlung haben wir in der Kunsthalle Mannheim eine ‚Modellsituation’ geschaffen, die sowohl der Idee des ‚Musentempels’, als auch der des ‚Diskursiven Museums’ verpflichtet ist. Das Präsentationskonzept wird damit zum einen den historischen Sammlungsbeständen gerecht, zum anderen öffnet es sich stärker als bisher für neuere Bestände sowie Leihgaben in Form von Werken und Werkgruppen der Gegenwartskunst. In der „Neuen Kunsthalle” werden folglich in den nächsten Jahren in rhythmischem Wechsel Werke der unmittelbaren Gegenwart mit historischen Kunstwerken zu dialogartigen Konstellationen zusammengestellt, so dass sich ihre inhaltlichen, strukturell wesenhaften und ästhetischen Besonderheiten wechselseitig beleuchten.

Grundlage des neuen Präsentationskonzeptes ist der Sammlungsbestand der Kunsthalle, dessen Schwerpunkte zum einen in der französischen und deutschen Malerei des späten 19. und 20. Jahrhunderts, zum anderen im Bereich der Plastik des 20. Jahrhunderts liegen. Ergänzt wurde diese Sammlung für die „Neue Kunsthalle“ in dieser ersten Phase durch Leihgaben von Künstlern, Sammlern, Stiftern, Förderern, Museen oder auch durch einzelne Neuerwerbungen. Im Altbau haben wir zunächst sehr behutsam, im Neubau und Bunker dagegen sehr intensiv versucht, die Bestände mit längerfristigen Leihgaben von Werken der unmittelbaren Gegenwartskunst in einen lebendigen Dialog zu bringen. Dabei haben wir die strenge Trennung zwischen den Kategorien Malerei, Plastik, Grafik, Fotografie und Video aufgelöst. Die in den Räumen des Altbaus, Neubaus und Bunkers ungewohnt kombinierten Partnerwerke lassen dabei durch zahlreiche inhaltlich und formal-ästhetisch herausfordernde Korrespondenzen produktive Impulse und sinnstiftende Fragen entstehen.

Altbau

Im Altbau bietet die „Neue Kunsthalle“ zunächst nur neue architektonische Blickachsen und vereinzelt umgebaute Ausstellungsräume. Hier wurden zum einen Sammlungsräume mit traditioneller Museumshängung einem umgebauten und neuartig präsentierten Expressionistensaal gegenüberstellt, zum anderen sind hier neben dem in der Lichthalle inszenierten „Großen Fisch“ von Constantin Brancusi Lichtinstallationen von Rebecca Horn und Dan Flavin zu sehen. 

Neubau

In insgesamt 16 architektonisch neugestalteten Räumen des Neubaus wurden verschiedene, nach inhaltlichen Leitfäden zusammengestellte Werkgruppen gebildet, die sich – ausgehend von den übergreifenden Themen ”Kosmos Natur” und ”Kosmos Mensch” – in erzählerischen Kapiteln über das gesamte Gebäude verteilen.

Das Museum ist von heute an über den Haupteingang Friedrichsplatz zu erreichen. Das vorhandene Foyer wurde zu einem Ort umgestaltet, der von Licht durchflutet und einladend ist. Im Eingangsfoyer treffen bereits die Welten des öffentlichen Raums und des ‚halböffentlichen’ Museums-Raums aufeinander. Die Museumsbesucher können an diesem Ort bereits Fotoarbeiten des jungen Frankfurter Künstlers Nasan Tur betrachten.

Hinter dem Museumsshop öffnet sich für den Museumsbesucher dann „Die Neue Sammlung”, die sich wie ein roter Faden durch die Ausstellungsräume zieht. Diese ‚Immaginäre Sammlung auf Zeit’, wird nach sechs Monaten teilweise wieder aufgelöst, in manchen Räumen verändert, durch andere künstlerische Positionen erweitert oder durch bestimmte Themen ergänzt.

In den 16 neuen Räumen wurden Werke von Künstlern der Sammlung mit Leihgaben in der Weise kombiniert, dass korrespondierende Werkgruppen mit folgenden Themen und Inhalten entstanden:

 

WeltRaum/NaturRaum

KörperRaum

EigenRaum

IdentitätenRaum

PassagenRaum

ClubRaum

RaumRaum

StadtRaum

LebensRaum

TraumRaum

AngstRaum

ExistenzRaum

TodesRaum

ErinnerungsRaum

GottesRaum

DunkelRaum

 

Bunker

Im Bunker, der sich unter dem Neubau befindet und mit Hilfe der H. W. & J. Hector Stiftung zu einem weiteren und weitgehend unabhängigen Teil des Museums ausgebaut werden konnte, zeigen wir in vierteljährlichem Rhythmus ausgewählte thematische Blöcke der graphischen Sammlung im Dialog mit Werken der zeitgenössischen Kunst. Die erste Sonderpräsentation, mit der die Reihe der ”Dialoge im Bunker” beginnt, widmet sich dem Thema der ”Sublimen Landschaft”. Kann man im großen Ausstellungsraum des Bunkers anhand von über 50 gezeichneten Langschaftsdarstellungen der Graphischen Sammlung aus dem 19. Jahrhundert die Virtuosität, Sensibilität und Komplexität eines individuellen bildnerischen Ausdrucks mit den Mitteln von Linie, Pinselstrich und Farbe eindrucksvoll erfahren, so öffnet sich in den anderen Räumen ein Panorama zeitgenössischer Ansichten von Landschaften und Seelandschaften, die als Zeichnungen, Fotografien oder Videoprojektionen gestaltet wurden. Neben den romantischen Landschaftsdarstellungen sind hier Werke von Ansel Adams, David Claerbout, Thomas Joshua Cooper, Elger Esser, Axel Hütte, Catherine Opie, Jörg Sasse, Hiroshi Sugimoto und Bill Viola zu sehen.

Rolf Lauter

 

 

Videos von Oliver Boberg